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Institutioneller Investor erklärt So können wir höhere Aktienquoten als unsere Wettbewerber fahren

Jörg Löschen, Leiter Kapitalmarktstrategie bei Hansainvest hanseatische Investment: „Wer weniger verliert, muss auch weniger gewinnen“.

Jörg Löschen, Leiter Kapitalmarktstrategie bei Hansainvest hanseatische Investment: „Wer weniger verliert, muss auch weniger gewinnen“.

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Die Kirschen in Nachbars Garten

Vor einigen Jahren, es war mitten in der Finanzmarktkrise und nur wenige Wochen vor Jahresende, beneidete eine auf dem Weihnachtsmarkt in der Kälte zusammenstehende Gruppe institutioneller Investoren über einem Glas Glühwein den gemeinen Privatanleger. Denn der müsse sich nicht um Bilanzstichtage scheren. Ergo könne er stoisch an qualitativ einwandfreien Aktien festhalten und Buchverluste aussitzen. Und er könne sich mangels behördlicher Aufsicht über seine Risikobudgets hinwegsetzen, um in zusammengebrochenen Märkten auf Schnäppchenjagd zu gehen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass zur gleichen Zeit auf einem anderen Weihnachtsmarkt eine Gruppe von Privatanlegern ebenfalls bei einem Glas Glühwein zusammenstand und darüber lamentierte, dass institutionelle Anleger viel besser dran seien. Schließlich hätten diese Zugriff auf ein Heer von Analysten und würden deshalb dramatischen Kurseinbrüchen in großen Teilen ausweichen können. Zudem könnten sie Bilanzen besser lesen und verstünden ergo, welche Aktien es zu erwerben lohne.

Bei allen Vermutungen über die Qualitäten und Möglichkeiten der jeweils anderen Investorengruppe: Am Ende des Tages eint die beiden mehr, als sie trennt. Dazu gehört auch die Aversion gegenüber Verlusten im eigenen Aktiendepot, mögen diese nur in den Büchern stehen oder gerade realisiert worden sein. Diese Abneigung ist emotional bedingt – der Mensch verliert halt nicht gerne. So leidet der Anleger dreimal so stark unter Verlusten, als er sich über Gewinne freut.

„Wer zunächst 25 Prozent verliert, muss später 33 Prozent gewinnen“

Die Aversion ist aber auch mathematisch nachvollziehbar: Denn wer zunächst 25 Prozent verliert, muss später 33 Prozent gewinnen. Und doch – oder deshalb? – wird in beiden Gruppen zeitweise mehr über die Maximierung von Renditen als über die Minimierung von Risiken gesprochen.

Als Tochter eines Versicherers gehören wir unzweifelhaft zur Gruppe der institutionellen Anleger. So wissen wir um die Notwendigkeit, Risikobudgets einzuhalten. Und der eine oder andere Kollege schielt zugegebenermaßen in stürmischen Zeiten neidvoll auf die Freiheiten eines Privatanlegers. Aber Jammern und Klagen hilft nichts.