Passanten in Wolfsburg Foto: imago images / Jan Huebner

Vermögensverwalter über Corona-Krise

In Deutschland wächst der Konsumhunger bald wieder

Aufgrund der Einschränkungen unserer Aktivitäten und Kontakte bot sich in den vergangenen Wochen der Lesesessel als Zufluchtsort an. Unzählige Jahresrückblicke rund um die weltweiten Entwicklungen der Jahrhundert-Pandemie haben wir konsumiert oder über uns ergehen lassen. War da nicht auch etwas Positives, das uns das vergangene Jahr trotz oder vielleicht sogar wegen der Pandemie beschert hat?

Deutschland ist – anders als viele andere Länder in Europa – bisher relativ gut durch die Corona-Krise gekommen. Das liegt auch daran, dass es aufgrund der Regelungen um Kurzarbeitergeld und enorme Hilfsmittel für die am meisten betroffenen Branchen nicht zu einem Totaleinbruch kam.

Eine handlungsfähige Regierung mit einer besonnenen Regierungschefin, ein Gesundheitssystem, das mit seinem hoch engagierten medizinischen Personal doch nicht so schlecht funktioniert, wie von vielen befürchtet, und eine größtenteils disziplinierte und solidarische Bevölkerung haben bisher das Schlimmste verhindert.

Das größte EU-Rettungspaket aller Zeiten wurde verabschiedet und die von vielen so verteufelten EU-Bonds mit gemeinsamer Haftung verabschiedet. Dies führte nicht, wie man meinen könnte, zu einer massiven Schwächung der Gemeinschaftswährung Euro. Ganz im Gegenteil: Wir haben gesehen, dass vielleicht gerade der Austritt Großbritanniens die verbleibenden Staaten (mit einigen wenigen bekannten Ausnahmen) näher zueinander geführt und die Bedeutung des gemeinsamen Handelns unter Beweis gestellt hat.

Der „Deal“, der das Schlimmste im Hinblick auf Zölle und Handelsbeschränkungen verhindern soll, umfasst immerhin 1.250 Seiten und gibt Anlass zu hoffen, dass wir in Europa nicht wieder in alte Zeiten des nationalen Egoismus zurückfallen werden. Was wird aus der ökonomischen Entwicklung im Inselstaat ohne die regulativen Einschränkungen, aber auch bedeutenden Subventionen für beispielsweise die Landwirtschaft im Nach-EU-Zeitalter? Es bleibt spannend.

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