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Franklin TempletonLesedauer: 5 Minuten
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Franklin Templeton zu Zinsen „Inflation kommt der hochverschuldeten US-Regierung nicht ungelegen“

Wellengang in der Nähe von San Mateo in Kalifornien, Sitz von Franklin Templeton
Wellengang in der Nähe von San Mateo in Kalifornien, Sitz von Franklin Templeton: Fixed-Income-Spezialistin Sonal Desai kann der Idee der langfristigen Stagnation nichts abgewinnen. | Foto: imago images / ZUMA Wire
Sonal Desai, Franklin Templeton

Frau Desai, ist die hohe Inflation in den USA Ihrer Meinung nach ein kurzfristiges, zyklisches Ereignis? Oder läuft alles auf eine langfristig anhaltende Entwicklung hinaus?

Sonal Desai: Die Fed geht davon aus, die Inflation sei vorübergehend, aber was bedeutet „vorübergehend“ genau? Meint sie zwei Monate? Sind es drei Monate? Sind es einige Quartale? Sind es einige Jahre? Ich bin eher geneigt zu glauben, dass die „vorübergehende“ Inflation ein wenig länger andauern könnte, als viele Marktbeobachter derzeit erwarten.

Außerdem hängt die Ansicht, dass das höhere Inflationsniveau vorübergehend sein werde, nicht zuletzt wesentlich von der Annahme ab, dass die Inflationserwartungen stabil bleiben. Wenn aber die Inflationsrate das Ziel der US-Notenbank von 2 Prozent deutlich übersteigt und die Fed ihre lockere Geldpolitik wie zugesagt beibehält – werden sich die Inflationserwartungen dann wirklich nicht ändern? Da wäre ich mir nicht so sicher. Wir sind Zeuge eines wuchtigen Paradigmenwechsels in der Geldpolitik.

Was treibt Ihrer Meinung nach die Inflation so stark, dass sie unerwartet lang anhalten könnte?

Desai: Bei der Betrachtung der Inflation sind meiner Meinung nach drei Faktoren zu berücksichtigen. Der erste: Zu keiner Zeit in den vergangenen 30 Jahren ließ die US-Regierung die Verschuldung auf über 30 Prozent des BIP in einem Zweijahreszeitraum ansteigen. Das ist aktuell der Fall – und Bidens neues Infrastrukturgesetz ist dabei sogar noch außen vor gelassen. Es handelt sich um einen beispiellosen Schub an fiskalpolitischen Anreizmaßnahmen für eine Wirtschaft, die bereits wieder auf dem Weg der umfassenden Erholung ist.

Beim zweiten Faktor geht es um die US-Notenbank selbst. Die aktuelle Runde der quantitativen Lockerungsmaßnahmen (Quantitative Easing, QE) ist größer als QE1, QE2 und QE3 zusammen. Die Fed gab bekannt, dass sie – unabhängig vom Ausmaß der fiskalpolitischen Konjunkturmaßnahmen – an ihrer geldpolitischen Lockerung festhalten wird. Die Inflation soll nach dem Willen der Fed über einen längeren Zeitraum hinweg über das Ziel von 2 Prozent hinaus „heißlaufen“.

Und der dritte Faktor, der die Inflation treibt?

Desai: Hierbei geht es um die breite Verfügbarkeit von Impfstoffen, was zur Normalisierung des Konsumverhaltens und zum Hochfahren der Wirtschaft beiträgt. Jeder einzelne dieser drei Punkte würde bereits für ein kräftiges Anziehen der Inflation sorgen. Zurzeit wirken alle drei Faktoren auf die Preise ein. Da wir heute eine völlig andere Politik sehen als in den vergangenen 30 Jahren, würde es mich nicht überraschen, wenn sich auch die Inflation gänzlich anders entwickeln würde als in diesem Zeitraum.

Wie müssen wir uns das vorstellen?

