Henning Vöpel

Henning Vöpel

HWWI-Direktor Henning Vöpel

„Russland droht eine Finanz- und Währungskrise“

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Russland steckt in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Das Land hat sich international durch den Konflikt mit der Ukraine isoliert. Mehr noch als die Sanktionen aber trifft der stark gefallen Ölpreis die russische Volkswirtschaft. Ein Drittel des Staatshaushalts wird aus den Erlösen der Energieexporte finanziert. Die Devisenerlöse aus dem Ölgeschäft sinken. Die Abwertung des Rubels kann dem nicht entgegenwirken, denn mit dem drastisch gesunkenen Außenwert der russischen Währung werden die Importe teurer.

Aus der russischen Wirtschaftskrise droht sich eine Finanz- und Währungskrise zu entwickeln. Die Zentralbank Russlands hat versucht, der Kapitalflucht erst mit höheren Zinsen und nun mit Verkäufen der Devisenreserven entgegenzuwirken – vergeblich. Denn die Ursachen der russischen Krise liegen tiefer: Russland hat sich in der Vergangenheit zu stark auf die Ölexporte verlassen – wie so viele andere Länder, die reich an Rohstoffen sind und darüber vergessen haben, ihre Wirtschaft zu entwickeln und zu diversifizieren. Vom „Fluch des Rohstoffreichtums“ ist dann die Rede. Jede Bewegung auf den internationalen Rohstoffmärkten, die im Allgemeinen sehr volatil sind, erschüttert diese Länder.

Im Fall von Russland verbinden sich mit dem fallenden Ölpreis geopolitische Konsequenzen. Ohnehin befindet sich das Land nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf der Suche nach der neuen Rolle innerhalb einer Weltwirtschaftsordnung, die im Begriff ist, die Kräfteverhältnisse neu zu ordnen. Russland selbst scheint die Antwort auf die Frage nach seiner zukünftigen Rolle nicht gefunden zu haben.

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