Wefox, Cogitanda, Element – die schlechten Nachrichten aus der Insurtech-Szene rissen in den vergangenen Monaten nicht ab. Doch sind die Gründe für Misserfolge und die Geschäftsmodelle so unterschiedlich in einem ansonsten funktionierenden Markt, dass man von Einzelfällen sprechen könnte?

Einzelfälle oder systematischer Missstand? 

Dagegen spricht, dass sich viele Phänomene und Versprechungen über das Feld der digitalen Marktteilnehmer wiederholen – sei es der übergroße Anspruch, den Markt zu revolutionieren, waghalsige Millionen-Finanzierungen, eine vermeintliche Technikführerschaft, nie dagewesene Kundenerfahrungen oder die ständige Ankündigung, vor der Gewinnschwelle zu stehen. 

Um ein besseres Bild der Unternehmenslandschaft zu zeichnen, wollte DAS INVESTMENT wissen, wie es bei den größten und bekanntesten Marktteilnehmern um das Selbstverständnis bestellt ist, wie es derzeit in Sachen Geschäftsentwicklung und Strategien für das Jahr 2025 aussieht oder auch wie sie die Marktentwicklung der Insurtechs in Deutschland im Angesicht der aktuellen Krise bei Element bewerten. 

Wefox 

Wefox wurde 2015 in der Schweiz gegründet. Das Unternehmen startete als digitale Plattform zur Verwaltung von Versicherungspolicen und expandierte schnell. Bereits 2017 war Wefox in Deutschland, der Schweiz und Österreich aktiv. 2018 begann man unter der Marke One eigene Versicherungsleistungen anzubieten. Das Versicherungsgeschäft wurde über die Wefox Insurance mit Sitz in Liechtenstein abgewickelt, während der operative Hauptsitz sich in Berlin befand. 2022 stieg die Bewertung auf schier unglaubliche 4,5 Milliarden US-Dollar.

2024 beispiellos viele Negativschlagzeilen

Doch echter geschäftlicher Erfolg blieb aus. 2023 stand ein Verlust nach Steuern von 141 Millionen Euro in den Büchern. Vergangenes Jahr platze dann die Bombe: Gründer Julian Teicke musste gehen, um den neuen Chef Mark Hartigan entbrannte ein öffentlich ausgetragener Machtkampf, auch wegen angeblicher Interessenkonflikte, Altinvestoren schossen Geld nach, Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer lehnte einen Einstieg als neuer Verwaltungsratsvorsitzender ab.

Ex-Top-Manager der Allianz soll die Wende bringen 

Der EX-Chef des Industrieversicherers der Allianz, Joachim Müller, übernahm und die Branche staunte, dass der begehrte Manager zu einem krisengeschüttelten Insuretch ging. Müller scheint seitdem den schon im Sommer beschlossen Kurs eines radikalen Schrumpfkurses fortzusetzen.

Joachim Müller
Neuer Wefox-Chef Joachim Müller, © wefox

Zu seinem Start gab er sich wortkarg und ließ lediglich verlauten: „Gemeinsam mit dem Team werden wir uns nun darauf konzentrieren, die richtigen Grundlagen für die Skalierung unseres Geschäfts in Europa zu schaffen. Unsere zukünftige Strategie basiert auf einem starken Leistungsangebot für unsere Kunden und vertrauensvollen Beziehungen zu unseren Vertriebs- und Versicherungspartnern.“

Nicht zum Kerngeschäft gehörende Vermögenswerten wurden abgebaut, viele Führungskräfte mussten gehen, die Technologiezentren in Spanien und Frankreich wurden geschlossen. Im Dezember 2024 kam es zum angekündigten Verkauf der Versicherungstochter Wefox Insurance an eine Gruppe Schweizer Investoren. Neues geschäftliches Ziel ist es, als reine Tech-Plattform Versicherungsgesellschaften, Makler und Kunden zu vernetzen.

Keine Antworten zu aktuellen Fragen

Das Unternehmen beantwortete die Fragen von DAS INVESTMENT nach konkreten Plänen für 2025, eigenen Errungenschaften für den Markt, einem zeitlichen Horizont für die Gewinnerwartung oder nach einer Bewertung des Marktumfeldes für Insurtechs nicht. Stattdessen verwies ein Sprecher auf den Rückzug aus dem deutschen Versicherungsmarkt und die strategische Neuorientierung.

