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in SachversicherungLesedauer: 3 Minuten

Nach Ankündigung eines Strategiewechsels Insurtech Wefox lässt zahlreiche Kundenverträge auslaufen

Julian Teicke, Wefox
Julian Teicke: Der 37-jährige Unternehmen ist Mitbegründer von Wefox. Außerdem ist er Investor, Mitgründer und Vorstandsmitglied mehrerer europäischer Tech-Start-ups. | Foto: Wefox

Die Wefox-Gruppe trennt sich von einem großen Teil ihres Versicherungsgeschäfts in Deutschland. Das Insurtech steht unter Druck seiner Geldgeber und will mit einem Strategiewechsel endlich in die schwarzen Zahlen kommen. Dafür konzentriert sich das Unternehmen künftig auf das Vermittlungsgeschäft, den neu gegründeten Assekuradeur und die Technologieplattform, die im kommenden Jahr starten soll.

Dieser Schritt war bereits im August angekündigt worden, obwohl die eigene Versicherungstochter lange zum Stolz von Firmengründer Julian Teicke zählte, zuletzt knapp 200 Millionen Euro Umsatz machte und eine gigantische Bewertung (4,5 Milliarden US-Dollar) erfuhr.

Keine Verlängerung von verlustbringenden Sachversicherungsverträgen

Nun ist klar: Wefox lässt nicht nur das Neugeschäft ruhen, sondern auch zahlreiche Verträge zum Jahresende auslaufen. Das berichtet das Portal „Finance Forward“. Mittlerweile bestätigte auch ein Sprecher des Berliner Insurtech-Unternehmens den Sachverhalt. Das Ganze ist allemal ein ungewöhnlicher Vorgang, denn normalerweise verlängern sich die Verträge jedes Jahr automatisch. Makler und Kunden wurden laut des Berichts bereits informiert, dass die Verträge in der Sachversicherung zum Jahresende auslaufen.

Wefox verneint Kündigungen

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Bei den Vertragsbeendigungen handelt es sich laut Wefox aber ausdrücklich nicht um Kündigungen. Ohnehin würden die auslaufenden Verträge von Haftpflicht-, Hausrat- und Kfz-Versicherungen würden nur „etwas über 10 Prozent“ des Bestands ausmachen. Gerade das Kfz-Kasko-Geschäft erwies sich im Vorjahr mit einer Schadenquote von 172 Prozent als starker Verlusttreiber für die Berliner. Stattdessen wolle man sich auf sogenannte Kurzabsenz-Versicherungen in der Schweiz, Autoversicherungen in einigen Märkten sowie E-Bike-Versicherungen in Deutschland konzentrieren.

Großer Ärger auf Kundenseite

Offensichtlich erfolgte die Mitteilung unternehmensseitig schon vor einiger Zeit. Auf dem Online-Portal „Finanzfluss schreibt ein Betroffener: „Ich habe am 1. September 2023 die erste Mitteilung erhalten, dass die Versicherung zum 31. Dezember 2023 auslaufen würde und ich mich mit Ihrem Unternehmen in Verbindung setzen soll, was ich auch tat, und zwar mehrmals und leider vergeblich. Eine Antwort habe ich auch nach drei weiteren Mails nicht bekommen. Telefonisch hat man überhaupt keine Chance, jemanden bei Ihnen zu erreichen. Ich weiß bis heute nicht, ob ich weiter über Sie versichert bin, oder nicht.“

 

Überhaupt sind 65 Prozent der auf der Seite hinterlegten Bewertungen über Wefox negativ. Viele der unzufriedenen Kundenstimmen haben mit der Schadenregulierung sowie der Inanspruchnahme des Sonderkündigungsrechts durch Wefox zu tun. Das Unternehmen bestreitet allerdings, dass mehr Verträge als üblich aus solchen Gründen gekündigt worden seien. „Es hat einzelvertragliche Kündigungen gegeben, die sich jedoch im branchenüblichen Rahmen bewegen“, so der Sprecher gegenüber „Finance Forward“. 

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