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Ins Netz gegangen: Daten zu Steueroasen online

Stürmische Zeiten für Steueroasen.
Quelle: gettyimages
Stürmische Zeiten für Steueroasen. Quelle: gettyimages
Das Journalisten-Netzwerk ICIJ hat enorme Mengen brisanter Daten über Steueroasen öffentlich zugänglich ins Internet gestellt. Die Vereinigung besitzt die Daten bereits seit Anfang 2012l. Nachdem man sie entschlüsselt hatte, verteilte sie die lesbaren Daten an 86 Journalisten aus 46 Ländern. Das Datenleck gibt Aufschluss über etliche Anleger, die ihr Vermögen illegal in Offshore-Zentren verwalten (lassen), also ohne die zuständigen Behörden darüber informiert zu haben. Unter den über 100.000 Namen sind neben vermögenden Einzelpersonen auch Regierungsmitglieder und deren Familienangehörige, sowie einige Waffen- und Drogenhändler.

Ohne die Infrastruktur internationaler Banken, wäre das nicht möglich gewesen: Große Institute wie die Deutsche Bank oder UBS haben jedoch das Aufsetzen und die Verwaltung von Fonds in Offshore-Zentren regelmäßig und offen als Dienstleistung angeboten – allerdings ohne sich dabei strafbar zu machen. Wer sein Vermögen nicht dort erwirtschaftet hat, wo er es anlegt, muss das Einkommen der jeweiligen Steuerbehörde melden. Wie jeder andere auch. Strafbar macht sich also zunächst nur der Kunde.

Die internationale Politik gibt sich nun alle Mühe, geschickt zu reagieren, und setzt das Thema Steueroasen auf die Agenda. Großbritanniens Premier David Cameron will gleich das Bankgeheimnis wortwörtlich „hinwegfegen“. Die meisten Offshore-Zentren liegen in Commonwealth-Staaten. Das war allerdings bereits vorher bekannt. Mit seinen Aufräumarbeiten beginnt Cameron also am besten vor der eigenen Haustür. Der am Montag beginnende G8-Gipfel soll sich jedenfalls ganz um die Bekämpfung von Steuervermeidung und –hinterziehung drehen. Und auch die G20 werden sich dem Thema widmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in ihrer wöchentlichen Videobotschaft, dass das G8-Treffen „ein Ansporn für Regelungen sei, die auch von den G20-Staaten komplett übernommen werden“ könnte. Global verbindliche Regeln zu schaffen, sei eine der großen Aufgaben der internationalen Staatengemeinschaft.
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