Insurtech-Sterben „184 Start-ups mussten den Betrieb einstellen“

Michael Klüttgens, Willis Towers Watson

Die weltweiten Investitionen in Unternehmen der sogenannten Insurtech-Branche beliefen sich im vorigen Jahr auf eine Summe von 6,37 Milliarden US-Dollar. Das entspricht rund einem Drittel aller Gesamtinvestments in die Fintechs der Versicherungsbranche seit 2012. Allein das vierte Quartal 2019 trägt mit Finanzierungszusagen von rund 2 Milliarden US-Dollar verteilt auf 75 Transaktionen maßgeblich zu diesem Höchststand bei, berichtet aktuell das weltweit aktive Beratungshaus Willis Towers Watson (WTW).

„Neben dem weiter rasanten Anstieg der Investitionen war das Insurtech-Jahr 2019 insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass sich einzelne Startups zu klaren Marktführern in ihren Segmenten entwickelt haben“, sagt Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei WTW Deutschland. „Allerdings gibt es nicht nur Erfolgsgeschichten: Wir haben in den vergangenen drei Jahren 184 Start-ups gezählt, die den Geschäftsbetrieb einstellen mussten, vermuten aber, dass wir hier nur die Spitze des Eisbergs sehen.“

Gesamtzahl der Investitionen von (Rück-)Versicherern im Vergleich zu Risikokapitalfonds nach Anzahl der Transaktionen Quelle: Willis Towers Watson

Nicht nur bezüglich der Gesamtinvestitionen sticht das vergangene Jahr hervor, auch die einzelnen Finanzierungsrunden haben sich verteuert. „Alleine im vierten Quartal 2019 haben wir vier Finanzierungsrunden über 100 Millionen US-Dollar gezählt“, erklärt Niki Winter. Er arbeitet als Director und Experte für das Thema Digitalisierung bei Willis Towers Watson. „Die Anzahl der Finanzierungsrunden über 40 Millionen US-Dollar hat sich von 13 in 2017 auf 38 in 2019 nahezu verdreifacht.“

Ein einziges deutsches „Einhorn“

Eine Konsequenz dieser Entwicklung: Im Laufe des vergangenen Jahres haben sich fünf Insurtechs durch verschiedene Finanzierungsrunden zu sogenannten Einhörnern entwickelt. So bezeichnen Branchenbeobachter Start-ups, die mit mehr als 1 Milliarde US-Dollar bewertet werden. Erstmals gehört mit Wefox auch ein deutsches Insurtech in diese Kategorie. Das Berliner Unternehmen will Online-Kunden als „digitaler Marktplatz für Versicherungen“ dienen und arbeitet auch mit Maklern zusammen.

Betrachtet man die Anzahl der Insurtech-Investitionen weltweit, so reiht sich Deutschland laut WTW auf Platz fünf der weltweiten und Platz zwei der europäischen Insurtech-Märkte ein. Neben Wefox konnte mit Ottonova ein weiteres deutsches Insurtech eine signifikante Finanzierungsrunde jenseits der 40-Millionen-US-Dollar-Marke abschließen. Hier spiegeln sich globale Trends auch in Deutschland wider: Alle Transaktionen über der 40-Millionen-US-Dollar-Marke in Deutschland fanden im Jahr 2019 statt.

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