Mike Judith, DNB Asset Management

Mike Judith, DNB Asset Management

„Im kleinen Monaco kann mir niemand davonlaufen“ – Mike Judith vom Fund Forum in Monaco

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Es braucht einen klugen Plan, um das Maximum aus einer prall gefüllten Konferenz-Agenda wie der des Fund Forum International herauszuholen. Die Teilnehmerliste, die es im Druckformat auf über siebzig DIN A4-Seiten bringt, und die für mich relevanten Besucher kenne ich seit zwei Wochen.

Den zu besuchenden Vorträgen und Podiumsdiskussionen habe ich auf dem Hinflug Prioritätsmerkmale zugeordnet, die mir in der Tagesplanung eine gewisse Flexibilität erlauben. Recht häufig ergeben sich nur scheinbar zufällige, interessante Unterhaltungen mit Investoren und Vertriebskollegen aus dem internationalen Geschäft.

„Wir sehen uns bei der nächsten WM“

Der Austausch über Produktinnovationen, den Umgang mit einem sich stets wandelnden regulatorischen Umfeld und bemerkenswerte Vertriebsmaßnahmen sprengen in aller Regel den vom Veranstalter hierfür vorgesehenen Zeitrahmen. Und dann ist die UEFA-Europameisterschaft noch mit keiner Silbe erwähnt, was wiederum den Engländern unter uns entgegenkommen dürfte.

„Sorry Mike“, schreibt mir Paul von Investment Europe, „aus dem deutsch-englischen Treffen im Halbfinale wird dieses Jahr nichts. Wir sehen uns bei der nächsten WM.“ Gerne. Ich verzichte in meiner Antwort auf das Gary Lineker-Zitat, muss aber unweigerlich daran denken.

Mit knapp dreißig Diskussionsrunden und Präsentationen stellt der erste Veranstaltungstag ein gutes Aufwärmprogramm für die kommenden zweieinhalb Konferenztage dar. Das Global Distribution Summit, das Emerging Markets Investment Summit sowie das Investment Product Innovation Summit dominieren das Programm des gestrigen Tages.

„Eine Schlüsselposition werden Nischenanbieter aber nie einnehmen“

Meine Aufmerksamkeit gilt dem Vertriebs-Panel. In einer Podiumsdiskussion betont Jean-Francois Hautemulle, Chef-Fondsselektor bei UniCredit Private Bank, wie wichtig ihm eine fokussierte Auswahl an präferierten Partnern ist. Nur eine übersichtliche Shortlist von zehn Vermögensverwaltern würde es seinen Bankberatern ermöglichen, Fondsmanageransätze im Kundengespräch glaubhaft zu erläutern.

Laurent Auchlin, leitender Fondsresearcher und bei Lombard Odier & Cie auch für die Gestaltung der offenen Architektur verantwortlich, stellt die Leistungsfähigkeit dieses Konzepts in Frage: „Wie flexibel sind Sie mit diesem Ansatz eigentlich? Halten Sie an diesen Partnern etwa fest, selbst wenn es für einzelne Strategien deutlich bessere Anbieter auf dem Markt gibt?“

Die Podiumsdiskussion kommt zur Schlussfolgerung, dass die Mindestanforderung in einer „Guided Architecture“ liegen muss, bei der auch Boutiquen zum Zuge kommen und ihre Stärken ausspielen können.

„Eine Schlüsselposition werden Nischenanbieter aber nie einnehmen“, bekräftigt Jean-Francois Hautemulle den hauseigenen Ansatz. Diese könnten die adäquate Betreuung eines länderübergreifenden Vertriebsnetzes nicht gewährleisten.

„Unsere Fondsanalysten kennen die Vertriebsvereinbarungen erst gar nicht“

Einen ebenso einfachen wie einleuchtenden Ratschlag erteilt Jim Rotsman, Leiter der Fondsselektion für die nordische Fondsplattform bei Skandia, seinen Branchenkollegen: „Legen Sie dem Kunden offen, welchen Asset Manager Ihr Haus für eigene Mandate ausgewählt hat oder im konkreten Fall auswählen würde.“ Dieser transparente Ansatz würde allen Beteiligten zu Gute kommen.

Aus dem Publikum will nun jemand wissen, welchen Einfluss die Retrozessionen, also die von Produktanbietern gezahlten Rückvergütungen, auf die Selektion der Fondsmanager hätten. „Unsere Fondsanalysten kennen die Vertriebsvereinbarungen erst gar nicht“, stellt Jim Rotsman klar.

Meine Vorfreude gilt dem heutigen „Country Distribution Roundtable“, der sich exklusiv der deutschsprachigen Fondslandschaft widmet. Mit Christophorus Lehmann, Fondsanalyst und Dachfondsmanager bei Raiffeisen Capital Management, und Harald Egger, CIO und Fondsmanager bei Erste-Sparinvest, ist diese Runde auch mit prominenten Marktteilnehmern aus Österreich besetzt.

Neben einem Speed-Networking und einigen parallel verlaufenden „Meet the CEO Lunch Tables“ stehen mehr als ein Dutzend weiterer Veranstaltungen auf der Agenda. „Doch das Allerbeste am FFI ist“, wie mir ein französischer Vertriebskollege grinsend versichert, „dass mir im kleinen Monaco niemand davonlaufen kann.“ Im Ausland begangene Finanzvergehen werden in Monaco zwar nicht verfolgt, zeitweise wohl aber die Fondsselektoren.

Zum ersten Bericht von Mike Judith aus Monaco: Kein schlechter Ort zum Lernen

Mike Judith ist seit Juni 2010 bei DNB Asset Management S.A. in Luxemburg und ist dort verantwortlich für das Geschäft mit internationalen institutionellen Investoren.

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