Vogelschwarm vor einer niederländischen Bohrinsel Foto: IMAGO / blickwinkel

Vermögensverwalter Uwe Eilers

Inflations- und Zinsangst – kommt deshalb ein neuer Crash?

Uwe Eilers, Foto: FV

Steigen die Inflationsraten in den USA und Europa jetzt nachhaltig? Gestiegene Rohstoffpreise, vor allem von Öl und Industriemetallen, beflügeln aktuell solche Ängste bei Investoren. Dabei ist der Ölpreis nicht aufgrund hoher Nachfrage gestiegen, sondern durch die noch vorhandene Förderdisziplin der Mitglieder des Ölkartells, also der Opec und Russlands. Zudem sorgt der neue Beschluss der US-Regierung, 1,9 Billionen US-Dollar auszugeben, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, für Bedenken. Schließlich könnte die zusätzliche Nachfrage für steigende Inflationsraten sorgen.

Ob die Gelder der US-Regierung tatsächlich die Inflationsrate nach oben bringen, ist allerdings fraglich. Schließlich geht viel Geld an bedürftige Bevölkerungsgruppen und Kleinunternehmer, die das Geld dringend für den normalen Konsum benötigen – was wohl nicht zu einem Preisanstieg führen sollte. Die Ausgaben für die Erneuerung und Verbesserung der Infrastruktur sind schon lange überfällig und werden sich wahrscheinlich über mehrere Jahre strecken, da Planung und Umsetzung im Regelfall lange dauern. Auch dadurch sollte ein Anstieg der Inflation nicht signifikant ausfallen.

Der Zinsanstieg in der stattgefundenen Größenordnung sollte bei den meisten Unternehmen nicht dauerhaft zu sinkenden Gewinnen führen. Allenfalls hoch verschuldete Gesellschaften könnten davon betroffen sein. Dagegen könnte der Zinsanstieg eher ein Auslöser für eine längst überfällige Konsolidierung der Aktienmärkte gewesen sein, allen voran bei den stark gestiegenen Technologiewerten.

Solange sich die Zinsen nicht in Richtung 3 Prozent bewegen, sollten die die meisten Unternehmen dauerhaft keinen Schaden nehmen. Im Gegenteil: steigende Inflationsraten gehen in den meisten Fällen mit steigenden Umsätzen und Gewinnen in den Unternehmen einher. Somit sollten sich die Unternehmensbewertungen nicht signifikant verändern.

Sofern sich die Wirtschaft dauerhaft wieder erholen sollte – und danach sieht es derzeit aus – gibt es keinen Grund für einen neuen Crash oder einen starken Einbruch der Aktienmärkte. Aufgrund der weiterhin hohen Liquidität, allen voran auch in Deutschland, sollten die Aktien in diesem Jahr unter teils größeren Schwankungen eine Seitwärtsbewegung hinlegen.


Über den Autor:
Uwe Eilers ist Vorstand des Vermögensverwalters FV Frankfurter Vermögen mit Sitz in Bad Homburg und Königstein.


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