Themen-Experte
Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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Daniel J. Ivascyn, PIMCO-Anlagechef und Portfoliomanager der Inocme-Strategie: „Aus anhaltenden Fehlbewertungen in bestimmten Segmenten der globalen Märkte ergeben sich interessante Chancen.“ | © PIMCO Foto: PIMCO

Income-Strategien

„Unternehmensanleihen nicht zu optimistisch bewerten“

Wie sieht der allgemeine makroökonomische Ausblick von PIMCO aus?

Ivascyn: In unserem Basisszenario ist Vorsicht geboten. Die Erholung nach der Covid-19-Pandemie dürfte sich nur langsam und ungleichmäßig einstellen. Es dürfte mehrere Quartale dauern, bis sich das Wachstum dem Niveau von 2019 nähert – vorausgesetzt, dass die Krise abklingt, was alles andere als sicher ist. Entscheidend ist jetzt, wie sich die Pandemie entwickelt, nachdem die Maßnahmen zur Eindämmung in unterschiedlichen Regionen gelockert werden.

Wie würden Sie die Lage an den Märkten beschreiben?

Ivascyn: Im Großen und Ganzen haben sich die Märkte seit dem Abverkauf im März deutlich stabilisiert: Eine Reaktion sowohl auf das gegenwärtige Abklingen der Gesundheitskrise und der Lockerungsmaßnahmen als auch auf die massive Antwort der Geld- und Fiskalpolitik. Dennoch bleibt die Erholung fragil. Abwärtsrisiken sind weiter virulent: So könnten sich etwa Aktien schwach entwickeln, während sich die Liquiditätssituation an den Märkten für Unternehmensanleihen trotz der Unterstützung der Notenbanker weiter verschlechtern könnte.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Renditen in qualitativ sehr hochwertigen Segmenten des Anleihenmarktes extrem niedrig sind und in einigen Bereichen nicht einmal mit den gesunkenen Inflationserwartungen Schritt halten. Unserer Einschätzung nach sollten sich die Renditen über das kommende Jahr grundsätzlich in einer relativ festen Bandbreite bewegen, was die Ertragserzielung mittels Staatsanleihen erschwert.

Positiv sind dagegen das sehr hohe Emissionsvolumen bei Unternehmensanleihen sowie die anhaltenden Fehlbewertungen in bestimmten Segmenten der globalen Märkte. Hieraus ergeben sich interessante Chancen. In einigen Bereichen erscheinen die Renditen im Verhältnis zu den vergangenen Jahren durchaus chancenreich.

Wie sehen die übergeordneten Ziele der Income-Strategien von PIMCO aus?

Ivascyn: Hauptziel ist es, beständige Erträge zu erzielen. Darüber hinaus streben wir einen langfristigen Kapitalzuwachs an. Wir nehmen sämtliche Bereiche des globalen Chancenspektrums in den Blick, um ein robustes und ertragsorientiertes Portfolio aufzubauen. Zugleich sind wir bestrebt, Marktbereiche, in denen ein höheres Risiko für dauerhafte Kapitalverluste besteht, zu meiden; selbst wenn dies bedeutet, auf Rendite zu verzichten. Das nennen wir einen „robusten“ Ansatz der Ertragserzielung.

Welche Anlagepolitik verfolgen Sie im Hinblick auf Anleihezinsen?

Ivascyn: An den Märkten für erstklassige Anleihen werden die Anleger heutzutage kaum dafür entlohnt, Zinsrisiken einzugehen. In vielen entwickelten Märkten liegen die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen nahe oder sogar unter null. Vor diesem Hintergrund bleiben wir mit Blick auf das Zinsengagement eher defensiv.

Qualitativ hochwertige Anleihen weisen jedoch defensive Merkmale auf und sorgen für Diversifikation, deshalb haben sie in der Income-Strategie nach wie vor ihre Berechtigung. Wir engagieren uns weiterhin überwiegend in den USA, wo die Zinsen höher sind als in vielen anderen entwickelten Märkten.

Bei Unternehmensanleihen kam es im März zu einer Ausweitung der Spreads, die sich seither teils wieder verengt haben. Wie gehen Sie mit der Entwicklung im Rahmen der Income-Strategie um?

Ivascyn: Vor der Pandemie wies die Income-Strategie kaum breite Engagements in Unternehmensanleihen auf. Derzeit stehen wir einigen Segmenten des Unternehmenssektors vorsichtig optimistisch gegenüber. In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir das Income-Portfolio selektiv um Unternehmensanleihen erweitert, mit dem Fokus auf robusten Anlagechancen. Am stärksten sind wir im Finanzsektor übergewichtet, der zuletzt von erheblicher Volatilität geprägt war, inzwischen jedoch Anzeichen einer Erholung in Europa und den USA zeigt. In riskanteren Sektoren, wie etwa Energie und Tourismus, sind wir hingegen nur sehr begrenzt engagiert.

Dennoch dürfen die Märkte für Unternehmensanleihen nicht zu optimistisch bewertet werden. Selbst wenn sich die Wirtschaft relativ schnell von ihrer gegenwärtigen Talsohle erholt, wird es vielen Unternehmen nicht gelingen, einer Insolvenz oder Umstrukturierung zu entgehen.

Wie sieht Ihre Einschätzung mit Blick auf die Schwellenländer aus?

Ivascyn: Vor dem Hintergrund der Corona-Krise sind diese Länder mit erheblichen Risiken behaftet: Sie verfügen nicht über den politischen Handlungsspielraum und den Mix von Maßnahmen, die in den entwickelten Ländern zum Einsatz kommen. Dennoch sehen wir hier Chancen auf lange Sicht. Insgesamt stehen wir den Schwellenländern relativ neutral gegenüber und rechnen nicht mit wesentlichen Veränderungen. Innerhalb der Schwellenländer konzentrieren wir uns auf defensive, vergleichsweise stabile Bereiche höherwertiger Staatsanleihen.

Letzte Frage: Wie würden Sie den Gesamtausblick für die Income-Strategie von PIMCO beschreiben?

Ivascyn: Obwohl Unsicherheit und Volatilität das Income-Portfolio Anfang des Jahres vor Herausforderungen gestellt haben, halten wir die Strategie für robust, gut diversifiziert, flexibel und gut aufgestellt. In vielen Segmenten des Income-Portfolios gibt es Potenzial für Renditen, sobald sich die Wirtschaft zu erholen beginnt – unter anderem rechnen wir mit einer stärkeren Stabilisierung an den Märkten für Unternehmensanleihen sowie an den Märkten für Hypothekenpapiere.

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