Der Insurtech-Markt stagniert weiter – zumindest quantitativ. Das zeigt eine Auswertung des New Players Network (NPN), einer Initiative des Beratungsunternehmens Versicherungsforen Leipzig. Analysiert wurden nach Angaben der Autoren 177 Insurtechs bis zum 1. September 2025 aus dem DACH-Raum, wobei die Übersicht keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Die Übersicht mit Kurzbeschreibungen der Unternehmen kann hier abgerufen werden.

Nur eine Neugründung 2025 in Deutschland 

Allein in Deutschland betrug die Zahl der Insurechs Ende vergangenen Jahres 139. Ein Wert, der sich jedoch kaum verändert hat in den vergangenen Jahren (Ende 2021: 137) Ein Grund sind die fehlenden Neugründungen. Ihre Zahl ist stark rückläufig. 2024 war es lediglich ein Unternehmen, das den Schritt in den Markt gewagt hat. 

Quelle: Versicherungsforen Leipzig GmbH

Dabei handelt es sich um das noch unbekannte Unternehmen Inca aus Berlin. Das Start-up bezeichnet sich selbst als KI-basierten Schadendienstleister. Konkret sollen dabei derzeit sieben KI-Agenten zum Einsatz kommen, die Prozesse automatisiere und damit die Schadenkosten senken, so zumindest eine Sprecherin der Versicherungsforen Leipzig auf Nachfrage von DAS INVESTMENT. 

Die Lösung ist gegenwärtig für die Sparten Kfz-, Gebäude-, Haftpflicht-, Geräte-/Elektronik- sowie Reise- und Spezialversicherung verfügbar. Die Geschäftsausrichtung dabei soll sowohl B2B also auch B2B2C (Business-to-Business-to-Consumer) sein.

Marktumfeld in fundamentalem Wandel 

Die Entwicklung der Neugründungen ist Ausdruck eines sich drastisch gewandelten Marktumfelds für Insurtechs, die auch von einem getrübtem Wirtschaftsklima betroffen sind. Die Einschätzung der Autoren: „Angesichts einer spürbaren Marktkonsolidierung, zurückhaltender Investoren und wachsendem internationalen Wettbewerb reicht technologische Innovation allein nicht mehr aus.“

Felix Sandt,
@ Versicherungsforen Leipzig GmbH 

Gleichzeitig sei die Zeit der „Gießkannen-Finanzierung“ vorbei. Investoren agierten selektiver und legen den Fokus klar auf Profitabilität und stabile Geschäftsmodelle. „Der Markt wird insgesamt kleiner“, sagt Felix Sandt, Netzwerkleiter des New Players Network. „Einige Start-ups sind vom Markt verschwunden, während sich andere erfolgreich etabliert haben und nun vor neuen strategischen Herausforderungen stehen.“

Internationaler Druck und strategische Kooperationen

Der Wettbewerb verschärfe sich zusätzlich durch den Markteintritt finanzstarker internationaler Player aus den USA und Asien, wie Peak3 oder Resilience, die mit neuen Strategien auf den europäischen Markt drängen, so die Autoren.

„Die Situation erinnert an die Offensive der amerikanischen Big-Tech-Konzerne wie Google und Amazon im Jahr 2018 auf dem heimischen Versicherungsmarkt. Das weckt zugleich Erwartungen und Unsicherheiten“, sagt Sandt. Trotz hoher Markteintrittsbarrieren durch Regulatorik und Sprache sei der Druck spürbar.

Erfolgreiche und gescheiterte Insurtechs 

Auf Nachfrage von DAS INVESTMENT nennen die Versicherungsforen Beispiele, die die Konsolidierung im Markt veranschaulichen. So gab es Anbieter, die ihre Bafin-Lizenz zurückgegeben haben, wie die Digitalversicherer Getsafe (2025), Wefox (2024) und Mailo (2022) oder aber auch gescheiterte Firmen wie Smoope,  Commnex oder Vantik, die allerdings eher der Gruppe der Fintechs zuzurechnen sind. Prominentes Beispiel der Insurtech-Krise ist die Insolvenz der Berliner Element Insurance, der zuvor die Lizenz von der Bafin entzogen wurde.

Erfolgreich etabliert hätte sich dagegen verschiedene Geschäftsmodelle, wie Assekuradeure (zum Beispiel Adam Riese und Hepster), Start-ups im Bereich Schaden- und Leistungsmanagement (Claimflow, Ico Lux) oder auch Tech-Start-ups wie beispielsweise Onpier, Bsurance oder Riskine, so die Sprecherin. 

Erfolgsmodell: Unterstützung der Transformation etablierter Versicherer

Während Künstliche Intelligenz (KI) immer mehr zur Basistechnologie werde, verliere die rein technische Überlegenheit von Start-ups an Differenzierungskraft. Erfolgreiche Insurtechs positionierten sich daher zunehmend als Impulsgeber und Gestalter eines dringend benötigten kulturellen Wandels bei etablierten Versicherern. Sie brächten nicht nur neue Technologien, sondern auch agile Arbeitsweisen und eine kundenzentrierte Denkweise in die Unternehmen. 

 „Diejenigen, die sich allein auf Technologie verlassen, riskieren, im Markt an Relevanz zu verlieren“, so Sandt. Der wahre Mehrwert liege in der Fähigkeit, etablierten Playern bei der Transformation ihrer internen Kultur und Prozesse zu helfen. Als Erfolgsbeispiele nennen die Versicherungsforen Leipzig Unternehmen wie Muffintech, Parloa und Kauz.

Insgesamt liege die strategische Zukunft für Insurtechs in der intelligenten Kooperation. Die Start-ups böten die Agilität und die Innovationskultur, die etablierte Versichere benötigten, während diese Fachwissen, Bestandskunden und finanzielle Schlagkraft einbrächten. Gemeinsam könnten sie neue, kundenzentrierte Geschäftsfelder erschließen und die digitale Transformation der Branche nachhaltig gestalten.