Die Preise steigen, aber gekauft wird trotzdem – so fasst Dr. Klein die aktuelle Lage am Immobilienmarkt zusammen. Der Baufinanzierungsvermittler wertet quartalsweise tatsächlich gezahlte Kaufpreise der Transaktionsplattform Europace aus. Der Blick auf die Top-Städte zeigt besonders im Westen Deutschlands Preissprünge. In Düsseldorf zogen die Kaufpreise für Wohnungen im ersten Quartal – verglichen mit dem Vorjahreszeitraum – um knapp 4 Prozent an, bei Häusern lag die Preissteigerung bei 4,5 Prozent.

Für das teuerste Objekt zahlten Käufer in der Rheinstadt zu Jahresbeginn sogar 14.400 Euro pro Quadratmeter. Das zeige, dass es in der Stadt weiterhin Klientel mit Kaufkraft gebe, meint Dennis Bettenbrock von Dr. Klein in Düsseldorf. Insgesamt seien die Käufer flexibler geworden, beobachtet der Baufinanzierungsvermittler: „Immobilieninteressierte sind schmerzresistenter geworden. Sie kaufen auch bei höheren Zinsen und gehen mehr Kompromisse ein.“ Das fehlende Angebot treibe die Preise nach oben.

 

Im Schnitt zahlen Käufer in Düsseldorf im ersten Quartal Quadratmeterpreise von 3.525 Euro für eine Wohnung und 3.208 Euro für ein Eigenheim. Das seien 231 Euro beziehungsweise 164 Euro pro Quadratmeter mehr als im Vorjahreszeitraum. Bettenbrock rechnet damit, dass es weiter nach oben geht: „Der Neubau liegt weiterhin brach. Bestandsobjekte sind quasi alternativlos. Die Lücke zwischen dem, was wir haben und dem, was wir brauchen, wird größer.“ Preissteigerung im Bereich von zehn bis 15 Prozent könnten die Folge sein.

Auch in weiteren Städten der Region ziehen die Immobilienpreise an. In Köln verzeichnet Dr. Klein ein Plus von knapp 3 Prozent bei Häusern sowie 5 Prozent bei Eigentumswohnungen. Mit 0,6 Prozent fällt die Teuerung bei Häusern in Dortmund zwar gering aus, bei Wohnungen mit 9,5 Prozent aber umso höher. Käufer zahlen damit im Schnitt über 100 Euro pro Quadratmeter mehr als im Vorjahreszeitraum. „Der Druck im Immobilienmarkt an Rhein und Ruhr steigt“, urteilt Dr. Klein. Allerdings hätten die tatsächlich gezahlten Kaufpreise bei weitem noch nicht das Rekordniveau aus dem Jahr 2022 erreicht.

Kaufpreise in Berlin sinken gegen den Trend

Überraschende Entwicklung in Berlin: Im Vorquartalsvergleich sinken die Kaufpreise für Eigentumswohnungen in der Hauptstadt um 0,4 Prozent. Die Hauspreise steigen im ersten Quartal 2025 hingegen, wenn auch moderat um 0,9 Prozent.

Der Vergleich mit dem Vorquartal zeigt auch in den weiteren untersuchten Metropolregionen im Nord-Osten wenig Bewegung bei den Kaufpreisen: In Hannover, Hamburg und Dresden liegt die Teuerung für Wohnungen und Häuser zwischen 0,01 und 0,36 Prozent. Mit einer deutlichen Ausnahme: Für eine Eigentumswohnung müssen Käufer in Dresden fast 5 Prozent mehr zahlen als noch im vierten Quartal 2024.

 

Auch im teuren München sind die Kaufpreise zu Jahresbeginn stabil: Bei Häusern verzeichnet Dr. Klein ein Minus von 0,1 Prozent, Eigentumswohnungen verteuerten sich leicht um 0,7 Prozent. Stuttgart liegt mit 0,6 Prozent für Eigenheime und 0,8 Prozent für Wohnungen leicht darüber. Deutlicher klettern die Preise in Frankfurt mit 1,5 Prozent beziehungsweise 1,9 Prozent.

Wer nun aber Schnäppchenpotenzial in München wittere, dürfte enttäuscht werden, stellt der Baufinanzierungsvermittler klar: Mit einem Medianpreis von 6.000 Euro pro Quadratmeter für ein Eigenheim bleibe die bayerische Landeshauptstadt Spitzenreiter aller von Dr. Klein untersuchten Metropolregionen. Selbst wer etwas kleiner denke, zahle im Schnitt für eine 70-Quadratmeter-Wohnung bereits über eine halbe Million Euro.

Markt für Wohnimmobilien-Investments erholt sich

Auch am Markt für Wohnimmobilien-Investments stehen die Zeichen auf Stabilisierung, bestätigt Rachel Shone von Principal Asset Management. Die Kapitalwerte deutscher Wohnimmobilien hätten sich im ersten Quartal weiter erholt, liegen jedoch noch rund 20 Prozent unter dem Hoch vom Juni 2022. Jüngste Zahlen deuten zudem auf ein Auseinanderdriften der Wohnsegmente hin: „Während die Nachfrage nach Neubauten spürbar zurückgekehrt ist, stehen ältere Bestände weiterhin unter Druck“, so Shone.

Deutschland stehe wieder vermehrt im Fokus von Investoren. Jedoch könnten die steigenden Finanzierungskosten für Verbraucher und Unternehmen für einen Dämpfer sorgen. Angetrieben durch die stark wachsende Nachfrage und das begrenzte Angebot an bezahlbarem Wohnraum dürften die Mieten jedoch weiter steigen, meint die Immobilienexpertin. Alles in allem seien die Aussichten positiv: „Insgesamt steht der Wohnimmobiliensektor bei Investoren hoch im Kurs.“