Inflation, Anleihen, Politik „Fliegt uns der Euro um die Ohren, Herr Bosomworth?“

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Ist es sinnvoll, über längere Laufzeiten höhere Renditen reinzuholen?

Bosomworth: Unsere flexiblen Strategien bleiben lieber in den kürzeren Laufzeiten. Wenn die Märkte wieder wackeln, kann man die Marktschwankungen besser aussitzen als mit langen Laufzeiten. Vorausgesetzt die Qualität stimmt.

Andere Rentenfondsmanager meiden Anleihen ganz und übernehmen nur die reinen Kreditrisiken über Credit Default Swaps, kurz CDS. Sie auch?

Bosomworth: CDS gehören mit zu unserem Instrumentarium, und man kann mit ihnen sehr schnell Risiken steuern. Aber wir halten sie generell nicht für erste Wahl, um sich am Anleihemarkt zu engagieren.

Wie viele Länder gehen pleite, wenn die Renditen doch mal steigen?

Bosomworth: Kommt drauf an, wie Sie pleite definieren.

Anleger verlieren Geld, weil Schulden gestrichen werden.

Bosomworth: Das ist die harte Variante. Die sanfte lautet, dass die Währung abwertet.

Ist schwierig, wenn man in der Eurozone ist. Oder man ist dann eben nicht mehr drin.

Bosomworth: Unsere Hausmeinung ist, dass niemand aussteigt. Was aber nicht heißt, dass es einfach wird, vor allem, wenn wirklich eine Rezession kommt. Der Spielraum für die Zentralbank ist dann auch geringer als beim letzten Mal.

Sie reden von Rezession und wenig Spielraum der Zentralbank. Die Schuldenstände sind explodiert, und die Zinsen steigen. Ganz im Ernst: So fliegt uns der Euro um die Ohren.

Bosomworth: Der Euro ist eine politische Entscheidung.

Politiker können nicht immer Recht haben. Oder werden einfach abgewählt.

Bosomworth: Das glaube ich nicht. Es wird sicherlich hart werden, aber jetzt werden Weichen gestellt, die zu einer deutlich robusteren Währung führen werden.

Wenn sie denn gestellt werden.

Bosomworth: Die zwei größten Volkswirtschaften, Deutschland und Frankreich, sind schon dabei. Das ist ein wichtiges Signal. Ich sehe zwar, dass es anstrengend wird. Aber so pessimistisch wie Sie bin ich nicht.

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