Immobilienmarkt Europa Warum Wohnen in Deutschland noch relativ günstig ist

Internationaler Vergleich: Wohnraum zu kaufen oder zu mieten wird in Europa immer teurer, wie aktuelle Ergebnisse des Deloitte Property Index 2018 zeigen. | © DAS INVESTMENT

Internationaler Vergleich: Wohnraum zu kaufen oder zu mieten wird in Europa immer teurer, wie aktuelle Ergebnisse des Deloitte Property Index 2018 zeigen. Foto: DAS INVESTMENT

Wenn sich hochrangige Politiker und Spitzenvertreter von Verbänden und Bündnissen zu einem Gipfel zusammenraufen, ahnt man schon, dass es sich um ein Thema mit Bedeutung handelt. So war es auch Ende September dieses Jahres, als Bundeskanzlerin Angela Merkel zum großen Wohngipfel ins Kanzleramt lud. Es ging dabei um die „soziale Frage unserer Zeit“, wie es Bundesinnenminister Horst Seehofer formulierte – nämlich darum, wie man bezahlbaren Wohnraum sichern kann.

Das Kernwörtchen dabei ist bezahlbar, denn Immobilien in Deutschland sind gerade in den Großstädten in der Tat nicht gerade erschwinglich. „Das Gefühl vieler Verbraucher entspricht der Realität, die Wohnungspreise in Deutschland haben angezogen“, sagt Michael Müller, verantwortlich für den Immobilienbereich bei Deloitte. Das Beratungsunternehmen hat zum siebten Mal den Wohnungsmarkt in 14 europäischen Ländern untersucht und die Ergebnisse im „Deloitte Property Index 2018“ veröffentlicht.

Wohnungen vergleichsweise bezahlbar

„Beim Kaufpreiswachstum war Deutschland 2017 mit 9,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr europäischer Spitzenreiter“, so Müller weiter. Trotzdem seien Eigentumswohnungen hierzulande im Vergleich noch bezahlbar. Im Durchschnitt kostete eine 70 Quadratmeter große Wohnung in Deutschland fünf Bruttojahreseinkommen. Die Franzosen müssen dafür acht Jahreseinkommen hinblättern, die Briten 9,8, die Tschechen liegen an der Spitze mit 11,3 Jahreseinkommen. Am günstigsten können sich Belgier mit Wohnraum eindecken, hier brauchte man 2017 rund 3,7 Jahreseinkommen.

Wie groß die Unterschiede in Europa sind, zeigt sich auch bei den Kaufpreisen pro Quadratmeter. Hier reicht die Preisspanne von 1.080 Euro pro Quadratmeter im ungarischen Debrecen bis hin zu 16.512 Euro pro Quadratmeter für eine Wohnung in London. München schafft es mit 7.500 Euro pro Quadratmeter hinter London und Paris sogar zum ersten Mal unter die teuersten Top-3-Städte Europas.

„Damit liegt die bayerische Landeshauptstadt rund 130 Prozent über dem Landesdurchschnitt und hat sich weitgehend vom deutschen Immobilienmarkt abgekoppelt“, sagt Müller. „Auch Wohnungen in Hamburg, Frankfurt und Berlin liegen preislich mehr als 50 Prozent über dem Landesdurchschnitt“, so der Experte weiter. Eine klare Folge des Urbanisierungstrends in Deutschland.

Die Zukunft des Wohnens hierzulande 

Und von diesen Trends gibt es einige, die die Zukunft des Wohnens hierzulande laut der Analyse maßgeblich beeinflussen werden.

  • Die niedrigen Zinsen: Zumindest kurzfristig werden die Zinsen noch niedrig bleiben. Das spornt die Leute an, Immobilien über Kredite zu finanzieren, was wiederum einer der wesentlichen Wachstumstreiber für den Wohnungsmarkt ist und bleibt.
  • Wachsende Nachfrage institutioneller Investoren: Im Niedrigzinsumfeld müssen sich professionelle Anleger wie Pensionsfonds oder Versicherer nach Anlagen umschauen, die es schaffen, mit ihren stabilen Erträgen die langfristigen Verpflichtungen zu decken. Der Immobilienmarkt gilt dabei für viele als sicherer Hafen. Da die Immobilienerträge außerhalb der Großstädte höher sind, zieht es die Investoren nun eher dorthin.
  • Flexibler Wohnraum: Gerade junge Leute wollen komfortable, flexible Wohnungen, die sich an ihren Lebensumständen orientieren. Sich auf Jahre an einen Ort und vor allem an eine Hypothek zu binden, kommt für viele nicht infrage. Architekten und Bauherren fokussieren sich daher oft auf Studenten- oder möblierte Wohnungen nahe den Universitäten. Aber auch die Nachfrage nach seniorengerechten Wohneinheiten steigt.
  • Bezahlbares Wohnen: Um in Zukunft bezahlbaren Wohnraum garantieren zu können, ist der Wohnungsbau von zentraler Bedeutung. Auf dem eingangs erwähnten Wohngipfel haben die Politiker beschlossen, den Bau von 1,5 Millionen neuen Wohnungen zu ermöglichen und in dieser Legislaturperiode mehr als 13 Milliarden Euro in Maßnahmen wie den sozialen Wohnungsbau und das Baukindergeld zu stecken.
  • Luxuriöses Wohnen: Auf der anderen Seite gibt es auch Menschen mit viel Geld, die hohe Ansprüche an Komfort und Lage ihrer Immobilie haben – und auch bereit sind, entsprechende Preise dafür zu zahlen. Projektentwickler versuchen, diesen Wünschen gerecht zu werden, indem sie etwa Wohnungen mit fantastischem Ausblick bauen oder welche, in denen man sogar Autos parken kann.
  • Höhere Baukosten: Beim Bau neuer Wohnungen gibt es auch eine ganze Reihe von Problemen. In den Metropolregionen mangelt es etwa an Grundstücken, zudem treiben behördliche Bauvorschriften die Baukosten nach oben. Und der Fachkräftemangel macht es oft schwierig, genügend Facharbeiter für die Baustellen zu finden.

Fazit: Die Nachfrage nach Wohnraum wird auch in Zukunft weiter hoch bleiben. Architekten und Bauherren müssen sich dabei auf die unterschiedlichen Anforderungen bestimmter Zielgruppen einstellen. Die Politik indes muss sicherstellen, dass sich die Menschen hierzulande Wohnraum überhaupt noch leisten können. Eine einfache Aufgabe ist das wahrlich nicht.