Fallender Engel (Illustration: Manuela Mrohs)

Fallender Engel (Illustration: Manuela Mrohs)

Interessante Nische

Wie Crossover-Rentenfonds Zusatzrenditen erzielen

Auch vor Lehman Brothers gab es Ereignisse, die den Anleihemarkt erschütterten. „Damals mit General Motors und Ford, das war schon ein richtiger Klopfer“, erinnert sich Ernst Konrad vom Münchner Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz.

Am 5. Mai 2005 senkte die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) bei beiden Autoschraubern den Daumen. Sie galten erstmalig nicht mehr als gute Schuldner mit Investment-Grade-Status, sondern als spekulative Schuldner.

Diese Grenze zwischen gut und nicht mehr so gut verläuft zwischen den Stufen BBB und BB, gemessen an der Rating-Skala von S&P und Fitch. Im Fachjargon heißt sie Crossover, zu Deutsch etwa Übergang. Der Markt reagierte damals erschüttert.

Zwei Ikonen der US-Wirtschaft waren zu Fallen Angels (gefallene Engel) geworden, wie der Anleihemarkt solche nach unten durchgereichte Firmen auch nennt. Steigen sie wieder in den Investment Grade auf, heißen sie Rising Stars. Poesie auf dem Börsenparkett.



Ernst Konrad managt den Phaidros Fallen Angels. Fällt ein Engel, hält er seine Hand auf und fängt ihn auf. Wenn’s sich lohnt. Prominente Titel waren darunter: Bombardier, Thyssenkrupp, Hochtief.

Der Fonds ist Teil eines neuen, aber noch zarten Trends, bei dem sich Fondsmanager auf den Crossover werfen. Dessen Charme hängt mit Großinvestoren zusammen. Viele von ihnen müssen ihren Schwerpunkt auf Investment-Grade-Anleihen legen.

Sollte eine davon gefährlich nahe an den Crossover geraten, springen viele aus Angst vor Kursverlusten schon vorher ab, spätestens nach dem Absturz müssen sie. Dann können aber Hochzins-Investoren zugreifen und den Kurs stabilisieren.



Zudem haben die Renten-Experten von Nordea beobachtet, dass selbst innerhalb einer Rating-Stufe die Risikoaufschläge am unteren Ende höher sind als am oberen. So entstehen technisch verzerrte Kurse, die ein findiger Manager nutzen kann.

Vier Crossover-Fonds gibt es in Deutschland derzeit. Allzu groß ist der Markt ohnehin nicht. Der Fallen-Angels-Index von Bank of America Merrill Lynch kommt auf ein Gewicht von 138 Milliarden Euro.

Speziell auf Fallen Angels schaut nur einer: der Phaidros-Fonds. „Wir schauen interessiert hin, sobald eine Rating-Agentur den Daumen senkt“, sagt Ernst Konrad. Dann beobachtet er den Kurs. Wenn es günstig genug ist, greift er nach Schnäppchen.

Der Nordea 1 European Cross Credit wirkt dagegen wie ein angenehm klassischer Rentenfonds, der in den Zonen BBB, BB und B aktiv ist. Im Gegensatz zum weltweiten Phaidros-Fonds ist er jedoch auf Europa begrenzt.

Fondsmanager Jan Sørensen hält Anleihen grundsätzlich bis zum Laufzeitende, falls mit dem Schuldner nichts Schlimmes passiert. Das senkt die Hektik im Portfolio. Indizes interessieren ihn nicht, er wählt nach dem Bottom-up-Ansatz aus.

Auch der Ampega Crossover-Plus Rentenfonds ist auf Europa fixiert und geht dort nach derselben Methode vor. Der Schwerpunkt liegt auf BB-Papieren aus Kerneuropa. Das Fondsmanager-Duo Christian Hendker und Marcus Prella kann Zins- und Schuldnerrisiken separat steuern.

Grundlage sind berechnete Krisenszenarien nach dem Value-at-Risk-Prinzip, die notfalls Alarm schlagen. Als einziger der vier Fonds schüttet der Ampega Crossover-Plus jährlich einen festen Betrag aus, und zwar 3 Prozent des Fondsvermögens.

Der Vierte im Bunde ist der BNY Mellon Crossover Credit. Dessen Manager ist weltweit unterwegs, geht nach Top-down-Prinzip von zwei Marktindizes – für BBB und BB – aus und gewichtet Positionen höher oder tiefer. Der Schwerpunkt liegt im Investment Grade.

Dabei sucht er gezielt nach künftigen Rising Stars und versucht, Fallen Angels zu vermeiden. Die Anlagerichtlinien sehen eine „aktive Allokation“ vor, damit dürfte im Portfolio deutlich mehr los sein als bei Nordea.



Währungsrisiken geht man mit keinem der vier Fonds ein, die enthaltenen Papiere lauten auf Euro. Insgesamt sieht alles nach einem schlüssigen Konzept aus, wenn auch nur für begrenzte Anlagesummen. Mehr gibt der kleine Markt nicht her. Um die Manager beurteilen zu können, ist es noch zu früh. Die Fonds sind einfach noch zu jung.

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