Getsafe

Der Neo-Versicherer Gefsafe aus Heidelberg äußert sich zur aktuellen Marktentwicklung auf Anfrage von DAS INVESTMENT nicht, sondern spricht von einer riesigen Chance für das das eigene Unternehmen. Ein Sprecher schreibt: „Nachdem sich Luko, Wefox, Friday, Element, Iptiq und Mailo vom Markt zurückgezogen haben, ergibt sich für uns eine hoch attraktive Marktlücke, die wir besetzen können. 

Klare Abgrenzung vom Wettbewerb in der Außendarstellung

Man habe dank eines hybriden Geschäftsmodells als Versicherer und Assekuradeur stets sehr kapitaleffizient operiert. Möglich sei dies nur deswegen gewesen, weil „wir Dinge anders gemacht haben als unsere Wettbewerber.“ Man generiere durch einen klaren Zielgruppenfokus Neu- und kein Wechselgeschäft.

Christian Wiens, Mitgründer und Geschäftsführer Getsafe
Christian Wiens, Mitgründer und Geschäftsführer
von Getsafe, @ Getsafe

Tatsächlich stimmten die zuletzt vermeldeten Zahlen und Prognosen optimistisch. Im ersten Halbjahr 2024 konnte der hauseigene Versicherer ein positives Nettoergebnis verzeichnen, berichtete im Sommer Firmenchef und Mitbegründer Christian Wiens im „Handelsblatt“. Den vorläufigen Gewinn habe der hauseigene Versicherer durch die hohe Automatisierungsquote im Kundenservice und in der Schadenregulierung erzielt.

Im reinen Versicherungsgeschäft 2024 erstmals in der Gewinnzone

Nun teilt das Unternehmen auf Anfrage von DAS INVESTMENT mit, dies auch für das ganze Jahr 2024 geschafft zu haben, ohne Zahlen zu nennen. „Wir konnten bereits 2024, trotz weiter sehr dynamischen Wachstum auf der Beitragsseite, ein positives versicherungstechnisches Ergebnis erzielen“, schrieb ein Sprecher. Die Verlustquote liege „deutlich unter dem Marktdurchschnitt im Digital- beziehungsweise Insurtech-Geschäft.“

Für das Gesamtunternehmen rechnete man im Sommer weiterhin noch mit einem niedrigen siebenstelligen Verlust für das abgelaufene Jahr. Wiens kündigte an, die Gewinnschwelle 2025 erreichen zu wollen. Im Jahr 2023 verzeichnete Getsafe noch einen Verlust von rund 1,4 Millionen Euro.

Das Wachstum zumindest war zuletzt beträchtlich: Die gebuchten Bruttobeiträge der Getsafe Insurance stiegen von 6,52 Millionen Euro Ende 2022 auf 21,02 Millionen Euro ein Jahr später. Der Vertragsbestand wuchs in derselben Zeit von knapp 148.000 Policen auf fast 421.000 Verträge.

Wandlungsfähige Unternehmensgeschichte in zehn Jahren

Getsafe startete 2015 als digitaler Versicherungsmakler mit einer App zur Verwaltung von Versicherungspolicen. 2019 begann der strategische Wandel zum eigenen Versicherungsanbieter in Kooperation mit Munich Re, 2021 erhielt Getsafe die Bafin-Lizenz für Schaden- und Unfallversicherungen. Zwischenzeitlich expandierten die Heidelberger nach Großbritannien

Im Jahr 2024 erweiterte Getsafe sein Geschäftsmodell durch die Übernahme des deutschen Portfolios von Luko Insurance und die Einführung eines „Carrier-as-a-Service“-Angebots für externe Assekuradeure. Im Sommer 2024 scheiterte wiederum die Übernahme des Konkurrenten Friday am Veto von dessen Eigentümer Baloise.

Technologie ist bei Getsafe alles

Getsafe versucht sich technologiegetriebener Versicherer zu positionieren, der sich auf Digital Natives und Millennials konzentriert. Hier bezeichnet sich das Insurtech als „Marktführer“. Man sei der einzige „Mobile-First Versicherer“ in Deutschland und Europa. Durch diesen Kundenzugang habe man einen Datenzugang der umfangreicher ist als der von deutlich größeren Versicherern.

