Medienexperte Michael Spreng im Gespräch über das Image- <br> problem der Finanzbranche

Medienexperte Michael Spreng im Gespräch über das Image-
problem der Finanzbranche

„Ich erwarte eine Wir-haben-verstanden-Kampagne von der Finanzwirtschaft“

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DAS INVESTMENT.com: Journalisten und Finanzexperten haben in der öffentlichen Wahrnehmung eines gemein. Sie gelten als kaum glaubwürdig, und das Vertrauen in beide Berufsstände ist gestört. Sollten Banken mehr Krankenschwestern und Feuerwehrmänner einstellen?

Michael Spreng: Wenn es so einfach wäre, wäre es eine Lösung. Doch das Problem ist gravierend. Wenn Banken mit dem Geld ihrer Kunden ins Kasino gehen, und draußen steht der Staat und sagt: „Keine Sorge, wenn ihr weitere Chips braucht, kommt zu mir“, wundert es mich nicht, dass die Bevölkerung Unverständnis und Wut zeigt.

DAS INVESTMENT.com: Wie kann das Image verbessert werden?

Spreng: Nur durch eine tiefe Einsicht. Der Ölkonzern Shell wollte 1995 die ausrangierte Plattform Brent Spar im Meer versenken. Daraufhin gab es massive Proteste, und der Umsatz an den Shell-Tankstellen brach ein. In dieser Krise lenkte das Unternehmen ein, verzichtete auf die Verschrottung im Meer und startete die Kampagne „Wir haben verstanden“. Diese Erkenntnis und Aussage erwarte ich von der Finanzwirtschaft.

DAS INVESTMENT.com: Eine Botschaft, die schnell als Lippenbekenntnis abgetan werden könnte.

Spreng: In der Tat. Die Aussage muss einen Praxistest bestehen. Der Vertrieb von Finanzprodukten muss viel verständlicher werden und deutlich transparenter. Provisionen und Gebühren müssen offengelegt, die Risiken mündlich und schriftlich dargestellt werden.

DAS INVESTMENT.com: Sie haben Edmund Stoiber, Jürgen Rüttgers und Dax-Vorstände beraten. Was ist der Unterschied zwischen der Arbeit mit einzelnen Köpfen im Vergleich zu einer breiten Kampagne?

Spreng: Eine persönliche Beratung und Positionierung ist deutlich einfacher. Von Mensch zu Mensch wird zudem keine vollkommene Perfektion erwartet. Dass niemand ohne Fehl und Tadel ist, versteht jeder. Eine breite Kampagne ist indes deutlich schwieriger.

DAS INVESTMENT.com: Wie fallen Ihre Erfahrungen mit dem Finanzvertrieb aus?

Spreng: Ich habe mich erfolgreich gegen jede Art von geschlossenen Beteiligungen gewehrt. Ein Teil meines Kapitals und meiner Altersvorsorge ist in Fonds investiert. Diese Anlagen habe ich ganz bewusst gewählt. Glücklich angesichts der derzeitigen Turbulenzen bin ich jedoch nicht.

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