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Indien erhöht Gold-Steuer: „6 Dollar spielen keine Rolle“

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200 Rupien (2,94 Euro) Gebühr je zehn Gramm verlangt Indien für die Einfuhr von Goldbarren. Importiert man das Edelmetall als Schmuck oder in anderer Form, werden 500 Rupien (7,35 Euro) je zehn Gramm fällig. Die Goldnachfrage werde zurückgehen, befürchten viele Experten. Marktbeobachter rechnen mit Nachfrageeinbrüchen von bis zu 25 Prozent. „Die höheren Importsteuern in Indien könnten zur Folge haben, dass der Goldpreis noch weitaus stärker fallen muss, damit es wieder zu einer Belebung des Schmuck-Absatzes kommen kann“, erklären Commerzbank-Analysten. Schließlich gilt Indien traditionell noch vor Arabien und China als der weltweit größte Verarbeiter von Gold in der Schmuckindustrie. Vor allem zu religiösen Festen und in der ab Herbst beginnenden Heiratssaison steigt der Verkauf von Münzen, Armreifen und Goldketten an. Denn der Status der Braut in der künftigen Familie hängt stark von ihrer Mitgift ab. Gold bedeutet Status und gesellschaftliche Akzeptanz Wird das Gold für Inder bald zu teuer? „Wohl kaum“, meint Alfred Grusch, der Goldfonds-Manager von Pioneer Investments Austria. „Die Auswirkungen der Steuererhöhung werden sehr limitiert sein“, prognostiziert der Experte. Schließlich komme dem Edelmetall ein enorm hoher Stellenwert in der hinduistisch geprägten Gesellschaft zu. Gold bedeutet Status und gesellschaftliche Akzeptanz – ob man dabei 6,30 oder 12,60 US-Dollar je Feinunze (entspricht 31,1034 Gramm) Steuern zahlt, spielt laut Grusch nur eine untergeordnete Rolle. Auch die Befürchtung vieler Branchenexperten, dass Gold wieder verstärkt vor Ort recycelt wird und dadurch die Importe zurückgehen, teilt Grusch nur bedingt. „In Indien stammt ohnehin bereits ein bedeutender Teil des verarbeiteten Goldes aus inländischem Recycling“, sagt der Gold-Profi. Dieser Anteil habe sich zwar in letzter Zeit aufgrund der Währungsschwäche der indischen Rupie erhöht. Er halte dies jedoch für eine temporäre Erscheinung. Positive Impulse erwartet Grusch auch seitens der Finanzmärkte. „Die Investorennachfrage wird deutlich steigen“, sagt er. Dazu tragen vor allem neue Finanzinstrumente auf physisches Gold wie beispielsweise Gold-ETFs bei, so Grusch. Die gestiegene Risikoaversion und die fallenden Aktienmärkte würden derzeit ebenfalls für Gold sprechen. Nach Angaben der Commerzbank ging die Investment-Nachfrage nach Gold zuletzt zurück. So sanken die Netto-Long-Positionen der spekulativen Großanleger an der Comex in der Woche zum 30. Juni um 2.100 auf 164.186 Kontrakte. Die Goldbestände im weltweit größten Gold-ETF SPDR Gold Trust ist um 180.000 auf 36 Millionen Unzen gesunken. Der Gold-ETF der Züricher Kantonalbank hatte hingegen vorige Woche einen Anstieg der Goldbestände um 60.000 auf ein Rekordhoch von 4,71 Millionen Unzen gemeldet.

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