Anzeige
Bankenviertel in Frankfurt
Wachstums- und dividendenstark
Warum Banken und Versicherer 2025 die Top-Performer an den Aktienmärkten sind
Stabilität, Bewertungsvorteile und Wachstumstreiber machen den Finanzsektor 2025 zum globalen Top-Sektor, erläutern die Experten der Fürstlich Castell’schen Bank.
Jetzt lesen
Anzeige
Bankenviertel in Frankfurt
Wachstums- und dividendenstark
Warum Banken und Versicherer 2025 die Top-Performer an den Aktienmärkten sind
Stabilität, Bewertungsvorteile und Wachstumstreiber machen den Finanzsektor 2025 zum globalen Top-Sektor, erläutern die Experten der Fürstlich Castell’schen Bank.
Jetzt lesen

„Das gibt uns bereits heute ein großen Vorsprung in der Anwendung künstlicher Intelligenz, beispielsweise in der automatisierten Schadenberarbeitung oder hochgradig individualisierten Kundenansprache“, so der Getsafe-Sprecher. 

2025: Fokus auf Prävention und Lebens- und Krankenversicherung

Für das aktuelle Geschäftsjahr ist aus einer Pressemitteilung des Unternehmens aus dem August des Vorjahres bekannt, dass das Unternehmen plant, sein Geschäft in der Lebens- und Krankenversicherung weiter auszubauen und einen verstärkten Fokus auf Prävention zu legen, indem es Technologie und aktives Kundenverhalten nutzt, um Kunden zu belohnen, die Risiken aktiv reduzieren.

Auf Nachfrage von DAS INVESTMENT zu den Plänen heißt es aktuell aber lediglich, dass sich bei Getsafe weiter alles um Technologie drehe, in die man weiter investieren wolle, zum Beispiel in der Erhebung und Analyse von Daten und in die Anwendung von Künstlicher Intelligenz. „Wir (...) fokussieren uns weiterhin auf ein junges Kundensegment mit hohem Wachstumspotenzial.“

Neodigital

Ein Insurtech aus der ersten Reihe, bei dem die Verluste noch sehr hoch sind, ist Neodigital. Trotz des starken  Wachstums und strategischer Partnerschaften kämpft das Unternehmen immer noch mit hohen Investitionskosten. Und obwohl das Wachstum bei den Bruttobeiträgen im Geschäftsjahr 2023 rund 20 Prozent betrug, verzeichnete das saarländische Unternehmen einen höheren Verlust als erwartet. Neodigital führte dies auf eine Konsolidierung des Versicherungsbestands, teilweise aufgrund der Portfolioübertragung eines Vertriebspartners, und auf Verzögerungen bei der Einführung neuer Produkte zurück.

Letztlich wurde beim versicherungstechnischen Ergebnis ein Verlust von 12,39 Millionen Euro erzielt. Der Jahresfehlbetrag lag gar bei 18,95 Millionen Euro. 

Positive Entwicklung 2024 – aber weiter rote Zahlen

Gegenüber DAS INVESTMENT sagte der Vorstandsvorsitzende Stephan Voss, dass man 2024 trotz eines starken Wettbewerbs und einer weiter anziehenden Schadeninflation ein sehr gutes Gesamtergebnis eingefahren haben, nannte aber keine Zahlen. Neodigital habe vor allem auch im Kfz-Segment bei Beiträgen und Kunden zulegen können, liege insgesamt jetzt deutlich über 500.000 Kunden.

Gründer und Neodigital-Chef Stephan Voss
Foto: Neodigital

Gewinne bleiben indes ein Fernziel: „Unser Ziel ist es, innerhalb der kommenden drei Jahre diesen weiteren Meilenstein in der Entwicklung der Neodigital überschritten zu haben“, so Voss.

Einer der Investoren: Carsten Maschmeyer

Das Insuretch wurde 2017 gegründet und erhielt bereits 2018 die Bafin-Lizenz für das Versicherungsgeschäft. 2020 stieg Finanzinvestor Carsten Maschmeyer über seine Risikokapitalfirma Alstin Capital mit einem hohen einstelligen Millionenbetrag bei Neodigital ein. Im selben Jahr begann Neodigital mit White-Label-Kooperationen.

Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „Versicherungsfabrik“. „Unsere Geschäftskunden nutzen unser digitales Modell, also unsere entwickelten Konzepte und Strukturen sowohl als White-Label Versicherungsplattform als auch für ausgewählte technische Anwendungen“, heißt es gegenüber unserer Redaktion.

Kooperation mit der Huk-Coburg als Meilenstein  

2022 folgte ein Joint Venture mit HDI und die Erweiterung der B2B-Produkte. 2023 startete Neodigital eine gemeinsame Autoversicherung mit der Huk-Coburg. Das Unternehmen sieht gerade diese Kooperation als großen Erfolg auf dem Maklermarkt: „Ich denke gut 100 Mio. Euro Prämie in 18 Monaten nach Markteintritt sprechen hier eine deutliche Sprache“, so der Sprecher.

Zu den weiteren Plänen heißt es: „Wir werden unser in 2024 begonnenes Tarifoptimierungsprogramm weiter fortführen. Dabei beleuchten wir über alle Sparten hinweg sowohl den Leistungsumfang als auch das Tarifgefüge.“ 

Branche habe Regulierung unterschätzt

Zur aktuellen Marktsituation für Insurtechs äußert sich Voss deutlich konkreter als viele Mitbewerber. Bezogen auf die sich anbahnende Element-Pleite sagt er: „Ich denke, es ist fair zu sagen, dass es dadurch sicherlich nicht einfacher wird.“ Die Branche werde zu Recht gut reguliert, was viele Marktteilnehmer unterschätzt hätten. „Einen regulierten Risikoträger aufzubauen und zu führen war noch nie einfach und sollte auch angesichts der Verantwortung, die getragen wird, nie einfach werden.“

Dennoch glaubt Voss nach eigener Aussage an den Versicherungsstandort Deutschland und dessen Innovationskraft. „Daran werden die neuesten Entwicklungen nichts ändern.“ Es passiere weiterhin noch viel neues im Versicherungsmarkt, aber im Gegensatz zu früher eher im Hintergrund, ohne dass Insurtechs laut auf jede einzelnen Neuerung aufmerksam machten.

Vorwürfe eines Insiders 

Ein Branchenkenner äußert sich allerdings kritisch zu Neodigital und sieht in Sachen unprofessioneller Kalkulation und Underwriting Parallelen zum Fall Element. Das Unternehmen habe bis vergangenes Jahr Wohngebäudeversicherungen ohne Antragsfragen nach Vorschäden eingedeckt, um Bestände aufzubauen.

Korrigiert sei dies erst worden, nachdem die Schäden bei einigen Verträgen zu hoch waren. Bei diesen  Verträgen sei entweder deutlich die Selbstbeteiligung erhöht oder die Prämie nach oben angepasst worden.  Es dürfte aber noch viele schlechte Risiken im Bestand geben.

Ottonova

Ottonova wurde 2015 von Roman Rittweger, Sebastian Scheerer und Frank Birzle als hierzulande erste rein digitale Private Krankenversicherung gegründet. Das Unternehmen startete 2017 mit seinen ersten Produkten und erlebte ein schnelles Wachstum.

Digitales Vollsortiment in der PKV 

Trotz anfänglicher Herausforderungen bei der Kundengewinnung konnte Ottonova sich insgesamt Investitionen von über 200 Millionen Euro sichern. Die Münchener bieten neben privaten Krankenvollversicherungen und Zusatzversicherungen auch Software-Lösungen für die Versicherungsbranche an.

Bernhard Brühl, Vorstandsvorsitzender der
Ottonova Krankenversicherung, @ ottonova

Bernhard Brühl, Vorstandsvorsitzender der Ottonova Krankenversicherung sagt: „Bei der Gründung war es unser Ziel, die PKV-Branche im besten Sinne aufzumischen, das Gesundheitswesen digitaler zu machen und die Customer Experience neu zu definieren. Das haben wir erreicht.“ Dem Unternehmen sei ein Mobile-First-Ansatz des gesamten PKV-Angebots in der eigenen App gelungen.

