Nikolas Kreuz (Gastautor)Lesedauer: 2 Minuten

Brisanter Cocktail Inflation trifft auf Negativzins

Waren auf dem Kassenbank
Waren auf dem Kassenbank: Die Verbraucherpreise der Eurozone sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. | Foto: imago images / Sven Simon

In der Eurozone haben die Inflationsdaten im September mit 3,4 Prozent den höchsten Wert seit 13 Jahren erreicht. Auch die Kernrate stieg auf 1,9 Prozent an - höchster Stand seit November 2008. Weiter steigende Energiepreise durch steigende CO2-Preise und Lieferengpässe, die nicht nur in Deutschland Fabriken stillstehen lassen, heizen die Kerninflation weiter an: Knappe Güter werden in der Regel teurer.

Für eine höhere Nachfrage sorgt auch, dass Verbraucher die Corona-Zeit kompensieren wollen und hoffnungsvoll wieder verstärkt einkaufen gehen. Dies trifft allerdings auf ein knapperes Angebot. Wir haben zuvor seit mehr als drei Dekaden sinkende Inflationsraten erlebt. Nun führen Tendenzen zur Deglobalisierung über Zweitrundeneffekte zu hohen, nicht-transistorischen Inflationsraten.

In der Vergangenheit haben Notenbanken bei steigenden Inflationsraten in der Regel die Leitzinsen angehoben. Durch Corona und die daraus resultierende galoppierende Staatsverschuldung belassen Lagarde, Powell und Co. jetzt allerdings die Zinsen aber auf einem extrem niedrigen Niveau – und akzeptieren damit, dass die Vermögen der Sparer in einem kaum gekannten Ausmaß abschmelzen.

Brandgefährlich wird dieser Mix letztendlich durch die Strafzinsen, die Banken ihren Privatkunden berechnen: Nach einer aktuellen Verivox-Analyse erheben inzwischen fast 400 Geldhäuser Negativzinsen. Immer mehr Finanzinstitute verschärfen zudem ihre Konditionen: Der Zins fällt, und Verwahrentgelte werden schon bei geringen Guthaben fällig.

Hinzu kommt der Status-Quo-Effekt bei vielen Privatanlegern: Die Abneigung gegen Veränderung und Ablehnung von Unbekanntem führen dazu, dass für die meisten Deutschen das Sparkonto immer noch die beliebteste Anlageform ist. Nur rund ein Viertel der Sparer legt derzeit Geld in Aktien oder Fonds an. Aus ökonomischer Sicht ist das unsinnig, aus Neurofinanz-Perspektive dagegen erklärbar. Denn im Schnitt gehen Sparer von zu hohen Renditen aus. Besonders paradox ist dabei, dass die Sparanstrengungen immer weiter erhöht werden, je unrentabler diese Anlageform wird.

So bleibt das Ersparte auf dem Konto liegen, auch wenn es unrentabel ist und sogar Minuszinsen anfallen. Ein Ausweg aus dem Dilemma für Menschen, die den Aktienmarkt scheuen, wären Plattformen, die keine Negativverzinsungen in Rechnung stellen. Denn die gibt es weiterhin. Auch monatliche Festgelder mit geringer, aber positiver Verzinsung, kurzlaufende Geldmarkt-ETFs oder Investment-Grade-Anleihen können eine temporäre Opportunität darstellen. Wer dann auch noch etwas gegen die Inflation tun und nicht hilflos zusehen möchte, wie sein Erspartes immer weniger wird, sollte sich einen guten Multi-Asset-Fonds mit einem asymmetrischen Chancen-/Risikoprofil aussuchen. Das macht den Geldentwertungs-Cocktail etwas bekömmlicher.


Über den Autor:
Nikolas Kreuz ist Geschäftsführer beim freien Finanzdienstleister Invios aus Hamburg. In der Vergangenheit war er für die Deutsche Bank, die UBS, die DZ Privatbank sowie zwei Landesbanken in der Vermögensverwaltung tätig gewesen.

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