Patrick Hamacher Foto: Patrick Hamacher/OMGV

Makler Patrick Hamacher

„In den sozialen Medien wird man nicht über Nacht bekannt“

DAS INVESTMENT: Du passt äußerlich nicht so richtig zum Klischee des typischen Versicherungsvermittlers. Wie verlief Dein Berufseinstieg in die Branche?

Patrick Hamacher: Über meine Familie hatte ich bereits Berührungspunkte mit der Assekuranz, war positiv vorgeprägt von der Versicherungsbranche und hatte keine negativen Vorurteile. Mein Vater war Versicherungsmakler und meine große Schwester ist Versicherungsfachwirtin. Trotzdem bin ich quasi eine Art Seiteneinsteiger. Nach dem Abitur studierte ich nämlich zunächst Fahrzeug- und Motorentechnik in Stuttgart. Das Studium beendete ich jedoch mit dem Vordiplom und entschied mich, mit 21 Jahren, dann doch zur Ausbildung zum Versicherungskaufmann – gefolgt von Fachwirtstudium und zehn Jahren in der Ausschließlichkeit. Vor knapp sechs Jahren übernahm ich das Versicherungsmaklerbüro meines Vaters. Meine Schwester stellte ich als Mitarbeiterin ein und führe so unser Familienunternehmen fort.

Du hast die negativen Vorurteile gegenüber Versicherungen bereits angesprochen. Was kann die Vermittlerbranche Deiner Meinung nach tun, um sich von dem schlechten Image zu befreien?

Versicherungsvermittler müssen ihren Job ernst nehmen und sich für den Kunden reinhängen. Wichtig ist es auch, Berufskollegen nicht zu diskreditieren. Fast immer haben Kunden bereits Bestandsverträge, wenn sie in die Beratung kommen. Dann den vorherigen Ansprechpartner schlechtzureden und den Eindruck zu vermitteln, dass er „Schrott“ verkauft habe, ist ein Unding. Stattdessen sollte man den Kunden darin bestärken, dass er bereits etwas zur Absicherung seiner Risiken getan hat. Oft kann man aber dann doch noch etwas zeitgerechter machen.

Wie würdest Du den von Dir übernommenen Vermittlerbetrieb beschreiben?

Es war ein alteingesessenes Maklerbüro in Würzburg, in dem alles noch sehr analog funktionierte. Mein Gedanke war daher, dass ich papierlos arbeiten will und die Akten in den Hängeregistermappen digitalisieren muss. Mein Vater hatte volles Vertrauen in mich und hat mich machen lassen. Es war eine große Freiheit für mich, selbst zu entscheiden, wie ich das übernommene Unternehmen in die Zukunft führen möchte.

Wie sah dieser Weg in die Zukunft dann konkret aus?

Es führt für einen Versicherungsvermittler heute kein Weg mehr daran vorbei, im Internet und in den sozialen Medien präsent zu sein. Denn kein Mensch greift heute noch zu den Gelben Seiten, wenn er eine Versicherung sucht. Um meine Online-Pläne konkret umzusetzen, habe ich mich intensiv mit dem Thema Online-Marketing beschäftigt. In der Folge arbeite ich heute mit Freelancern zusammen, die wie ich als Solo-Selbständige tätig sind. Das ist auch für Versicherungsvermittler eine spannende Klientel, die neben biometrischen Versicherungen, wie Berufsunfähigkeits- oder Private Krankenversicherung auch gewerbliche Policen braucht – zum Beispiel eine Betriebs-, Berufs- und Vermögensschadenhaftpflicht- oder zunehmend auch die Cyber-Versicherung.

Welche Schritte hast Du unternommen, um für diese Zielgruppe eine junge Marke aufzubauen?

Das läuft bei mir vor allem über Social Media – insbesondere über mein Instagram-Account wasistversicherung. Dabei stelle ich dar, wer ich bin und wofür ich stehe. So werde ich von vielen Nutzern als Experte für Absicherungsthemen wahrgenommen. Außerdem bin ich zum Beispiel in Facebook-Gruppen für Freelancer oder sogenannte digitale Nomaden aktiv und beantworte dort Fragen zu immer wieder auftretenden Versicherungsthemen. Hierbei mache ich aber niemals direkte Werbung für meinen Vermittlerbetrieb. Das gilt auch für den Versicherungsgeflüster-Podcast, in dem Bastian Kunkel und ich Versicherungsthemen erklären. Mit dieser Expertise durfte ich auch bereits in vielen anderen Podcasts zu Gast sein, um dort über Versicherungen zu informieren.

Welche konkreten Tipps hast Du für andere Versicherungsvermittler, die ihre Online-Präsenz verbessern wollen?

Wichtig ist es vor allem, einen langen Atem zu haben. Denn in den sozialen Medien wird man nicht über Nacht bekannt. Es ist kein Kurzstreckenlauf, sondern ein Marathon. Daher sollte man einen langfristigen Themenplan aufstellen und sich zwingen, regelmäßige Posts zu veröffentlichen. Hierbei sollte man aber nicht den gesamten Bauchladen präsentieren, sondern vielmehr sein eigenes Kernthema für eine bestimmte Zielgruppe oder sein Spezialgebiet betonen. Moped-Kennzeichen zum Beispiel sind nicht mein Thema, darum werde ich im Februar oder März auch keine Werbung dafür machen.

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