In der Schweiz gibt es am meisten

So viel verdienen Verwaltungsräte

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Als Christoph Franz den Vorstandsvorsitz bei der Deutsche Lufthansa aufgab und die Stelle des Verwaltungsratspräsidenten beim Schweizer Pharmakonzern Roche Holding antrat, hat er sein Gehalt fast verdreifacht. Der 54-Jährige verdient nun 4 Millionen Franken (3,3 Millionen Euro) - verglichen mit 1,2 Millionen Euro bei Europas größter Airline.

Franz ist keine Ausnahme. “In Schweizer Verwaltungsräten gibt es die weltweit höchsten Vergütungen”, sagt Bjorn Johansson, Headhunter in Zürich. “Die hohen Vergütungen sind gerechtfertigt, wenn man die besten Leute haben will. Mit Peanuts kann man nur Affen locken.”

Teils wegen des starken Franken und teils wegen der ohnehin hohen Gehälter in der Schweiz liegt die mittlere Vergütung von Verwaltungsratsmitgliedern im Land rund 58 Prozent höher als im restlichen Europas, wie Bloomberg-Daten zeigen. Zur Gesamtvergütung zählen neben den Honoraren auch die Bezahlung mit Aktien, Boni und Pensionsleistungen.

Es gibt auch Gegner, die sagen, die Vergütungen in Schweizer Verwaltungsräten seien zu hoch. Die Direktoren, so argumentieren sie, hätten nicht so viel mehr zu tun als in anderen Ländern, um das zu rechtfertigen.

Und so kam im letzten Jahr in der Schweiz die Volksinititative “gegen die Abzockerei” zur Abstimmung. Sie führte zur Entscheidung für die Einführung von Einschränkungen, die zu den schärfsten weltweit zählen, darunter ein jährliches bindendes Aktionärsvotum zur Bezahlung der Manager, ein Verbot von Antrittsprämien und harte Strafen für Manager, die die Vorschriften missachten.

“Wenn man nach Frankreich oder Spanien, in die Niederlande oder nach Großbritannien geht, dann gibt es dort Leitungsgremien wie in der Schweiz, die geringer bezahlt werden”, sagt Dominique Biedermann von der Ethos-Stiftung in Genf, die mehr als 140 Schweizer Pensionsfonds vertritt.

Laut Michel Demaré, der 2013 seine Position als Finanzchef bei ABB aufgab, um ein Verwaltungsratsmandat anzutreten, sind die besseren Vergütungen in der Schweiz ein Anreiz, um Vollzeit-Manager für Verwaltungsratsposten zu gewinnen, wie es anderswo nicht möglich wäre.

“Ich bin nicht sicher ob es heute viele Leute gibt, die ein Verwaltungsratsmandat bei einer Bank annehmen würden”, sagt Demaré, der einen von zwölf entsprechenden Posten bei der UBS bekleidet. Im vergangenen Jahr hat er mindestens 2,3 Millionen Franken mit seinen Positionen bei der größten Schweizer Bank und dem Chemiekonzern Syngenta verdient.

“Es ist eine Menge Verantwortung und man steht sehr im Rampenlicht”, sagt der 58-Jährige, der zudem Geschäftsführer des Verbands SwissHoldings ist. Für Demaré erstrecken sich die Aufgaben von Verwaltungsräten in der Schweiz von der Aufsicht bis hin zu Führung und Strategie. Die Arbeit von Schweizer Verwaltungsräten sei zeitintensiv, sagt er.

Mit einer durchschnittlichen Bezahlung von 1,2 Millionen Dollar verdienen Verwaltungsratsmitglieder bei der UBS am besten unter allen Firmen im Börsenbarometer Stoxx Europe 50 Index. Unter den Unternehmen in dem europäischen Index liegt die mittlere Vergütung bei 243.790 Dollar. Im Schweizer Leitindex SMI liegt sie bei 385.200 Dollar. Hier werden die Zahlen nach oben verzerrt, weil der Index mit Nestlé, Roche und Novartis die größten börsennotierten europäischen Konzerne beinhaltet.

“Es gibt Verwaltungsräte in der Schweiz mit Leuten, die enorm faul sind und für’s Nichtstun gut bezahlt werden, und aber auch solche, wo die Leute auch was bewegen”, erklärt Didier Cossin, Professor an der IMD Wirtschaftshochschule in Lausanne. “Es gibt viele Kulturen, wo die Boards nicht so aktiv sind”, so Cossin. “Sie kommen sechs Mal im Jahr zu einem Meeting. In der Schweiz ist das anders, da ist der Posten eines Verwaltungsratspräsidenten ein 40- bis 50-Prozent-Job.”

Ab kommendem Jahr stehen die Verwaltungsrats-Vergütungen noch mehr im Mittelpunkt des Interesses, weil dann die Aktionärsabstimmungen darüber eingeführt werden. “Bis jetzt liegt die Bezahlung der Schweizer Verwaltungsräte in ihrem eigenen Ermessen, aber das wird sich ändern”, sagt Thomas von Oehsen, Research-Chef für die Schweiz bei Institutional Shareholder Services. Die Verwaltungsräte werden dann den Aktionären gegenüber höhere Vergütungen erklären müssen, und das werde die Transparenz erhöhen, erklärt er.

“Die Erwartungen an ein Verwaltungsratsmitglied haben in den letzten zehn Jahren dramatisch zugenommen, die Welt hat sich verändert”, sagt Headhunter Johansson. Für ihn liegt der Vorteil hoher Vergütungen auf der Hand. “Die Schweiz hat einen Wettbewerbsvorteil dadurch, dass die Vergütungen so hoch sind, denn dadurch ist es einfacher, die richtigen Leute zu bekommen”, sagt er. “Wir haben die besten Verwaltungsratsmitglieder auf der Welt.”

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