BF.direkt-Chef Francesco Fedele

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Immobilien und Finanzinstitute

„Eine europäische Bankenkrise ist nicht zu erwarten“

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Viele Marktakteure fürchten eine Bankenkrise in Italien, die schockartige negative Auswirkungen auf die europäischen Immobilienmärkte und auch auf Deutschland haben könnte. Diese Sorge ist jedoch unbegründet. Der italienische Staat kann eine Bankenrettung verkraften. In Relation zu den sehr hohen Staatsschulden fällt diese nicht ins Gewicht.

Rollt die nächste Finanz- und Immobilienkrise auf Europa zu? Seit geraumer Zeit schwelt die italienische Bankenkrise mehr oder weniger unterschwellig vor sich hin. Die Geldinstitute in der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone sitzen auf einem 360 Milliarden Euro großen Berg von nicht werthaltigen Krediten. Experten beziffern den Sanierungsbedarf auf bis zu 100 Milliarden Euro. Ein Report des Internationalen Währungsfonds von Juni 2016 kommt zu dem Schluss, dass Italien derzeit das größte Risiko für Europa darstellt. In diesem Zusammenhang ist es auch nicht verwunderlich, dass die italienische Großbank Monte die Paschi di Siena beim jüngsten Bankenstresstest am schlechtesten abschnitt.

Die kaum abschätzbaren Auswirkungen dieser Krise bereiten vielen Markteilnehmern erhebliche Kopfschmerzen. Denn die Banken sind immer noch eng miteinander verflochten – auch deutsche und französische Banken haben bei ihren italienischen Branchenvertretern sehr große Exposures. Daher blickt auch die deutsche Immobilienwirtschaft derzeit mit Sorge nach Italien. Die Angst: Eine Krise in Italien könnte erhebliche negative Auswirkungen auf die Kreditvergabe und den Immobilienmarkt in Deutschland haben.

Diese Sorge ist jedoch unbegründet. Eine europäische Bankenkrise und damit einhergehend ein Einbruch des Immobilienmarkts ist nicht zu erwarten. Denn der italienische Staat kann die Bankenrettung schultern. Betrachtet man die absoluten Zahlen, sind die 100 Milliarden Euro Sanierungsbedarf der Banken im Vergleich zu den gesamten Staatsschulden Italiens von 2.200 Milliarden Euro eher moderat. Die These ist also gerechtfertigt, dass Italien sich die Bankenrettung leisten kann. Anders ausgedrückt: Die letzten 100 Milliarden Euro Schulden sind dann auch egal.

Eine andere Frage ist freilich, auf welchem Weg die Banken gerettet werden. Die neuen Vorgaben der EU zur Bankenrettung (Bankenunion) sehen eigentlich vor, dass erst einmal Eigentümer und Gläubiger der Bank herangezogen. Die Alternative ist eine direkte Rettung durch den Staat – so wie in der Krise 2008.

Egal welcher Weg beschritten wird, die damit einhergehende Erschütterung der Finanzmärkte wird meiner Meinung nach keine großen Auswirkungen auf die deutschen Immobilienfinanzierer haben. Die Kreditversorgung der Immobilienwirtschaft wird gewährleistet sein, ein Markteinbruch ist damit nicht zu erwarten.

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