Susanne Woda

Susanne Woda

Inflationsgeschützte Anleihen: Ein Schuss in den Ofen?

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Die Angst vor dem Einstieg in den Ausstieg geht an den Märkten um. Nachdem die Notenbanken der Industrieländer die Märkte monatelang mit Geld fluteten, könnte der Geldsegen noch in diesem Jahr vorüber sein, befürchtet ein Großteil der institutionellen Anleger in den USA. Nun aber senkte die Weltbank ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr leicht auf 2,2 Prozent.

Kommt der Konjunkturmotor ins Stottern, könnten die Notenbanken doch noch länger am aktuellen Kurs festhalten, als derzeit spekuliert wird. Nur die Inflation lässt noch auf sich warten. Wer in den letzten Jahren in Erwartung steigender Zinsen auf deutsche Inflationsanleihen gesetzt hat, hat von der Bondrallye nur wenig mitbekommen und damit schlechter abgeschnitten als klassische Anleihenbesitzer.

International dagegen besteht mehr Potenzial. Bei inflationsgeschützten Anleihen ist der Kupon an die Entwicklung des jeweiligen Inflationsindex gekoppelt. Steigt die Inflation, fällt die Zinszahlung höher aus, bei Deflation kann sie auch fallen.

Die Inflation lässt auf sich warten

Auch die Rückzahlung erfolgt am Ende inflationsindexiert. Auf diese Weise können Anleger sicherstellen, dass ihr Vermögen während der Anleihelaufzeit unter Berücksichtigung der Geldentwertung verzinst und am Ende um die Inflation bereinigt zurückgezahlt wird. Von Inflation kann derzeit aber nicht die Rede sein, seit 2009 liegt die Teuerungsrate regelmäßig unter 2 Prozent. Für Mai beträgt sie 1,5 Prozent und liegt damit weiterhin unter der Inflationsmarke der EZB.

Besitzer der Inflationsanleihen des Bundes haben in den letzten Jahren zwar ihr Vermögen vor dem offiziellen Wertverlust schützen können, mit anderen Anlageklassen wäre der Zugewinn jedoch deutlich größer ausgefallen. So haben Anleger mit der im Jahr 2006 emittierten inflationsgeschützten Bundesanleihe aktuell circa 2,4 Prozent pro Jahr verdient.

Mit einer vergleichbaren klassischen Bundesanleihe dagegen war fast doppelt so viel pro Jahr drin. Der Grund sind die gesunkenen Zinsen, die sich auf den Kurs der klassischen Anleihe stärker ausgewirkt haben. Zum Ende der Laufzeit wird sich das Missverhältnis aber wieder ausgleichen, denn die klassische Anleihe rentiert nur noch bei 0,3 Prozent und ein Kursverlust ist bei Rückzahlung vorprogrammiert.

Der inflationsgeschützte Bond dagegen er Hinzurechnung der Teuerung seit Auflage 2006 zurückgezahlt. Ein Rückgang unter das aktuelle Niveau wäre also nur bei Eintreten einer Deflation zu erwarten. In den vergangenen Jahren war mit deutschen Inflationsanleihen kein Vermögen zu verdienen, die Absicherung der offiziell gemessenen Inflation ist aber durchaus gelungen.

Der Haken: Das Aufpumpen der Geldmengen durch die Zentralbanken schlägt sich in der Kursentwicklung erst nieder, wenn die Inflation tatsächlich messbar eintritt. Von der aktuellen Entwicklung haben andere Anlageklassen wie Immobilien, Aktien und herkömmliche Anleihen stärker profitiert. Anleger werden auch in Zukunft für den realen Kapitalerhalt andere Wege einschlagen müssen.

Denn zwar lässt die Geldmengenausweitung erwarten, dass die Inflation mittel- bis langfristig wieder ansteigt. Aufgrund der Berechnungslogik werden die offiziellen Inflationsraten jedoch immer niedriger ausfallen, als der einzelne Verbraucher wahrnimmt. Daher sind diese als Berechnungsgrundlage für Anlagen wenig geeignet. Noch dazu wird wohl noch ein wenig Geduld gefragt sein, denn erst eine konjunkturelle Erholung in den Industriestaaten würde die Teuerungsraten nachhaltig befeuern.

Über den Tellerrand blicken

Perspektivisch sollten Anleger das Thema jedoch nicht vernachlässigen, denn der reale Geldwerterhalt ist in der Ära der Niedrigzinspolitik wichtiger denn je. Wer in Inflationsanleihen investieren will, sollte bei der Suche auch über den Tellerrand hinausblicken. Weltweit gibt es eine Reihe von Ländern, die ein gesundes Wachstum und solide Staatsfinanzen aufweisen, deren Inflationsraten aber historisch bedingt weit über dem Niveau der Industrienationen liegen.

Gepaart mit tendenziell steigenden Zinsen können Inflationsanleihen hier auch zukünftig ein lukratives Investment sein. Wegen der besseren Streuung, und weil es sich bei Inflationsanleihen um komplexe Finanzprodukte handelt, sollten Anleger einen professionell gemanagten Fonds dem Direktinvestment vorziehen.

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