Nach Verlusten 2023 „auf einem sehr guten Weg“

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass der versicherungstechnische Verlust von zuvor 1,82 Millionen Euro weiter auf 2,05 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2023 gestiegen war. Zum vergangenen Jahr äußert sich das Unternehmen gegenüber unsere Redaktion nicht konkret. Brühl: „Ich kann soviel sagen, dass ich mit unserer Geschäftsentwicklung 2024 sehr zufrieden bin.“ Es sei ein wegweisendes Jahr für das Unternehmen gewesen. Man sei in Sachen Profitabilität, „ohne ein konkretes Datum zu nennen (...) auf einem sehr guten Weg“

Zu den Plänen im aktuellen Jahr sagt der Ottonova-Chef: „Wir haben uns 2024 strategisch und produktseitig im Rahmen einer vertrieblichen Kooperation die neue Zielgruppe der sogenannten Expat-Studenten erschlossen beziehungsweise ausgeweitet, die schon einen ordentlichen Beitrag zum Wachstum leistet. Das wollen wir weiter ausbauen und insgesamt natürlich weiter wachsen.“

Element nicht stellvertretend für die ganze Branche

Aus Sicht von Ottonova ist es ein anspruchsvolles Vorhaben ein Insurtech zu gründen, zudem heutzutage noch einmal komplexer als bei vor acht Jahren im eigenen Fall. „Die drohende Insolvenz von Element ist für die Branche natürlich kein gutes Signal. Jetzt aber alle Insurtechs in ,Sippenhaft' zu nehmen, ist der falsche Ansatz“, so Brühl.

Clark

Das Insurtech Clark verzeichnete im Jahr 2023 ein Umsatzplus von 35 Prozent auf über 135 Millionen Euro. Dabei erzielte das Unternehmen erstmals seit seiner Gründung im Jahr 2015 ein positives operatives Ergebnis. Allerdings machte das Unternehmen keine genauen Angaben zur Höhe des erzielten Gewinns.

Hohes Gewinnziel für 2024  

Clark-Vorstandsvorsitzender Benedikt Kalteier
Foto: CLARK

Clark plante, den Gewinn im Jahr 2024 zu verdoppeln. Ob das gelungen ist, ist bisher unklar. Der Vorstandsvorsitzende Benedikt Kalteier sagt gegenüber DAS INVESTMENT: „Bereits heute können wir sagen, dass wir uns bei den meisten operativen Kennzahlen deutlich verbessern konnten. Im Jahr 2024 haben wir entscheidende Fortschritte auf unserem Weg zu Europas führendem Insurtech erzielt.“

Kundenanzahl übertrifft andere Insurtechs

Clark wurde 2015 in Frankfurt gegründet. Das Insurtech startete 2016 mit einer App zur digitalen Versicherungsverwaltung. Nach anfänglichen Herausforderungen gelang es Clark, strategische Partnerschaften zu schließen und Investoren zu gewinnen. Über Finanzierungsrunden und Investitionen sammelte das Unternehmen insgesamt 170 Millionen Euro ein. 2021 erfolgte der Zusammenschluss mit der Finanzen Group.

Heute betreut Clark nach eigenen Angaben über 700.000 Kunden, hat 600 Mitarbeiter und expandierte bisher in weitere vier europäische Märkte. 

Kalteier sagt: „Wir haben bewiesen (...), dass das Konzept ,Insurtech' nachhaltig funktionieren kann, indem wir uns gegen zahlreiche Wettbewerber am Markt durchgesetzt haben.“ 2025 liege der Fokus darauf, die  Serviceleistungen beim Produktabschluss, Wechsel und im Schadensfall zu erweitern. Zusätzlich plant Clark nach eigenen Angaben für das Jahr den „breiten Roll-out unserer App-Lösung in Großbritannien“.

Kein Vergleich mit Element

Auf die DAS-INVESTMENT-Frage nach dem aktuellen Marktumfeld betont Clark, dass das eigene Geschäftsmodell nicht dem von Element vergleichbar sei, da man sehr unterschiedliche Bereiche der Versicherungsindustrie bediene. 

„Die zunehmende Konsolidierung am Insurtech-Markt ist jedoch ein Trend, den wir europaweit beobachten und der auf eine Reihe von verschiedenen Faktoren zurückzuführen ist, wie etwa eine schwache Konjunktur, zunehmende Regulatorik und einen erhöhten Wettbewerbsdruck. Das aktuelle Markt- und Investorenumfeld stellt die Wettbewerber und Neugründungen auf den Prüfstand“, sagt Kalteier.

