Passanten in Tokio: Eine Belebung japanischer Exporte dürfte auch die Binnenkonjunktur ankurbeln. Foto: Imago Images / Kyodo News

ICM-Investmentbank-Vorsitzender

China bringt Japan voran

In der Volksrepublik arbeitet die Wirtschaft bereits fast wieder auf dem Vor-Corona-Niveau. Die chinesischen Konsumenten fragen schon wieder vermehrt Sachwerte und langlebige Produkte nach. Das kommt nicht nur heimischen Unternehmen zugute, sondern auch japanischen. Diese profitieren von der konjunkturellen Erholung Chinas aufgrund der geographischen Nähe Japans mehr als die westlichen Anbieter.

Die Bestellungen japanischer Werkzeugmaschinen gelten als hervorragender Indikator für den Zustand der Wirtschaft. Und da sieht es gar nicht schlecht aus. Zwar brach die Nachfrage im April im Jahresvergleich um satte 48 Prozent ein. Dann erholten sich die Bestellungen jedoch rasch wieder.

Die Bemühungen der chinesischen Regierung seine Wirtschaft anzukurbeln zeigten auch über die Grenzen hinweg Wirkung. Ziel Pekings ist es nach wie vor, dass das chinesische Brutto-Inlands-Produkt in diesem Jahr doppelt so hoch ausfällt wie 2010. Vor allem wenn sich die Bautätigkeit in der Volksrepublik weiter beschleunigt, dürfte die Nachfrage nach japanischen Werkzeugmaschinen weiter Fahrt aufnehmen.

Blaupause für den gesamten Export

Die Nachfrage nach japanischen Werkzeugmaschinen spiegeln exemplarisch den Zustand der gesamten Exportindustrie Nippons. Diese ist im April um 22 Prozent geschrumpft. Damit fiel der Einbruch noch größer als während der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise aus. Der Rückgang war auch größer als der im August 1986, den die massive Aufwertung des Yens verursacht hatte.

Trotzdem leidet der japanische Export unter Covid-19 offenbar weniger als die Ausfuhren der westlichen Industrieländer. Der chinesische Einkaufsmanager-Index läuft den japanischen Exporten in etwa drei Monate voraus. Und der Caixin PMI erholt sich seit der Wiedereröffnung der chinesischen Wirtschaft. Für die Ausfuhren Nippons stehen somit die Ampeln auf grün.

Eine Belebung der japanischen Exporte dürfte auch die Binnenkonjunktur wieder ankurbeln. Denn steigende Gewinne bei den Ausfuhren führen erfahrungsgemäß auch zu zunehmenden Investitionen und Einstellungen neuer Mitarbeiter im Inland. Zudem hat die weltweite Corona-Pandemie in Japan deutlich weniger tiefe Spuren als in Europa, den USA aber auch in China hinterlassen.

Mehr zum Thema
ICM-Investmentbank-Vorstand Norbert HagenInvestmentsteuerreform: Replizierende ETFs erhalten Vorteile Vorstand der ICM Investmentbank„Die Zeiten billigen Öls sind vorbei“ ICM-Investmentbank-VorsitzenderDie Trendwende beim Ölpreis ist absehbar