Roger Gut, Geschäftsführer von Invensys Asset Management in Lugano

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In volatilen Märkten Geld verdienen

Aktienanleihen als Alternative in der Seitwärtsfalle

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Anfang Juni schob die erneute Zinssenkung der EZB den Dax erstmals über die 10.000 Punkte-Marke, seitdem ist er zwischenzeitlich wieder bis auf 9.000 Punkte gefallen. Der generelle Trend der letzten zwölf Monate läuft seitwärts.

Die bisherige Entwicklung dürfte vor allem das Resultat der expansiven Geldpolitik in Europa und den USA sein. Für eine weitere Rallye fehlen nachhaltig starke Konjunkturdaten.

Hinzu kommen die präsenten geopolitischen Risiken, welche die Märkte belasten und für eine gewisse Nervosität sorgen. So ist es wahrscheinlicher, dass der Dax im Jahresverlauf weiter seitwärts tendieren und auf einem Niveau knapp unterhalb der 10.000 Punkte-Marke schwanken wird.

Eine weitere Zinssenkung könnte noch einmal einen positiven Impuls setzen, der jedoch ohne anhaltend positive Konjunkturdaten schnell verpuffen würde. Hellen sich die Konjunkturdaten nachhaltig auf, dürfte die expansive Geldpolitik schnell ein Ende finden, was wiederum das Kurspotenzial in Grenzen hält.

Wer langfristig und breit gestreut in Aktien investiert, macht grundsätzlich nichts falsch, tritt jedoch in Marktphasen wie diesen auf der Stelle. Durch den stetigen Handel mit Aktien kurz- bis mittelfristig Erträge zu generieren, ist aufwendig und wesentlich riskanter als langfristige Strategien.

Für professionelle Investoren und Vermögensverwalter sind daher Aktienanleihen eine gute Alternative, um den Markt zu schlagen, und ein klassisch strukturiertes Portfolio optimal zu ergänzen.

Als Basiswerte einer typischen Aktienanleihe dienen einzelne oder mehrere in einem sogenannten „Basket“ gebündelte Aktien. Notieren diese Aktien am Bewertungstag über einem bestimmten Wert, dem sogenannten Basispreis, erhält der Anleger zum Fälligkeitstag den Nominalbetrag zuzüglich eines vereinbarten fixen Zins-Coupons ausgezahlt.

Liegt der Schlusskurs wenigstens eines Basiswertes unter dem Basispreis, erhält der Anleger eine durch das Bezugsverhältnis festgesetzte Zahl der entsprechenden Aktien in sein Depot geliefert. Damit realisiert er nicht sofort einen Verlust, sondern erhält die Chance einer späteren Kurserholung.

Die Aktienanleihe ist gegenüber dem direkten Kauf der Aktie so lange vorteilhaft, wie deren Kurs zum Bewertungstag nicht über den Basispreis zuzüglich Zinsen aus Couponzahlungen steigt oder unter den Basispreis abzüglich erhaltener Couponzahlungen fällt. Damit ist sie prädestiniert für seitwärts tendierende Aktienmärkte.

Doch die Unterschiede sind groß. Zu individuell strukturierten Papieren haben private Anleger in der Regel keinen Zugang. Aktienanleihen von der Stange bieten jedoch selten die optimale Auswahl der Basiswerte, eine angemessene Preisstellung und Risikostruktur.

Das Angebot ist unüberschaubar groß, der Deutsche Derivateverband zählte im Juni 2014 mehr als 74.000 verschiedene Aktienanleihen. Allein in diesem Monat wurden 4.300 neue Produkte emittiert. Die Coupons liegen je nach Risiko meist im einstelligen Prozentbereich pro Jahr.

Die Vorgehensweise der professionellen Vermögensverwalter

Professionelle Vermögensverwalter mit einem erstklassigen Marktzugang gehen hier anders vor. Sie strukturieren passgenau zu ihren fundierten Markterwartungen individuelle Produkte, die sie dann von ausgewählten Banken mit hoher Bonität (mindestens mit einem Investmentgrade-Rating) emittieren lassen. Das Mindestvolumen für solch maßgeschneiderte Produkte liegt meist bei rund einer Million Euro pro Note.

Dafür können hier je nach Basiswert(en) und Ausgestaltung monatliche Coupons vereinbart werden, die zweistellige Renditen pro Jahr ermöglichen. Typische Laufzeiten liegen zwischen sechs und zwölf Monaten. Oft wird dem Emittenten eine vorzeitige Kündigungsoption nach drei Monaten eingeräumt, im Gegenzug zahlt der Emittent einen noch höheren monatlichen Coupon.

Dem Risiko begegnet der Vermögensverwalter in der einzelnen Note durch die sorgfältige Auswahl der Titel und einen Sicherheitsabstand zur Barriere von mindestens 45 Prozent des Basispreises und im Portfolio durch eine angemessene Diversifikation und Streuung über die Zeit.

Werden ausschließlich Bluechips als Basiswerte gewählt, ist es in der Regel auch kein Problem, wenn hin und wieder eine Barriere unterschritten und die Papiere ins Depot geliefert werden.

Generell lässt sich festhalten: Aktienanleihen können in seitwärts laufenden Märkten ein adäquates Instrument sein. Zugang zu den richtigen Titeln findet der private Anleger jedoch meist nur über spezialisierte Vermögensverwalter.

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