Ist es trotzdem wichtiger geworden, auf Meinungen und Trends in den sogenannten sozialen Medien zu achten?

Bhandari: Die heutige Zeit bietet eine nie da gewesene Fülle an Informationen, die Portfoliomanager für ihre Arbeit nutzen können. Einige dieser Informationen tauchen zuerst auf sozialen Medien auf. Insofern kann es sich lohnen, diese Kanäle im Blick zu behalten und dadurch Wissensvorsprünge zu generieren.

Ersetzt das alles bestimmte herkömmliche Analysetechniken, die vielleicht aus der Mode kommen?

Bhandari: Ich sehe es eher als eine Ergänzung.

Wenn etwas neu hinzukommt, muss man etwas anderes zwangsläufig vernachlässigen. Der Arbeitstag ist ja nicht länger geworden.

Bhandari: Aufgrund der Fülle an verfügbaren Daten ist es sicher nicht leichter geworden, wichtige von den unwichtigen Informationen zu trennen. Als langfristig orientierte Investoren konzentrieren wir uns auf zwei Faktoren, die zu Veränderungen am Portfolio führen können: Zum einen ein veränderter Blick auf die Welt, sodass eine bestimmte Anlageklasse relativ zu anderen nicht mehr so gut aussieht. Zum anderen Veränderungen in der Bewertung, sprich dem Preis für bestimmte Anlageklassen oder Marktsegmente. Wenn ein anderer Umstand als diese beiden genannten die Märkte bewegt und sich die fundamentale Grundlage nicht ändert, dann eröffnet das uns eventuell eine günstige Gelegenheit.

Die berühmte psychologische Komponente.

Bhandari: Exakt.

Was können Sie mir über das aktuelle Dividendenumfeld sagen?

Bhandari: Wir kaufen Unternehmen, deren Dividenden im Vergleich zum Index überdurchschnittlich steigen. Aber wir kaufen sie nicht nur um der Dividenden Willen. Es muss schon die nötige Qualität dahinterstehen. Dividenden und vor allem die Gewinne sollten jährlich und dauerhaft um 5 Prozent wachsen. Um diese Unternehmen zu finden, haben wir ein spezielles Team, das geeignete Einzeltitel analysiert.

Sind Aktienrückkäufe für Sie genauso viel wert wie Dividenden?

Bhandari: Nein, weil wir die ja nicht ausschütten.

Wo tummeln sich derzeit die besten Dividendenzahler?

Bhandari: Das ist über verschiedene Branchen verteilt. Wir haben einige IT- und Telekom-Unternehmen nachgekauft und auch einige Werte aus Asien, seit die Dividenden dort steigen. Zudem halten wir US-amerikanische Finanzwerten und Gesundheitsunternehmen. Denn diese wachsen noch immer gut in einem eher wachstumsschwachen Umfeld.

Und regional?

Bhandari: Liegt der Schwerpunkt unseres Portfolios auf Nordamerika, denn dort finden wir einfach die meisten guten Dividendenunternehmen. Zum Beispiel zahlen US-Banken nicht einfach nur gut, sondern haben auch sehr gute Bilanzen – was auf europäische Banken nicht unbedingt zutrifft. In Europa steckt die Finanzbranche in einer deutlich schwierigeren Situation. Dafür halten wir einige andere europäische Aktien und auch Werte aus dem Vereinigten Königreich, die ihren Umsatz außerhalb des Landes erzielen.

Wie viel kommt im Schnitt dabei raus?

Bhandari: Insgesamt erzielten wir mit dem Fonds im Juli ein Einkommen von 60 Basispunkten, also 0,6 Prozent. Etwas weniger als die Hälfte davon kam aus Aktien.

Macht aufs Jahr hochgerechnet nicht ganz 3,6 Prozent Dividendenrendite.

Bhandari: So rechnen wir nicht. Ich würde nicht allzu sehr darauf schauen, was in einem einzelnen Monat passiert. Entscheidend ist vielmehr die langfristige Entwicklung.

Über die Interviewte:
Maya Bhandari ist Portfoliomanagerin und Mitglied des Multi-Asset-Teams von Columbia Threadneedle. Sie kam im August 2014 ins Unternehmen. Zuvor arbeitete sie bei der Citigroup als Direktorin für globale Makrostrategien und Asset Allocation.