Oliver Zastrow (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

Nicht nur auf Tesla & Co. schauen Innovative Trends auch über etablierte Unternehmen spielen

Tesla-Gründer Elon Musk begrüßt Astronauten nach einem Testflug seiner Raumfahrtgesellschaft SpaceX
Tesla-Gründer Elon Musk begrüßt Astronauten nach einem Testflug seiner Raumfahrtgesellschaft SpaceX: Auf disruptive Trends setzen nicht nur Start-ups. | Foto: imago images / ZUMA Wire
Oliver Zastrow, Foto: Albrecht, Kitta & Co.

Fast überall in der Wirtschaft finden mittlerweile nachhaltige Disruptionen statt – ob man den Begriff nun mag oder nicht. Im Automobilsektor führt in den kommenden Jahren kein Weg an Elektroautos vorbei. Unbestrittener Pacemaker ist hier der amerikanische E-Auto-Pionier Tesla. Als vielfach belächeltes Start-up ist das Unternehmen mittlerweile vor allem bei der Batterie und der Vernetzung technologisch weltweit führend. Die Börsianer honorieren diesen Vorsprung mit einer Marktkapitalisierung von rund 630 Milliarden Euro.

Auch ein anderer kreativer Zerstörer kommt aus den USA: Beyond Meat. Als das Unternehmen mit seinen vegetarischen Hamburger-Patties aus Erbseneiweiß vor gut zwei Jahren auf dem deutschen Markt gestartet ist, waren sie bei Lidl umgehend ausverkauft. Die Szenen vor und in den Discounter-Märkten erinnerten an Applestores, wenn dort ein neues iPhone angeboten wird. Beyond Meat ist an der Börse immerhin circa sechs Milliarden Euro wert.

Andere Start-ups, die in der Lebensmittelbranche Innovationen wie In-Vitro-Fleisch, also Fleisch aus dem Labor, oder künstlich hergestellte Milch vorantreiben, sind noch nicht an der Börse notiert. Doch außerbörsliche Finanzierungsrunden weisen auch bei diesen Unternehmen auf ausgesprochen hohe Bewertungen hin.

Weltraumbranche vorm Abheben 

Wie in der Lebensmittelbranche finden auch in der Raumfahrt gleich mehrere innovative und nachhaltige Veränderungen statt. Mittlerweile dominieren nicht mehr staatliche Konzerne, sondern private Unternehmen die Flüge ins All. Die bekannten Namen lauten hier SpaceX von Elon Musk, Blue Origin von Jeff Bezoz und Virgin Galactic von Richard Branson. Auch diese Firmen sind „leider“ nicht börsennotiert – zumindest nicht die beiden zuerst genannten.

Dasselbe gilt für die verschiedenen Start-ups, die an Flugtaxis arbeiten. Hier mischen mit Volocopter und der seit Kurzem börsennotierten Lilium auch zwei deutsche Firmen mit. Auch der Bereich Satelliten verändert sich rasant. Hier geht die Entwicklung dahin, dichte Netze mit sehr vielen, dafür aber kleineren und deutlich preiswerteren Satelliten in vergleichsweise geringer Flughöhe aufzubauen. Diese können dann beispielsweise für das autonome Fahren von Autos gewissermaßen die Infrastruktur bilden. 

Eine weitere Branche, in der sich tiefgreifende Umbrüche abspielen, ist die Energiegewinnung. Hier könnte sich Wasserstoff als klimaneutraler Gamechanger erweisen, wenn er mit Solar- oder Windenergie erzeugt wird. Das alte Geschäftsmodell der Förderung von Kohle, Öl oder Gas dürfte sich als Auslaufmodell erweisen.

Nicht ganz einfach investierbar

Die Krux für Anleger ist, dass viele dieser Innovationstreiber noch nicht an der Börse notieren und somit für das Gros der Privatanleger nicht zu kaufen sind. Und die Firmen, die einen IPO bereits vollzogen haben, kommen auf Börsenbewertungen, die nicht unbedingt zum Kauf einladen. Beispiel Tesla: Das Unternehmen erzielte 2020 einen Umsatz von umgerechnet 26,7 Milliarden Euro. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt somit bei fast 24. Bei vielen Firmen gilt bereits ein Kurs-Gewinn-Verhältnis in dieser Höhe als teuer. Bei Beyond Meat sieht es ähnlich aus. Der Hersteller pflanzlicher Fleischersatzprodukte kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von umgerechnet 344 Millionen Euro. Der Börsenwert liegt bei mehr als dem 17-Fachen.

Vor diesem Hintergrund sollten sich Anleger auch etablierte Unternehmen anschauen, die bei den großen Megatrends stark positioniert sind. Volkswagen verkauft beispielsweise mittlerweile in Europa schon mehr Elektroautos als Tesla, obwohl der Konzern hier erst im vergangenen Herbst mit dem ID.3 an den Start gegangen ist. Oder Nestlé. Der Schweizer Lebensmittel-Konzern hat mit Gourmet Garden eine Marke im Angebot, die mit ihren pflanzlichen Produkten in direkter Konkurrenz zu Beyond Meat steht.

Erfahrungsgemäß setzen Börsianer gerne auf Trends und Momentum, was für Aktiengesellschaften wie Tesla und Beyond Meat spricht. Es ist aber auch klar, dass diese Innovationstreiber immer mehr Konkurrenz bekommen. Die großen Autokonzerne bringen jetzt ein E-Auto nach dem anderen auf den Markt und greifen direkt Tesla an. Dazu kommen noch weitere Start-ups wie Lucid oder Nio. Und bei Discountern wie Lidl oder Aldi gehören mittlerweile auch vegetarisches Hamburger-Patties oder pflanzliches Hackfleisch zum Standard-Angebot.

Je mehr Tesla, Beyond Meat und Co. ihre Alleinstellungsmerkmale verlieren, desto mehr sollten sich langfristig ihre Börsenwerte und die Marktkapitalisierung von etablierten Konkurrenten wie VW oder Nestlé angleichen.


Über den Autor:
Oliver Zastrow arbeitet als Direktor beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg.

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