Hamburger Innenstadt: Deutsche Immobilien-Investoren <br> sehen sich selbst als Gewinner der Euro-Krise (Foto: Sandro Götze/Fotolia)

Hamburger Innenstadt: Deutsche Immobilien-Investoren
sehen sich selbst als Gewinner der Euro-Krise (Foto: Sandro Götze/Fotolia)

Immobilien-Studie: Deutschland und Polen sind Gewinner der Euro-Krise

Fast jeder zweite Immobilien-Investor geht davon aus, dass Deutschland verstärkt aus der aktuellen Schuldenkrise in Europa hervorgehen wird. An eine einschneidende Schwächung des deutschen Marktes in Folge der Euro-Krise glauben gerade einmal 3 Prozent der europäischen Immobilienprofis.

Das ergab eine Studie von Union Investment, für die in Deutschland, Frankreich und Großbritannien 167 Immobilieninvestoren befragt wurden.

38 Prozent der Befragten rechnen damit, dass der polnische Markt gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. 31 Prozent glauben an den türkischen, 29 Prozent an den schwedischen und 25 Prozent an den Schweizer Immobilienmarkt.

An den Immobilienmärkten in Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden scheiden sich hingegen die Investoren-Geister: Hier gehen ebenso viele Befragte von einer Stärkung wie von einer zusätzlichen Schwächung im aktuellen Zyklus aus.

Bei den Ländern der südlichen Peripherie - insbesondere bei Portugal und Spanien, das die Umfrageteilnehmer als Risikomarkt Nummer 1 für die nächsten zwei bis drei Jahre einstufen - dürfte die Schuldenkrise nach Ansicht der Investoren mit besonderer Härte auf die lokalen Immobilienmärkte durchschlagen.

Franzosen befürchten Kreditklemme und steigende Steuern

Gefragt nach den mittel- bis langfristigen Auswirkungen der Schuldenkrise, stellt sich mit 78 Prozent die deutliche Investorenmehrheit auf eine „längere Phase der Unsicherheit auf allen europäischen Immobilienmärkten“ ein. Jeweils 90 Prozent erwarten eine „stärkere Konzentration der Investments auf die stabilen nordeuropäischen Märkte“ sowie eine „Verstärkung des Nord-Süd-Gefälles“. Eine ebenso deutliche Mehrheit (88 Prozent) sieht höhere „Kapitalanforderungen an Investoren“ auf sich zukommen.

Die Gefahr einer „neuen Kreditklemme“ (72 Prozent) wie „steigender Steuern“ (77 Prozent) wird in Frankreich mit einer Zustimmung von 86 Prozent beziehungsweise 100 Prozent überproportional stark gesehen. Immerhin 68 Prozent der Gesamtbefragten glauben, dass im Verlauf der Schuldenkrise die Nachfrage nach „opportunistischen Investments“ steigen wird. Eine „Rezession in allen Teilen Europas“ halten demgegenüber nur 39 Prozent der Investoren für ein wahrscheinliches Szenario.

German Angst: Sicherheit vor Rendite

Angesichts der jüngsten Marktturbulenzen gewinnt die Sicherheit einer Anlage immer mehr an Bedeutung. Besonders risikoscheu sind dabei die deutschen Investoren. Für 55 Prozent von ihnen ist Sicherheit derzeit das wichtigste Anlagemotiv. Weit dahinter rangieren Rendite (28 Prozent) und Liquidität (8 Prozent). Vor sechs Monaten nannten lediglich 33 Prozent der deutschen Investoren die Sicherheit als das ausschlaggebende Kriterium für ihre Anlageentscheidungen; die Rendite war für 43 Prozent am wichtigsten.

In Frankreich hingegen gehen nur 32 Prozent der Immobilien-Anleger lieber auf Nummer sicher, in Großbritannien sind es sogar nur 9 Prozent. Bei den Briten bleibt die Rendite mit 84 Prozent auch in einem schwierigen Konjunkturumfeld das zentrale Anlagemotiv.

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