Themen-Experte
Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

Dan Ivascyn, Investment-Chef bei Pimco: „Aus historischer Sicht sind die Risiken bei Banken relativ niedrig.“ Foto: Pimco

Income-Strategien

„Finanzwerte sind chancenreich“

Herr Ivascyn, wie sieht der allgemeine Wirtschaftsausblick von Pimco aus?

Dan Ivascyn: Unsere Basiseinschätzung ist vorsichtig optimistisch. Wir erwarten zunehmende, wenn auch ungleichmäßige Fortschritte bei der Eindämmung des Corona-Virus rund um die Welt. Wir rechnen mit einer anfänglich verhältnismäßig starken Konjunkturbelebung, die allerdings vermutlich ungleichmäßig verlaufen wird – sowohl in Bezug auf die zeitliche Dauer als auch auf die einzelnen Regionen der Welt. In den USA rechnen wir nicht vor 2022 mit einer Rückkehr zu den Wachstumsniveaus von Ende 2019.

Neben der Pandemie könnten jedoch auch andere Faktoren, beispielsweise die Geopolitik, für Unsicherheit sorgen. Und trotz all der staatlichen Unterstützung werden einige Bereiche der Wirtschaft dauerhaften Schaden davontragen. Im aktuellen Umfeld ist es daher angebracht, an den Kapitalmärkten vorsichtig und defensiv vorzugehen.

Was bedeutet dieser Ausblick für die globalen Anleihenmärkte?

Ivascyn: Viele festverzinsliche Sektoren waren in der Lage, einen beträchtlichen Teil der Spread-Ausweitung vom März wettzumachen – insbesondere jene, die Unterstützung seitens der Zentralbanken erhalten. Diese Einengung auf Sektorebene trägt eventuell jedoch dazu bei, einzelne Problemzonen zu verschleiern. Die Kombination aus allgemein niedrigen Spreads und Bereichen, die sich noch nicht erholt haben – und sich möglicherweise nie erholen werden –, erschwert es den Anlegern, attraktive Renditen und Widerstandskraft in einem Portfolio miteinander zu vereinen.

Im Unternehmensbereich hat das Eingreifen der Notenbanken viele Unternehmen hoher Bonität, die stark unter Druck standen, befähigt, an den Markt zu treten und neue Anleihen zu begeben. Auf diese Weise konnten sie den Weg in die Zukunft ebnen, in der wir mit einem anziehenden Wirtschaftswachstum rechnen. Allerdings war der Unternehmenssektor bereits zu Beginn dieses Zeitraums stark fremdfinanziert. Daher gilt: Das steigende Schuldenniveau kann in einigen Segmenten langfristig Instabilitäten entstehen lassen.

Welche wesentlichen Anlagethemen der Income-Strategie haben Sie vor diesem Hintergrund im Blick?

Ivascyn: Weil unsere Strategie laufende Erträge in allen Marktsituationen anstrebt, selbst wenn der Markt nur geringe Renditen hergibt, und wir einen langfristigen Kapitalzuwachs als wichtiges zweitrangiges Ziel verfolgen, sind wir vom Hypothekensektor weiterhin überzeugt. Hypothekenpapiere verfügen über das Potenzial, nicht nur laufende Renditen, sondern auch einen attraktiven Gesamtertrag zu erbringen, und sie sind zugleich in der Lage, einem drastischeren Abwärtsszenario standzuhalten.

Was die anderen Marktbereiche angeht, sehen wir interessante taktische Gelegenheiten bei Unternehmensanleihen. In diesem Segment wurden viele Titel begeben, und wir waren in der Lage, uns bei Neuemissionen chancenreiche Konditionen zu sichern. Infolge der beträchtlichen Kursgewinne und der Einengung der Spreads in diesem Sektor werden wir allerdings wieder etwas vorsichtiger.

Auch bei strukturierten Produkten oder in den risikoreicheren Segmenten der Schwellenmärkte halten wir uns zurück. Wir setzen in erster Linie auf liquidere Anlagen.

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