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Anlagespezialist meint Inflation – es gibt keinen Free Lunch

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Unter den verschiedenen Anlageklassen leiden Anleihen am offensichtlichsten unter einer steigenden Teuerungsrate. Die damit anziehenden Zinsen sorgen für entsprechende Kursverluste. Die Rentenseite liefert derzeit kaum Schutz, da die Anleiherenditen bereits sehr niedrig beziehungsweise sogar negativ sind. Vor diesem Hintergrund müssen Anleger die anderen Assetklassen danach abklopfen, ob diese eine Versicherung gegen Inflation oder sogar einen Hedge bieten.

Auf der Aktienseite gilt es die Unternehmen zu selektieren, die höhere Kosten an ihre Kunden weitergeben können, die also über Preissetzungsmacht verfügen. Hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Sektoren. Der Energiebereich zeigt in fast allen ausgewerteten Studien auch bei höheren Inflationsraten eine positive reale Rendite. Die Sektoren nicht-zyklischer Konsum, Versorger und Healthcare schlagen sich in einem inflatorischen Umfeld erfahrungsgemäß ebenfalls besser als weniger defensive Bereiche. Und Finanzwerte profitieren immer dann, wenn die Zinsstrukturkurve steiler wird.

Für Tech-Werte sieht es dagegen deutlich schlechter aus. Häufig erzielen sie noch keinen Gewinn. Sie leiden unter den höheren Zinsen für Fremdkapital und unter der stärkeren Abdiskontierung ihrer künftigen Gewinne.

Internationale Diversifikation bedeutsamer

Anleger sollten ihre Investments nicht nur sektoral, sondern auch regional streuen. In der westlichen Welt ist die Inflation in den USA entscheidend, da die amerikanische Geldpolitik und die Wall Street hier den Takt vorgeben. Doch mit China entsteht gerade ein Gegengewicht, das deutlich weniger von der US-Inflation abhängt, da es über einen eigenen, riesigen Binnenmarkt verfügt.

Rohstoffe waren im Gegensatz zu Anleihen und Aktien in der Vergangenheit häufig nicht die Leidtragenden von Inflation, sondern deren Auslöser. Damit bieten sich Investitionen in Commodities als natürlicher Schutz des Portfolios an, da sie direkt an Preisschüben partizipieren. Zu den wesentlichen Inflationstreibern gehören derzeit vor allem Energie und Industriemetalle. Gold weist historisch betrachtet eine durchwachsene Bilanz auf. Aber hohe Inflationsraten bedeuten zurückgehende Realzinsen. Dies unterstützt den Goldpreis, da die Goldhaltung nur noch zu einem geringen Zinsverlust führt beziehungsweise sogar bei negativen Realzinsen Opportunitätsgewinne eröffnet. Zusätzlich profitiert das Edelmetall von der allgemeinen Unsicherheit, die durch steigende Inflationsraten ausgelöst werden kann.

Unter den Währungen sind die sicheren Häfen interessant und die Devisen von Ländern, die durch Rohstoff- beziehungsweise Ölexporte direkt vom globalen Wachstum profitieren.

Unterm Strich sollte im aktuellen Umfeld ein Schwergewicht auf Aktien liegen und hier vor allem auf den genannten Bereichen Energie, nicht-zyklischer Konsum, Versorger und Healthcare. Anleihen sind unterzugewichten. Hier sind die sicheren Häfen sowie Renten mit Inflationsschutz zu bevorzugen. Unter den Rohstoffen sind insbesondere Öl und Gold interessant sowie ein Rohstoffkorb auf den CRB-Index, der auch noch Industriemetalle umfasst. Mit einem solchen Mix sollten sich die bestehenden Inflationsgefahren gut managen lassen.


Über den Autor:
Reinhard Pfingsten arbeitet bei der Bethmann Bank als Anlagechef. Er ist zudem Mitglied im Management-Team des globalen Investment-Centers der ABN-Amro-Gruppe.

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