Die Wohnselect Kapitalverwaltungsgesellschaft stoppt mit sofortiger Wirkung die Rücknahme und Ausgabe von Anteilen am offenen Immobilienfonds Wertgrund Wohnselect D (ISIN: DE000A1CUAY0). Das gab das Unternehmen am 15. Januar bekannt. Wie „Fonds Professionell“ berichtet, handelt es sich dabei um die erste Aussetzung eines deutschen offenen Immobilien-Publikumsfonds seit der Branchenkrise zwischen 2008 und 2012.

In einer Mitteilung des Unternehmens an die Anleger heißt es, alle Rückgabe- und Ausgabeanträge, die nach dem Orderannahmeschluss am Donnerstag, 15. Januar 2026, um 12 Uhr eingegangen sind, werden nicht mehr bearbeitet. Das Fondsvolumen beträgt nach Angaben von Wertgrund aktuell rund 290 Millionen Euro netto. Die derzeit vorliegenden Rückgabewünsche sollen etwa 21 Prozent dieses Volumens entsprechen.

Zwei Faktoren führen zur Aussetzung

Die Gesellschaft nennt in der Mitteilung zwei Gründe für ihre Entscheidung: Zum einen dauern Verkaufsprozesse deutlich länger als geplant, weil deutsche Banken auf Käuferseite restriktiver Kredite vergeben. Dadurch können Transaktionen häufig nicht umgesetzt werden. Die Gesellschaft kalkuliert mittlerweile mit Verkaufszeiten von deutlich mehr als sechs Monaten.

Zum anderen bleiben die Rückgabevolumina branchenweit auf hohem Niveau. Als kleinerer Anbieter ohne eigenen Bankenvertrieb ist dies für Wertgrund besonders herausfordernd. Erschwerend kam hinzu, dass im November 2025 ein wichtiger Vertriebspartner im Privatkundengeschäft weggebrochen ist.

Verkäufe unter aktuellen Werten

Der Fonds hatte nach Unternehmensangaben in den vergangenen Jahren bereits Rückgaben in Höhe von rund 147,5 Millionen Euro bedient – das entspricht etwa 31,7 Prozent des Nettofondsvermögens. In den vergangenen zwei Jahren veräußerte die Gesellschaft fünf Immobilien im Volumen von 98 Millionen Euro im Bereich der aktuellen Verkehrswerte.

Im zweiten Halbjahr 2025 konnten dabei zwei geplante Objektverkäufe aufgrund des schwierigen Marktumfeldes nicht wie vorgesehen umgesetzt werden. So wurde etwa im September ein Objekt in Dresden veräußert. Der Gewinn floss jedoch nicht vollständig in den Fonds zurück, sondern musste teilweise zur Tilgung von Verbindlichkeiten verwendet werden, die eine Bank gefordert hatte.

Interessenausgleich zwischen Anlegern

„Oberste Priorität hat für uns - neben der Sicherstellung der nachhaltigen Bewirtschaftung des Sondervermögens - der angemessene Ausgleich der Interessen zwischen den Anlegern, die ihre Anteile zurückgeben wollen, und den Anlegern, die auch weiterhin ihre Anteile am Fonds halten wollen“, heißt es in der Mitteilung an die Anleger. Die Aussetzung solle helfen, Verkäufe unter Zeitdruck zu vermeiden.

Ohne die Maßnahme bestehe das Risiko, Rückgaben nur durch Notverkäufe bedienen zu können – mit erheblichen Nachteilen für Fonds und Anleger, teilt das Unternehmen mit. Die Aussetzung gebe die notwendige Zeit, Objekte marktgerecht und werterhaltend zu platzieren.

Wertentwicklung mit Licht und Schatten

Seit der Auflage im Jahr 2010 hat der Fonds eine Wertsteigerung von 105,38 Prozent erzielt. Anleger, die zum Stichtag 31. Dezember 2025 seit zehn Jahren investiert waren, verzeichneten eine Wertentwicklung von 57,01 Prozent. Bei einem Anlagezeitraum von fünf Jahren beträgt der Zuwachs 4,22 Prozent.

Das Immobilienvermögen umfasst nach Unternehmensangaben derzeit rund 397 Millionen Euro mit 1.705 Wohn- und 98 Gewerbeeinheiten. Die Vermietungsquote liegt bei 96,15 Prozent. Der Fonds investiert ausschließlich in deutsche Wohnimmobilien in Metropolregionen und wirtschaftlich starken Mittelstädten.

Aussetzung bis zu drei Jahre möglich

Nach dem Kapitalanlagegesetzbuch darf die Aussetzung der Anteilsrücknahme bis zu drei Jahre dauern. Wertgrund betont jedoch, diese Maximaldauer nicht ausnutzen zu wollen. Die Dauer hänge von der Entwicklung der Rückgabewünsche, der Transaktionsmärkte und der Finanzierungssituation ab.

Während der Aussetzungsphase will die Gesellschaft die Transparenz erhöhen. Jede Immobilie im Fonds wird monatlich bewertet. Zudem sind regelmäßige Management-Updates in Form von Calls oder Webinaren geplant. Die Monatsberichte sollen inhaltlich erweitert werden, um die Objektebene und geplante Maßnahmen detaillierter darzustellen.

Sobald es die Liquiditätssituation ermögliche, will Wertgrund die für August 2025 geplante und verschobene Ausschüttung nachholen.

Andere Fonds reagieren mit Abwertungen

Andere offene Immobilienfonds – etwa der Uniimmo Wohnen ZBI oder der Leading Cities Invest der Kanam Group – haben mit Abwertungen statt mit einer Rücknahmeaussetzung auf die schwierige Marktlage reagiert.