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Internationale Rentenfonds Wie Anleihen-Anleger Währungsrisiken managen können

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Gespaltene Portfolios

Unterschiede auch in den Anlagephilosophien. So taucht beim Nordea 1 Flexible Fixed Income die sogenannte Barbell-Strategie auf. Das verantwortliche Multi-Asset-Team setzt einerseits auf Märkte, die in guten Zeiten laufen, wenn Anleger Lust auf Risiko haben. Dazu gehören vor allem Papiere aus Schwellenländern und Hochzinsanleihen. Das Gegengewicht sollen die bewährten sicheren Häfen liefern: Pfandbriefe, hochwertige Staatsanleihen und Währungen aus den G-10-Ländern.

Ähnliches beim Pimco Income: „Der eine Teil des Portfolios besteht aus Anlagen, die hohe Einkommen bringen, wenn das Wirtschaftswachstum stärker als er-wartet ausfällt“, sagt Co-Fondsmanager Daniel Ivascyn. Der zweite Teil soll – wie bei Nordea – die Kursschwankungen senken. