Indexfonds So stabilisieren Minimum-Volatility-ETFs das Depot

Babypuder von Johnson & Johnson: Der US-Konsumgüter- und Gesundheitskonzern ist die größte Position im iShares Edge MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF. | © Getty Images

Babypuder von Johnson & Johnson: Der US-Konsumgüter- und Gesundheitskonzern ist die größte Position im iShares Edge MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF. Foto: Getty Images

Der tägliche Blick auf die Nachrichtenlage zeigt es: Die politischen Unsicherheiten durch die Brexit- und Handelsstreitigkeiten sowie die konjunkturellen Sorgen dürften die Märkte noch eine Weile in Atem halten. Da ist es verständlich, dass Anleger ihr Portfolio widerstandsfähiger machen wollen: Minimum-Volatility-Produkte gelten da als geeignete „Stoßdämpfer“, um etwas Ruhe ins Portfolio zu bringen. Entsprechend nachgefragt waren solche Strategien in den vergangenen Jahren.

Kritiker warnen vor Qualitätsverlust

Mit dem zunehmenden Kaufinteresse werden jedoch auch die kritischen Stimmen lauter, die Minimum-Volatility-ETFs mittlerweile als überteuert bezeichnen. Hinzu komme ein sogenannter Crowding-Effekt: Weil in jüngster Zeit zu viele Anleger auf solche Produkte gesetzt haben, könnten diese gar nicht mehr funktionieren. Das Resultat wäre ein Stolpern über den eigenen Erfolg.

Minimum-Volatility-ETFs versprechen eine niedrigere Volatilität auf breiter Anlagebasis. Vermögensverwalter begründen ihr Funktionieren mit der sogenannten Minimum-Volatilitäts-Anomalie. Demnach sind Anleger in der Praxis bereit, für riskantere Aktien systematisch mehr zu bezahlen. Eine Erklärung dafür: Bei der Suche nach dem nächsten Erfolg setzen Investoren gezielt auf riskantere Unternehmen.

Gibt es einen Crowding-Effekt bei Minimum-Volatilitäts-Aktien?

Andrew Ang, Experte für Factor-Investing bei BlackRock, und Ananth Madhavan von iShares haben genau das untersucht. Ihr Fazit: Für ein Crowding sind die Volumina bei Minimum-Volatility-ETFs viel zu gering. Demnach entfallen bei einer Marktkapitalisierung des globalen Aktienindex MSCI World von 35,8 Billionen US-Dollar lediglich 2,2 Prozent auf MSCI World-ETFs (an EMEA-Börsen). Bei ETFs mit geringer Volatilität seien es sogar nur 0,02 Prozent. Von Crowding könne also keine Rede sein.

Sind Minimum-Volatilitäts-ETFs mittlerweile zu teuer?

In der Tat sind die Bewertungen wegen der hohen Nachfragen gestiegen, und die ETFs haben sich besser entwickelt als der breite Markt, wie Ang und Madhavan aufzeigen. Das die Bewertung auf Basis der Kurs-Gewinn-Verhältnisse aktuell hoch ist, heißt jedoch nichts, wie die folgende Grafik zeigt: In der Vergangenheit konnten Minimum-Volatility-ETFs die Risiken gegenüber dem breiten Markt reduzieren, und zwar unabhängig von ihrer Bewertung. Es gab also keinen Zusammenhang zwischen der Bewertung solcher ETFs und ihrer Fähigkeit, die Schwankungsrisiken zu senken.

Reduzierte Volatilität bei jeder Bewertung

Quelle: MSCI und BlackRock zum 31. Dezember 2018

Gute Performance in Abwärtsmärkten

Alles in allem heißt das: Indizes und ETFs mit einer geringen Volatilität wurden konstruiert, um bei Marktrückgängen und einer hohen Volatilität die Risiken zu senken – und in den vergangenen Jahren konnten sie genau das auch liefern.

Allerdings dürfen Anleger eines nicht vergessen: Gerade in Aufwärtsmärkten ist die Entwicklung von Minimum-Volatility-ETFs hinter dem Markt zurückgeblieben. Dagegen schneiden sie in Abwärtsmärkten wiederum besser ab. Auch das richtige Timing beim Kauf und Verkauf ist extrem schwierig. Minimum-Volatility-ETFs eignen sich somit für Anleger, die für ihr Portfolio auf lange Sicht eine Risikoreduzierung in allen Marktumfeldern suchen.