Die Treiber des Infrastrukturausbaus
Die Nachfrage nach Infrastruktur wächst rund um den Globus. Hinter dieser Entwicklung stehen unserer Ansicht nach vier strukturelle MegaForces, nämlich demografische Divergenz, der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft, KI und digitale Disruption sowie geopolitische Fragmentierung.
Jeder dieser Trends beeinflusst den Umfang und die Art der erforderlichen Investitionen – und alle zusammen deuten darauf hin, dass der Ausbau Jahrzehnte dauern dürfte. So wird die Weltbevölkerung gemäß Prognosen bis 2050 auf 10 Milliarden Menschen anwachsen, allerdings mit regional unterschiedlicher Dynamik. Wachstum und Urbanisierung sind vor allem für die Schwellenländer zentrale Faktoren, während die Bevölkerung in den Industrieländern stagniert oder schrumpft. Die Verstädterung verstärkt den Effekt des Bevölkerungswachstums und heizt die Infrastrukturnachfrage zusätzlich an: Je mehr Menschen in Städten leben, desto mehr Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur wird benötigt.
Diese regionalen Unterschiede sind auch für Anleger relevant: Der Aufbau neuer Infrastruktur, der in den Schwellenländern benötigt wird, ist meist über börsennotierte Engagements im Verkehrs- und Versorgersektor zugänglich, während der Fokus in den Industrieländern auf Projekten liegen dürfte, die vorhandene Anlagen erneuern und die Produktivität steigern und die meist eher privat finanziert werden.
Die Energienachfrage steigt, kohlenstoffarme Energiequellen kommen neu hinzu. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur aus dem Jahr 2025 ist der Stromverbrauch etwa doppelt so schnell gestiegen wie der Energieverbrauch insgesamt – eine Folge der Elektrifizierung von Verkehr, Heizung und Industrie.
Die Umstellung auf einen kohlenstoffärmeren und stärker auf Strom orientierten Energiemix ist generell kapitalintensiver, da erneuerbare Energien und Kernenergie höhere Vorabinvestitionen erfordern als traditionelle Energiequellen. Diese neue Infrastruktur aufzubauen und gleichzeitig die alte aufrechtzuerhalten und auszubauen (z. B. Stromnetze) macht die Umstellung, die wir aktuell erleben, zu einer der infrastrukturintensivsten in der modernen Geschichte. Investoren bieten börsennotierte Energiesysteme eine gut zugängliche Möglichkeit, um diese MegaForce für sich zu nutzen.
Die Digitalisierung öffnet eine neue Ebene für Investoren im Real-Asset-Bereich. Das rasante Wachstum bei Daten, KI-Training und Cloud-Diensten führt zu einem exponentiellen Wachstum der Rechnerkapazität. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass sich die globale Auslastung von Rechenzentren zwischen 2025 und 2030 fast verdoppeln wird. Neben Rechenzentren gilt das auch für Glasfasernetze und 5G-Mobilfunkmasten – entscheidende Faktoren für Produktivität und wirtschaftliche Resilienz.
Den Druck verstärkt die geopolitische Fragmentierung: Staaten, die auf den Import von fossilen Brennstoffen angewiesen sind – und das trifft auf etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung zu –, sehen sich veranlasst, in Infrastruktur zu investieren, die die Abhängigkeit verringert oder Alternativen erschließt, von erneuerbaren Energien bis hin zu LNG-Terminals. Regierungen suchen nach sichereren Energiequellen im eigenen Land, darunter erneuerbare Energien sowie häufig Kernkraft. Das Streben nach Resilienz geht weit über den Energiebereich hinaus. Die geopolitische Aufsplitterung führt auch dazu, dass stärker in Transportkorridore, den Zugang zu wichtigen Mineralien und eigene KI-Kompetenz investiert wird, da die Staaten strategisch kritische Technologien unter ihre Kontrolle bringen möchten.
Lücke zwischen Bedarf und öffentlichen Mitteln: Chancen für private Investoren
Auf der einen Seite fördern also eine Reihe struktureller Kräfte die Nachfrage, auf der anderen Seite aber sind die traditionellen Akteure bei der Infrastrukturfinanzierung wie Staaten und Banken immer stärker eingeschränkt. Laut dem Internationalen Währungsfonds liegt die Staatsverschuldung in den wichtigsten Volkswirtschaften im Durchschnitt bei über 120 Prozent des BIP, sodass der haushaltspolitische Spielraum für Investitionen begrenzt ist. Neue regulatorische Auflagen seit der globalen Finanzkrise haben dazu geführt, dass Banken bei der Finanzierung langfristiger Projekte eingeschränkt sind. Ihr Anteil an der Unternehmensfinanzierung ist von etwa 70 Prozent im Jahr 1980 auf heute unter 40 Prozent gesunken.