Um die Inflation in den Griff zu bekommen, haben US-Notenbanker die Zinsen bereits massiv erhöht. Bisher sind sie den hohen Preisen jedoch nicht Herr geworden. Hier erklärt Keith Wade von der Investmentgesellschaft Schroders, warum das so ist.
Die Wiederherstellung des Gleichgewichts bei den Verbraucherausgaben ist wahrscheinlich noch nicht abgeschlossen. Eine Analyse der San Francisco Fed deutet darauf hin, dass ein Großteil der überschüssigen Ersparnisse inzwischen ausgegeben wurde. Das lässt wiederum darauf schließen, dass dieser Effekt auf den Konsum allmählich abklingen wird. Bislang wurden von den überschüssigen Ersparnissen in Höhe von insgesamt 2,1 Milliarden US-Dollar etwa 1,7 Milliarden US-Dollar ausgegeben. Dennoch verbleibt den Haushalten ein Ausgabenpotenzial von etwa 400 Milliarden US-Dollar (das entspricht etwa 2 Prozent des Konsums), so dass die Auswirkungen allmählich abklingen.
Die zweite Auswirkung der Pandemie betrifft die Angebotsseite, wo die Arbeitsmärkte durch eine Kombination aus Frühverrentung, der Rückkehr an die Universität und Krankheit beeinträchtigt wurden. Obwohl einige Gruppen von Arbeitnehmern, für die es einfacher ist, von zuhause aus zu arbeiten, profitiert haben, ist insgesamt ein Rückgang der Zahl der Erwerbspersonen und ein Rückgang der Erwerbsquote festzustellen.
Es mangelt an Arbeitskräften
Infolgedessen war der Druck auf die Löhne größer als erwartet, da es schneller zu einem Arbeitskräftemangel gekommen ist. Es gibt einige Anzeichen dafür, dass die Erwerbsquoten steigen, was die Rückkehr der Einwanderung und eine Umkehrung einiger dieser Faktoren widerspiegeln könnte. Insgesamt hat die Pandemie allerdings das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage in eine ungünstige Richtung verschoben und den Inflationsdruck verstärkt.
Von diesen Effekten haben das niedrige Ausgangsniveau der Zinssätze, die fiskalische Großzügigkeit und die Auswirkungen der Pandemie es der Fed und anderen Zentralbanken am meisten erschwert, die Wirtschaft und die Inflation zu deuten und dann zu bändigen.
Die geldpolitische Wende wurde von einem extrem lockeren Niveau aus eingeleitet, und obwohl die Fed und andere Zentralbanken die Notwendigkeit einer Straffung vielleicht schon früher erkannt hätten, geschah dies vor dem sehr unsicheren Hintergrund der anhaltenden Pandemie. Außerdem mussten sie die fiskalpolitischen Anreize ausgleichen und sich mit den ungewöhnlichen Auswirkungen der Pandemie auf die Ausgaben und den Arbeitsmarkt auseinandersetzen.
Ungeachtet der Unterstützung durch den Inflation Reduction Act und der Aufregung um Künstliche Intelligenz sind wir der Ansicht, dass sich das Blatt im weiteren Verlauf zugunsten der Fed wenden wird. Die Geldpolitik befindet sich jetzt in einem restriktiven Bereich, und die positiven Effekte der fiskalischen Unterstützung und der überschüssigen Ersparnisse werden immer geringer.
Das gegenläufige Verhalten der Finanzmärkte ist ebenfalls wichtig, auch wenn es nicht nur in diesem Zyklus auftritt. Als die Fed beispielsweise 2005 die Zinssätze um 150 Basispunkte anhob, ohne dass sich dies nennenswert auf die Renditen zehnjähriger Anleihen auswirkte, war viel davon die Rede, dass die Fed die Kontrolle über die Geldpolitik verliert.
In diesem Zyklus muss die Fed möglicherweise noch mehr tun, um die Anleihemärkte davon zu überzeugen, dass sie entschlossen ist, die Inflation zu bekämpfen. Das ist zweifellos der Grund für den aggressiven Ton auf ihrer letzten Sitzung.