Frachtcontainer aus der Vogelperspektive: Anleger der P&R zahlten für Container, die es nur auf dem Papier gegeben haben könnte. | © Tom Fisk Foto: Tom Fisk

Insolvenzfall

Wie geht es jetzt weiter für P&R-Anleger?

„Die Gerüchte haben sich bestätigt“, berichtet der auf Beteiligungen spezialisierte Wirtschaftsjournalist Stefan Loipfinger aus Rosenheim auf seinem Informationsportal Investmentcheck: P&R-Gründer Heinz R. ist am 14. Dezember verstorben. Weil er aufgrund einer schweren Krankheit als dauerhaft verhandlungsunfähig galt, war der damals 76-Jährige im Juli vorigen Jahres aus der Untersuchungshaft entlassen worden. 

In der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim saß er seit September 2018 wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug in 414 Fällen sowie Steuerhinterziehung in zwölf Fällen. Den Schaden aus diesen Geschäften schätzte die Staatsanwaltschaft auf rund 18 Millionen Euro. Der Angeklagte schwieg zeitlebens zu den Vorwürfen, für die ihm bei einer Verurteilung eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren gedroht hätte. 

Verdacht auf „Schneeballsystem“ 

Guido Lenné, Anwaltskanzlei Lenné

Der Verstorbene galt als einer der Hauptverantwortlichen im Anlageskandal bei P&R, erklärt Guido Lenné. Der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht aus Leverkusen vertritt geschädigte Kleinanleger pleitegegangener P&R-Vertriebsgesellschaften. „Im Zuge eines Schneeballsystems wurden die neu eingenommenen Gelder für die Container genutzt, um laufende Verbindlichkeiten gegenüber Altanlegern zu begleichen.“ 

„Tausende von Anlegern hatten insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro in Container investiert, von denen ein Großteil, wie heute bekannt ist, gar nicht existierte“, schreibt Rechtsanwalt Lenné in einem aktuellen Beitrag auf seiner Internetseite weiter. Neben Heinz R. zählten demnach auch die langjährigen Geschäftsführer Werner F. und Wolfgang S. zu den Verdächtigen im Betrugsfall P&R. Doch alle drei ehemaligen P&R-Verantwortlichen sind jetzt verstorben. 

3 ehemalige Verantwortliche tot 

„Das bedeutet, dass ihre strafrechtliche Schuldfrage nicht mehr vor Gericht geklärt werden kann“, erklärt Lenné. „Die Staatsanwaltschaft ermittelt jedoch aktuell noch gegen weitere Verdächtige.“ Ebenso läuft das Insolvenzverfahren über das Privatvermögen des Firmengründers weiter, bestätigte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Miguel Grosser auf Anfrage: Das Gericht hat das Verfahren in ein Nachlassinsolvenzverfahren überführt. 

Rechtsanwalt Grosser bleibe als zuständiger Insolvenzverwalter im Amt. Für die Gläubiger ändere sich dadurch nichts, so der Sprecher weiter. „Es sind diesbezüglich keinerlei Erklärungen oder Handlungen erforderlich.“ Das in Beschlag genommene Privatvermögen umfasst laut Medienberichten Immobilien am Firmensitz im Münchener Vorort Grünwald, Österreich sowie auf der Karibikinsel St. Barth und wird auf 12 bis 13 Millionen Euro geschätzt. 

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