IKB-Chefökonom Klaus Bauknecht Welche Rolle die US-Geldpolitik für Devisenkurse spielt

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Steigende US-Zinsen haben somit alleine nur einen sehr begrenzten Einfluss auf das systematische Risiko der Devisenkurse von Schwellenländern. Die Behauptung, Devisenkurse von Schwellenländer würden alleine aufgrund der US-Geldpolitik gemeinsam auf- oder abwerten, lässt sich demnach nur sehr begrenzt bestätigen.

Bei Devisenkursen von Schwellenländern geht es eher um die spezifische Entwicklung in den jeweiligen Ländern und damit vor allem um die Risikoeinschätzung der Märkte. So ist die globale Risikoaversion, gemessen durch die Spreads eines in US-Dollar-demontierten Portfolios von High-Yield-Unternehmensanleihen ein viel bedeutender Treiber als die Entwicklung der US-Zinsen. Die allgemeine Risikoaversion alleine erklärt rund 30 Prozent der Devisenkurskorrelation und ist somit der bedeutendste Bestimmungsfaktor für den systematischen Gleichlauf der Schwellenländer.

Erhöht sich demnach die globale Risikoaversion und steigen infolgedessen die Risikoprämien an, ergibt sich für alle Devisenkurse ein Abwertungsdruck gegenüber dem US-Dollar-Kurs. Da jedoch eine höhere Risikoaversion zu sinkenden US-Renditen und zu einer US-Dollar-Stärke führt, sollten auch eher sinkende und keine steigenden US-Renditen mit einem erhöhten Gleichlauf bzw. Ansteckungseffekten der Schwellenländer einhergehen.

Für die Industrieländer ergibt sich hingegen ein anderes Bild. Der durch globale makroökonomische Treiber bestimmte Gleichlauf ist deutlich höher und erklärt rund 60 Prozent der Devisenkursvolatilität. Dies ist nicht überraschend, da diese Länder eine homogenere bzw. bonitätsstärkere Gruppe darstellen als die Schwellenländer, bei denen länderspezifische Themen eine größere Rolle spielen. Es bedeutet jedoch auch, dass die Devisenkurse von Schwellenländern eine höhere Diversifikation aufweisen als die von Industrieländern.

Für Devisenkurse von Industrieländern erklärt der US-Dollar-Kurs fast die Hälfte des systematischen Gleichlaufs. Eine US-Dollar-Stärke oder -Schwäche ist somit für Industrieländer von deutlich größerer Bedeutung als für Schwellenländer. Die Risikoaversion ist ebenfalls von Bedeutung, allerdings bei weitem nicht so stark wie bei den Schwellenländern. Sie erklärt nur 5 Prozent des durch makroökonomische Treiber bestimmten Gleichlaufs der Devisenkurse von Industrieländern und ist somit eher zu vernachlässigen. US-Renditen sind hingegen von größerer Bedeutung als bei den Schwellenländern. Doch hier bleibt der Erklärungsgrad ebenfalls eher überschaubar, auch wenn die Stärke oder Schwäche des US-Dollar sicherlich mit der Zinspolitik zu tun hat.

Fazit: Es sind nicht die steigenden US-Zinsen, sondern es ist die Risikoaversion der Märkte, die bei den Devisenkursen von Schwellenländern aktuell für einen Gleichlauf und erhöhte Volatilität sorgt. Die Währungen reagieren also vor allem auf die zunehmenden Risiken der globalen Konjunkturentwicklung, die US-Geldpolitik spielt eine geringere Rolle. Insgesamt weisen die Devisenkurse von Schwellenländern untereinander kein höheres systematisches Risiko auf als die Devisenkurse von Industrieländern. Deshalb beschränken sich Ansteckungseffekte nicht nur auf Schwellenländer, sondern betreffen auch industrialisierte Länder. Denn dort ist die Stärke und Schwäche des US-Dollars entscheidender für den Gleichlauf der Währungen als die Risikobereitschaft der Märkte.

Autor Klaus Bauknecht ist Chefökonom der Industriebank IKB.

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