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Themen-Experte
Aufbruch zum Wachstum

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Aufbruch zum Wachstum

Eine Frau kauft auf einem Markt in der türkischen Hauptstadt Ankara Gemüse ein – mittlerweile steigen die Preise zwar immer noch, aber nicht mehr so schnell. Seit Oktober 2018 sank die Inflationsrate von 25 Prozent auf einen Wert von 15,72 Prozent im Juni herab, wie das türkische Statistikamt Tüik bekanntgab. | © Getty Images

Inflationskrise Wie geht es mit der Türkei weiter?

Trotz eines massiven Einbruchs der Wirtschaft flirtet die türkische Inflation im Juni immer noch mit einer Rate von 20 Prozent im Vorjahresvergleich. Der wichtigste geldpolitische Zinssatz liegt bereits acht Monate lang bei 24 Prozent. Seit Anfang des Jahres wird die Fiskalpolitik als Instrument zur Unterstützung der Wirtschaft eingesetzt. Allerdings kann dieser fiskalische Stimulus nicht deutlich verlängert werden, auch er hat Grenzen. Während die türkische Wirtschaft gerade aus der Rezession herausgekommen ist, ist die Finanzlage immer noch sehr angespannt. Eine deutliche Verschlechterung der öffentlichen Finanzen könnte die Risikowahrnehmung erhöhen. Eine Lockerung der Geldpolitik ist dann zwar eine durchaus verlockende Option, um die Wirtschaft anzukurbeln – falls die Institutionen die Möglichkeit dazu erhalten. Doch es ist nach wie vor notwendig, dass die Inflation deutlich sinkt und sich die Währung stabilisiert, wenn nicht sogar aufgewertet wird.

Preise für Lebensmittel steigen

Wir prognostizieren für dieses Jahr eine Inflation von rund 16 Prozent im Jahresvergleich und 13 Prozent zum Ende Dezember 2019. Die Inflation erreichte im Oktober 2018 einen Höchststand von 25 Prozent im Jahresvergleich. Seitdem ist sie etwas zurückgegangen. Ende Mai lag sie bei rund 18,7 Prozent. Die Kerninflation – das heißt ohne Alkohol, Tabak, Energie, Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke und Gold – lag mit 15,9 Prozent zum gleichen Zeitpunkt nur unwesentlich niedriger. Die Inflation ohne Berücksichtigung der kontrollierten Preise hat sich ebenfalls seit mehreren Monaten verlangsamt, blieb aber Ende Mai bei 20 Prozent. Der steigende Inflationstrend im Sektor Lebensmittel und alkoholfreie Getränke, der fast 25 Prozent des Verbraucherpreisindex ausmacht, beeinflusst die Gesamtinflation deutlich.

Dagegen ist trotz des jüngsten Anstiegs der Ölpreise die Inflation im Energiesektor stark gesunken. Sie liegt nun bei etwa 12,7 Prozent im Jahresvergleich und damit deutlich unter dem Wert vor sechs Monaten mit 25 Prozent. Die anderen Hauptpositionen des Index wie Wasser, Elektrizität, Gas und andere Brennstoffe sowie Transport, die 15 Prozent des Indizes ausmachen, werden kontrolliert oder unterliegen steuerlichen Anpassungen.

Starke Korrelation mit dem Wechselkurs

Obwohl wie beschrieben viele Preise kontrolliert werden oder steuerlichen Anpassungen unterliegen, korreliert die türkische Inflation stark mit den Schwankungen der Wechselkurse. Diese Korrelation hat in letzter Zeit deutlich zugenommen. In den ersten drei Quartalen 2018 wertete die türkische Lira gegenüber dem US-Dollar immer weiter ab, bis zu einem Wert von -45 Prozent im September. Seitdem hat die Abwertung sich aber wieder verlangsamt. Im aktuellen Kontext hoher (geo-) politischer Unsicherheiten und immer wieder neuer Eskalationen im Handelskonflikt zwischen den USA und China hat die Volatilität der Schwellenländer generell zugenommen. Noch ausgeprägter ist dies im Falle der Türkei, wo die makroökonomischen Fundamentaldaten schwach sind.

Was die Zentralbank tun wird

Aus vielen Gründen ist es schwierig, die zukünftige Geldpolitik einzuschätzen. Neben dem Wechselkurs treiben auch andere Faktoren die Preise, etwa Löhne, das BIP-Wachstum, Branchenentwicklungen und auch eine gewisse willkürliche Komponente.

Auf ihrer letzten Sitzung am 12. Juni hielt die türkische Zentralbank CBRT die Leitzinsen bei 24 Prozent unverändert. Zwar öffnete sie die Tür für zukünftige Lockerungen, legte sich aber nicht fest. Die erste Lockerung könnte nach unserer Meinung bereits Anfang Juli angekündigt werden. Zwei Monate später, also im September, könnte dann ein größerer Schritt folgen.“

Soweit nicht anders angegeben, beruhen die hier enthaltenen Ansichten auf Recherchen, Berechnungen und Informationen von Amundi Asset Management und haben den Stand 02.07.2019. Diese Ansichten können sich jederzeit ändern, abhängig von wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen. Es gibt keine Gewähr, dass sich Länder, Märkte oder Branchen wie erwartet entwickeln werden. Diese Veröffentlichung ist kein Verkaufsprospekt und stellt kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anteilen in Ländern dar, in denen ein solches Angebot nicht rechtmäßig wäre. Außerdem stellt diese Veröffentlichung kein solches Angebot an Personen dar, an die es nach der jeweils anwendbaren Gesetzgebung nicht abgegeben werden darf. Amundi Deutschland GmbH ist ein Unternehmen der Amundi Gruppe.

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