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Inflation statt Deflation: Höhe der Geldentwertung bleibt offen

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Es gibt auf der anderen Seite der Skala noch eine Steigerung der japanischen Verhältnisse: eine Neuauflage der Depression aus den 30er Jahren. Sie gehört zum Schlimmsten, was sich Volkswirte für die Weltwirtschaft vorstellen können. Vor allem in den USA gilt der Mix aus Massenarbeitslosigkeit, fallenden Verbraucherpreisen und Pleitewelle als nationales Trauma. Alle basteln daran, dass es sich nicht wiederholt. Und tatsächlich sinkt die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios von Tag zu Tag, denn es wird Geld gedruckt wie noch nie. Geld, das früher oder später in die Realwirtschaft schwappt und nahezu zwangsweise zu höheren Preisen führen muss. Auch die Dramaturgie der schrittweisen Geldentwertung steht für viele bereits fest. Im Herbst gelingt es, mit den Kapitalspritzen den Absturz der Wirtschaft endgültig zu stoppen. 2010 ist ein Jahr der Konsolidierung: Die Banken und Unternehmen sanieren ihre Bilanzen, und die US-Verbraucher erholen sich vom Immobilienschock. 2011 kommt die Konjunktur wieder in Fahrt und die Teuerungsspirale in Schwung: Löhne und Preise steigen, die Rohstoffe werden teurer. Unklar bleibt, welche Ausmaße die Inflation haben wird. Angenommen, die Notenbanken halten die Leitzinsen im Aufschwung tief, dann werden bei steigender Teuerung die realen Zinsen negativ. Die zuvor aufgeschütteten Schuldenberge würden dann automatisch abgetragen. Gleichzeitig würde eine bescheidene Inflation auch zu einer sogenannten „Geld-illusion“ bei den Konsumenten führen. Diese hätten das Gefühl, dank höherer Nominallöhne reicher zu sein; sie würden mehr konsumieren und damit die Konjunktur anheizen. 5 Prozent Inflation sind tragbar Die Erfahrungen der 60er und 70er Jahre haben gezeigt, dass man in den USA und Europa sehr gut mit einer moderaten Inflation von rund 5 Prozent leben kann. Doch es gibt auch schlimmere Befürchtungen. „Schon in einigen Monaten wird die Inflation deutlich nach oben schießen“, zitiert das Nachrichtenmagazin „Focus“ Thomas Straubhaar, den Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Straubhaar rechnet „mit einer Geldentwertung zwischen 5 und 10 Prozent pro Jahr für die Zeit nach 2010“. Zuletzt gab es eine solch extreme Inflation in den frühen 80er Jahren. Damals erreichte die Inflationsrate in westlichen Industriestaaten zweistellige Werte. Die USA mussten zum Ausgleich bis zu 16 Prozent Zinsen für ihre zehnjährigen Anleihen zahlen. Wie Straubhaar erwartet auch David Swensen, dass die Inflation schneller und stärker steigt, als es der Durchschnitt der Analystenschätzungen vermuten ließe. „Anders lässt sich die expansive Geldpolitik nicht verdauen“, so der Investmentdirektor der Eliteuniversität Yale. Investoren rät er daher schon heute zu inflationsgeschützten Anleihen. Swensen: „Sie sollten in keinem Portfolio fehlen.“ Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (Juli 2009). Dort lesen Sie, welche Investments vor einer hohen Inflation schützen oder von ihr profitieren.  
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