Für Sparer sah es viele Jahre düster aus: Wer sein Geld sicher parkte, musste in der Vergangenheit geringe bis gar keine Zinsen in Kauf nehmen. Das änderte sich Anfang des Jahres, als der Neobroker Trade Republic seinen Kunden zwei Prozent Zinsen auf das nicht-investierte Vermögen anbot. Mitbewerber Scalable legte kurz darauf mit 2,3 Prozent nach (mehr dazu hier und hier). Nun folgt die Direktbank ING: Nicht nur Neukunden, sondern auch diejenigen, die schon ein Tagesgeldkonto bei dem Institut haben, bekommen auf neu eingezahlte Gelder ab sofort für sechs Monate drei Prozent Zinsen.
Bisher galt die Zins-Aktion nur für neue Kunden, der Zinssatz lag zuvor bei zwei Prozent pro Jahr und die Laufzeit war begrenzt auf vier Monate. „Wir bekräftigen mit diesem Schritt unsere Wachstumsambitionen und lassen auch unsere Bestandskunden stärker an steigenden Zinsen teilhaben“, sagt Nick Jue, Vorstandsvorsitzender der ING in Deutschland.
Die Einschränkungen im Detail
Neben der zeitlichen Begrenzung auf 6 Monate gibt es aber noch eine weitere Einschränkung. „Neukunden, die nach sechs Monaten ohne Extra-Konto (Tagesgeld) erstmalig eines eröffnen, erhalten den Zins von drei Prozent ab sofort für sechs Monate auf Einlagen bis zu 50.000 Euro“, heißt es in der Erklärung der ING. Danach greife der dann gültige Basiszins, der aktuell bei 0,6 Prozent liegt.
Für Bestandskunden gilt ebenfalls die Grenze von 50.000 Euro. Zusätzlich gilt die Zins-Aktion auch nur für Einzahlungen, die zwischen dem 5. und 25. April 2023 stattfinden.
DKB entscheidet sich gegen Lockangebote
Trotz der Einschränkungen dürfte die Zins-Aktion der ING den Wettbewerb um Kundeneinlagen weiter anheizen. Denn die Drei vor dem Komma knackt hierzulande eine psychologisch wichtige Marke.
Dass Neu- und Bestandskunden identische Konditionen bekommen ist ebenfalls eher die Ausnahme als die Regel. Ähnlich handhabt es auch die Direktbank DKB. Dort bekommen alle Kunden seit April ein Prozent Zinsen auf Tagesgeld (statt zuvor 0,4 Prozent). Man habe sich „bewusst gegen temporäre Lockangebote, begrenzte Anlagebeträge und ungleiche Behandlungen“ von Kunden entschieden, erklärte DKB-Chef Stefan Unterlandstättner. „Stattdessen bieten wir faire Bedingungen für alle.“ Zudem sei der Anlagebetrag unbegrenzt.
Wettbewerb der Banken wird härter
Dass der Bieterkampf um die Spareinlagen der Kunden härter geführt wird prognostizierte Unternehmensberater Oliver Geiseler bereits Anfang des Jahres. „Andere Neobroker wie auch klassische Banken werden erwägen müssen, ebenfalls mit spektakulären Angeboten die eigene Wettbewerbsposition zu verteidigen. Der Kampf um Neukundenwachstum, Einlagen und Marktanteile wird dafür sorgen, dass die Zinswende zum Jahresstart 2023 auch auf der Anlagenseite beim Kunden ankommt“, schrieb er in einem Gastbeitrag.

