Inflation, aber keine Rezession

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(Quelle: DAS INVESTMENT) Der Mai brachte eine gute Nachricht von der Wirtschaftsfront: Die Konjunktur in der Eurozone wuchs im ersten Quartal 2008 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,2 Prozent. Das war deutlich mehr, als selbst Optimisten erwartet hatten. Flugs korrigierten Experten ihre Wachstumsprognosen für das Gesamtjahr auf derzeit zwischen 1,5 und 2 Prozent nach oben. Aber dass sich der Aufschwung im selben Tempo durch das ganze Jahr zieht, erwartet niemand ernsthaft. Dafür lastet derzeit zuviel Druck auf der heimischen Wirtschaft. So hat die Inflationsrate sich inzwischen fest über der 3-Prozent-Marke etabliert. Das ist zuviel, denn nach der Definition der Europäischen Zentralbank (EZB) gelten die Preise nur bei einer Steigerungsrate von maximal 2 Prozent als stabil. Die hohe Inflation zwingt die EZB voraussichtlich dazu, im Sommer den Leitzins, zu dem sich Banken in der Eurozone mit Tagesgeld versorgen können, von 4 auf 4,25 Prozent zu erhöhen. Das würde Kredite im Durchschnitt verteuern, der Wirtschaft Geld entziehen und sie somit hemmen. Doch die EZB muss in erster Linie auf stabile Preise achten und sich nur in zweiter Linie um die Wirtschaft kümmern. Auch von der anderen Seite des Atlantiks kommt Druck auf Deutschlands Wirtschaft. Die USA, langjähriger starker Abnehmer europäischer Exportwaren, wird in diesem Jahr voraussichtlich ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent bei einer Inflation von ebenfalls 3,6 Prozent erreichen. Das wirkt sich negativ auf das Exportgeschäft und damit auch auf die Wirtschaft Europas aus. Doch das ist nicht mehr so schlimm wie vielleicht noch vor zehn Jahren. "Inzwischen gehen rund 25 Prozent der Euro-Exporte nach Asien und nur noch knapp 12 Prozent in die USA", sagt Klaus Wiener, Chefvolkswirt bei der Fondsgesellschaft Generali Investments. Die Globalisierung und die boomenden Wirtschaften der Schwellenländer haben der Wirtschaftsmacht USA langsam aber stetig Einfluss entzogen. Weitere Unterstützung kommt ausgerechnet von einem ehemaligen Dauerproblem, dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote liegt mit 7,1 Prozent derzeit rund 3 Prozentpunkte tiefer als noch vor zehn Jahren. "Das ist ein langfristiger Trend, der die noch immer recht schwache Konsumlust der Europäer nachhaltig verbessern könnte", erklärt Volkswirt Axel Lindner vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle. Das heißt in der Praxis: Millionen Menschen können sich neuerdings endlich aus einem echten Gehalt den ersehnten Flachbildschirmfernseher oder die neue Hightech-Waschmaschine kaufen. Ein Umstand, der die heimische Wirtschaft stärken und einige Schwächen im Export ausbügeln könnte. Addiert man alle Punkte, ergibt sich derzeit ein Bild, das eine schwächer wachsende Wirtschaft in der Eurozone zeigt. Eine schrumpfende Leistung, also eine Rezession, wird flächendeckend hingegen nicht erwartet. Diesen Trend preist der Aktienmarkt gerade ein, indem er sich recht unentschlossen und tendenziell schwach entwickelt. Das könnte auch bis zum Jahresende so anhalten. Erst, wenn sich die Perspektiven wieder aufhellen, wird es stabile Kurse geben. Das wird für 2009 erwartet. Bis dahin haben clevere Anleger aber schon investiert.