In Großbritannien werden die Top-Anwälte für Händler knapp

Die besten Anwälte in auf Wirtschafts-Strafsachen spezialisierten Kanzleien haben nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten von Beschäftigten aus der Finanzbranche so viele Anfragen um juristischen Rat wie noch nie erhalten. Die zunächst auf Manipulationen des Londoner Interbankensatzes Libor beschränkten Ermittlungen sind inzwischen auch auf Benchmarksätze für Devisen, Derivate und Edelmetalle ausgedehnt worden.

In der britischen Hauptstadt London sind rund ein Dutzend Kanzleien spezialisiert auf die Beratung von Personen, gegen die aufsichtsrechtliche und strafrechtliche Ermittlungen laufen. Die größten britischen und amerikanischen Kanzleien vertreten hingegen meist Institutionen. Mit der steigenden Zahl der Fälle lehnen die erfahrensten Anwälte für Einzelpersonen in einer Reihe von Fällen Mandate von Händlern ab.

“Die Zahl der Personen, die spezialisierte Anwälte benötigen, ist so stark gestiegen wie nie zuvor”, sagte David Corker, Strafverteidiger in der Kanzlei Corker Binning. “Die Zahl solcher Anwälte ist begrenzt, weil bisher Wirtschaftskriminalität als ein Nischen- oder Spezialistenbereich angesehen wurde.”

Corker Binning ist eine von vier Top-Kanzleien in Großbritannien, die sich auf juristischen Rat für Personen in Betrugsfällen spezialisiert hat, ebenso wie Kingsley Napley LLP, BCL Burton Copeland und Peters & Peters Solicitors LLP, wie aus dem Anwaltsverzeichnis von Chambers and Partners hervorgeht. Einige größere Anwaltsfirmen wie Stephenson Harwood LLP, haben sich auch auf die Beratung von Einzelpersonen spezialisiert.

Nach dem Skandal um Manipulationen beim Libor sind auch andere Benchmarks Prüfungen unterzogen worden. Mindestens zwölf Händler sind wegen Vorwürfen von Devisenmanipulationen suspendiert worden, rund elf Banken wurden nach eigenen Angaben von den Aufsichtsbehörden kontaktiert.

Personen, die in die Fälle verwickelt sind, könnten mit Geldstrafen oder Arbeitsverboten in der Finanzbranche belegt werden. Ihnen drohen auch strafrechtliche Konsequenzen, wenn die Staatsanwaltschaft ermittelt. Im Libor-Fall sind bisher sieben Personen in Großbritannien und den USA angeklagt worden.

Anwälte - manchmal auch ganze Kanzleien - können häufig bei aufsichtsrechtlichen Verfahren nur einen Mandanten annehmen, um Interessenskonflikte mit anderen Mandanten zu vermeiden. Manchmal ziehen Kanzleien intern sogenannte “chinesische Mauern” hoch, so dass sie für mehrere Institutionen oder Personen tätig werden können. Dann geben die Anwälte Informationen nicht an ihre Kollegen weiter, die andere Parteien in dem Fall beraten.

Zudem sind die meisten großen Kanzleien an die Banken gebunden, die sie seit Jahren als Kunden haben, berichtet Jo Keddie, auf Arbeitsrecht spezialisierte Anwältin in London. “Das heißt, dass einzelne Personen nur aus einer Handvoll Top- und Nischen-Kanzleien, die sich auf Wirtschaftskriminalität spezialisiert haben, auswählen können”, beschreibt sie. “Wir haben noch nie erlebt, dass gleichzeitig so viele Personen von aufsichtsrechtlichen Ermittlungen betroffen sind.”

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