2 Szenarien Risiken drücken Renditen – aber stärken den Goldpreis

Goldmünzen. Rezessionssorgen treiben den Goldpreis gewöhnlich in die Höhe. Die IKB Bank entwirft zwei Szenarien, wie es mit dem Edelmetall weitergehen könnte. | © Getty Images

Goldmünzen. Rezessionssorgen treiben den Goldpreis gewöhnlich in die Höhe. Die IKB Bank entwirft zwei Szenarien, wie es mit dem Edelmetall weitergehen könnte. Foto: Getty Images

Schon seit geraumer Zeit belastet ein hohes Maß an Unsicherheit die Finanzmärkte. Politische Entwicklungen wie die US-Handels- und -Außenpolitik oder der Brexit sowie die Schuldendynamik wichtiger Wachstumsmärkte mindern das Unternehmer- und Investorenvertrauen. Diese Belastungen haben sich in den letzten Wochen infolge schwacher Konjunkturdaten noch verstärkt.

An den Märkten nahm die Risikoaversion deutlich zu, was sich unter anderem in einer Korrektur der Anleihemärkte niederschlug. 10-jährige US-Renditen sind von einem Niveau von 3,15 Prozent Anfang November 2018 auf aktuell 2,7 Prozent gesunken. Auch die deutschen Renditen haben sich von ihrem Höchststand von 0,46 Prozent im November 2018 deutlich verabschiedet. Insgesamt deuten die Anleihemärkte auf eine eher trübe Konjunkturentwicklung hin.

Jüngste Aussagen der Fed festigen zudem die Erwartung, dass kurzfristig weitere Zinsanhebungen in den USA nicht unbedingt zu erwarten sind. Auch die Europäische Zentralbank deutet an, dass sich die Zinsanhebung hinziehen könnte.

Quelle: Bloomberg

In einem unsicheren Umfeld fokussieren sich Anleger auf Vermögensklassen, die einen „sicheren Hafen“ darstellen; hierzu zählt Gold. Die Motivation liegt im Werterhalt des Vermögens, der bei eskalierender Inflation oder einem realwirtschaftlichen Einbruch gefährdet ist. Deshalb ist der Goldpreis parallel zu den sich aufbauenden konjunkturellen Unsicherheiten sowie dem jüngsten Rückgang der Renditen um rund 100 US-Dollar auf rund 1.300 US-Dollar angestiegen. Noch ist dieser Zuwachs innerhalb der seit 2016 generell gültigen Bandbreite von 1.100 bis 1.350 US-Dollar je Feinunze als nicht außerordentlich hoch einzuschätzen, und er signalisiert eher eine generelle Volatilität als eine Trendwende.

Nach Ausbruch der Finanzkrise 2008/09 hatte sich der Goldpreis von rund 800 US-Dollar auf fast 1.800 US-Dollar je Feinunze mehr als verdoppelt. Ursache für den extremen Preisanstieg war damals die starke Verunsicherung, welche die globalen Implikationen von nicht bewertbaren toxischen Assets spiegelte.

Das aktuelle Umfeld ist selbst bei einer konjunkturellen Eintrübung ein anderes. Nicht berechenbare Risiken von komplexen strukturierten Finanzprodukten sind für die globale Real- und Finanzwirtschaft aktuell von geringerer Bedeutung. Deshalb sind auch Sorgen über eine bevorstehende Finanzkrise eher unangebracht, vor allem im Vergleich zu 2009.

Aktuelle und historische Treiber des Goldpreises

Es sind weniger Inflationsängste, die einen Goldpreisanstieg zur Folge haben – da sie notgedrungen auch zu höheren Renditen führen, die wiederum den Goldpreis unter Druck setzen. Empirische Analysen zeigen, dass vor allem sinkende Renditen und damit Konjunktursorgen dem Goldpreis Auftrieb verleihen. Egal, ob der Zeitraum von 2015 bis Ende 2018 mit einem relativ stabilen Verlauf des Goldpreises oder eine längere Phase (2000 bis 2019) betrachtet wird, die Treiber des Goldpreises erweisen sich als eindeutig: Neben dem Wert des US-Dollar sind es die US-Inflationsrate sowie 10-jährige US-Renditen: Sinkende reale Renditen – nominale Renditen fallen oder die Inflation legt zu – erhöhen die Attraktivität von Gold.

Nachlassende Aktienindizes beziehungsweise sich ausweitende Kreditaufschläge mögen ebenfalls zu einem Anstieg des Goldpreises geführt haben, allerdings nicht mehr in den letzten Jahren. Ob auch eine eskalierende Sorge über den Werterhalt des Vermögens beziehungsweise die Stabilität des Finanzsystems zu einem Anstieg des Goldpreises führen, ist empirisch schwer nachzuweisen.