Desai: Ich erwarte keine ausufernde Inflation im hohen einstelligen Bereich. Es ist aber dennoch durchaus wahrscheinlich, dass angesichts der breit angelegten V-förmigen Konjunkturerholung die Inflation das Fed-Ziel in den kommenden fünf Jahren dauerhaft übersteigt.

Tatsächlich sind schon jetzt die Preise für Kupfer, Lithium und Silber immer weiter geklettert, obwohl die Konjunktur noch auf dem Weg zu ihrer vollständigen Erholung ist…

Desai: Ja, auch die Rohstoffpreise sind gut gestützt. Sie dürften zur weiteren Steigerung der Inputkosten beitragen, die wir seit Beginn der Konjunkturerholung gesehen haben.

Angesichts happiger Rohstoffpreise dürften die Bergbaukonzerne allerdings schnell ihre Produktion hochfahren. Und die zuvor explodierenden Holzpreise in den USA sind jüngst um 40 Prozent eingebrochen. Dass die Inflation wirklich dauerhaft anzieht, ist doch noch nicht ausgemacht, oder?

Desai: In der Tat ist keine gleichmäßige Beschleunigung der Inflation zu erwarten. Allerdings dürfte die Preisteuerung sich auf einem merklich höheren Niveau bewegen als im vergangenen Jahrzehnt. Natürlich werden wir nicht Jahr für Jahr fiskalpolitische Konjunkturmaßnahmen sehen, wie sie zuletzt aufgrund der Pandemie nötig waren; die Auswirkungen der laufenden Programme bleiben aber noch über eine beträchtliche Zeitspanne erhalten. Es ist außerdem nicht anzunehmen, dass die Regierung Schulden durch Rückzahlung tilgen will: Eine dominierende Fiskalpolitik zusammen mit einem monetären Überhang, die zu steigender Inflation führen, kommen der hochverschuldeten US-Regierung nicht ungelegen. Meiner Einschätzung nach werden daher die Auswirkungen der Geld- und Fiskalpolitik auf die Preise und die wirtschaftliche Aktivität etwas länger als nur einige wenige Jahre anhalten.

Viele Ökonomen gehen mit Blick auf die entwickelten Länder von einer langfristigen Stagnation aus, die unter anderem von der demografischen Entwicklung geprägt ist. Wie fällt Ihre Einschätzung zu dieser Theorie aus?

Desai: Der Idee der langfristigen Stagnation kann ich nichts abgewinnen. So geht zum Beispiel bei einer alternden Bevölkerung normalerweise das Angebot stärker zurück als die Nachfrage, was nicht dazu beiträgt, die Inflation einzudämmen. Zudem entwickeln sich inzwischen einige von den Vertretern der Theorie der langfristigen Stagnation angeführte Faktoren, wie zum Beispiel die Globalisierung, bereits wieder zurück.

Tatsächlich aber hatte Japan als eine der ganz großen Industrienationen über Jahrzehnte mit säkularer Stagnation zu kämpfen.

Desai: Was in Japan passiert ist, lässt sich nicht mit dem aktuellen fiskalpolitischen Geschehen in den USA vergleichen. Japans Wirtschaft wurde durch Zombie-Unternehmen und ein angeschlagenes Finanzsystem belastet. Doch zuletzt konnte die lockere Fiskalpolitik in Japan nicht nur die Inflation, sondern auch das Wachstum ankurbeln.

In den USA hingegen sehen wir derzeit gigantische fiskalpolitische Stützungsmaßnahmen, mit denen eine gesunde Wirtschaft und ein gut funktionierendes, leistungsfähiges Finanzsystem überschwemmt werden. Meine Erwartung ist, dass alle diese Maßnahmen das Wachstum sehr stark antreiben werden – in den USA ergibt sich daher ein ganz anderes Bild, vor allem mit ganz anderen Auswirkungen auf die Inflation.

Wichtige rechtliche Hinweise:

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Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.

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