Man sei aber überzeugt, dass Clark auch im aktuellen Marktumfeld sehr erfolgreich weiter wachsen wird. Man stelle sich durch das Produktportfolio sowie strategischen Partnerschaften breit auf, um Risiken durch Abhängigkeiten zu minimieren. 

Hepster

Hepster ist als Asskuradeur von der Element-Krise am direktesten betroffen. 2023 wurde die Zusammenarbeit beider Unternehmen groß verkündet. Damals hieß es: „Die gemeinsame Nutzung von Technologieplattformen und Datenquellen steigert die Effizienz und reduziert Entwicklungskosten. Gleichzeitig können umfangreiche Datensätze unterschiedlicher Anbieter kombiniert werden, um fundiertere sowie datenschutzkonforme Einblicke in Risiken und Kundenverhalten zu erhalten, was zu genaueren Prämien und besseren Versicherungspaketen führt.“

Element-Pleite angeblich ohne Folgen für Kunden 

Mit Bekanntwerden des vorläufigen Insolvenzverfahrens versucht Hepster allerdings den Eindruck zu erwecken, Element spiele für das eigene Unternehmen und die Kunden kaum eine Rolle. Die drohende Insolvenz habe keinerlei Auswirkungen auf den Versicherungsschutz von Kunden oder die Zusammenarbeit mit Partnern von Hepster, heißt es. Element sei nur einer von elf Risikoträgern gewesen. Unklar ist allerdings, um welches Produkt es sich überhaupt handelt und wer der neue Risikoträger dafür ist.

Die Hepster-Gründer: Hanna Bachmann, Christian Range
(m.) und Alexander Hornung, @ hepster 

Das es zu einer Marktsituation mit derartigen Auswüchsen wie beim einstigen Partner Element kommen konnte, begründet Hepster mit sehr allgemeinen Entwicklungen – von der der Wirtschaftskrise, über mehrfache Strategiewechsel im Venture Capital-Markt (von reinem Wachstum zu Profitabilität und wieder zurück) bis hin zu zunehmenden regulatorischen Anforderungen an Insurtechs in Deutschland

Geschäftsmodell auf Embedded Insurance ausgerichtet

Hepster wurde als Marke von Moinsure in Rostock 2016 gegründet. Das Unternehmen fokussiert sich auf digitale Lösungen für Embedded-Insurance-Angebote, insbesondere in Bereichen wie Fahrrad- und Tierversicherungen. Die Anfangsphase war herausfordernd, da es 18 Monate dauerte, mit der Gothaer einen ersten Versicherungspartner zu finden. Trotz dieser Schwierigkeiten gelang es Hepster, kontinuierlich zu wachsen. 2023 erhielt Hepster in einer Finanzierungsrunde zehn Millionen Euro an frischem Kapital.

Mitgründerin Hanna Bachmann sagt gegenüber DAS INVESTMENT: „Wir haben es in den letzten acht Jahren geschafft, das Thema Embedded Insurance aus einer unbekannten und belächelten Nische herauszubringen und zu einer Art Standard im Versicherungsmarkt (B2B2X) zu machen.“ 

Was aktuelle Pläne angeht, geht es nach Unternehmensangaben „um den Eintritt in neue Märkte innerhalb und außerhalb Europas sowie die Festigung der Skalierbarkeit eigener IT-Systeme und Produktlandschaften im Fokus auf die Mobilitätsbranche und die Elektronikbranche“.  

Gewinne erst in knapp zwei Jahren erwartet

Was die geschäftliche Performance angeht, gibt sich das Insurtech ausgesprochen zugeknöpft. Man gebe keine  Unternehmenszahlen nach außen, so sind auch Umsatz oder Gewinn für das Geschäftsjahr 2023 unbekannt. Zu 2024 sagt Bachmann: „Wir sind trotz der multiplen wirtschaftlichen Krisen, die auch unsere Partner schwer getroffen haben, zufriedenstellend einen hohen zweistelligen Prozentsatz gewachsen.“

Dabei dürfte das Unternehmen weiter Verluste schreiben, denn zum Erreichen der Gewinnschwelle heißt es weiter: „Abhängig von den Investitionen in den kommenden Monaten, allen voran Eintritte in neue europäische Märkte gemeinsam mit unseren B2B-Partnern, gehen wir von einem Break Even Ende kommenden Jahres aus.“