Lira, Rand und Real In diesen Schwellenländern lohnen sich Investments

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Für den Euro gilt dies ebenso, auch wenn er derzeit in stärkerer Verfassung als der Dollar ist. Schon registrieren Marktbeobachter eine höhere Risikobereitschaft von Investoren, die den Währungen einen Schub geben könnte. Die Chancen auf Wachstum stehen umso besser, da die jeweiligen Volkswirtschaften deutlicher eingebrochen sind, als jene der USA und der Euro-Zone.

Brasiliens BIP etwa wird – wie erwähnt – in diesem Jahr um mindestens 10 Prozent sinken, das der USA wohl lediglich um 4 Prozent. Der bisherige Absturz von BIP und Währungen hatte eine Ursache darin, dass diese Länder viel weniger Möglichkeiten hatten und haben, mit milliardenschweren Maßnahmen ihre Wirtschaft zu stützen. Schließlich werden die Pakete – wie der Staatshaushalt generell, besonders in Krisenzeiten – stark über eine massive Neuverschuldung oder Anleiheverkäufe finanziert.

Für beides waren die Rahmenbedingungen eher schlecht. Zudem notierten viele Schulden oft in US-Dollar, sowohl von Staat, Unternehmen, manchmal auch privaten Kreditnehmern. Angesichts einer weich gewordenen Heimatwährung erschwerte dies die Rückzahlung. Alles zusammen wirkte auf Investoren abschreckend.

Zumindest der Dollar schwächelt aktuell. Bleibt es dabei, wäre dies ein Vorteil für die Schwellenländer – genauso wie die Abwertung selbst. Sie vergünstigt aus Sicht der heimischen Wirtschaft Exporte, ebenso wie Urlaube von Ausländern mit Starkwährungen, und Importe entsprechend teurer. Indes ist der Tourismus in Brasilien eher unterentwickelt.

Die Vorzeichen haben sich also gebessert. Wagemutige Investoren sollten einen Einstieg in die Währungen oder Staatsanleihen der Schwellenländer erwägen. Die Commerzbank sieht bei der Vierer-Riege allerdings die Türkei und Südafrika vorn. Dem schließe ich mich an. Die Zahlen sprechen für sich. Wer auf Staatsanleihen statt auf Währungsgewinne setzen möchte: Die Verzinsung zehnjähriger Staatsanleihen liegt bei 7,5 Prozent, bei einem Jahr bei knapp 3 Prozent.

Entscheidend ist jetzt, ob die Märkte wieder Vertrauen in die Geldpolitik fassen. Insgesamt entwickelte sich der Real-Kurs über die vergangenen vier Jahre wenig hoffnungsvoll. Daher bietet ein – kurzfristiger – Kauf des Reals innerhalb der Erholungsphase Chancen, weniger jedoch als bei Rand oder Lira. Der Erwerb von Staatsanleihen in Brasilien wie auch in anderen Schwellenländern sollte zunächst begrenzt sein und schrittweise ausgebaut werden. In jedem Fall sollte man den Mini-Aufschwung des Real – und bezogen auf die Währung nur den – beobachten.

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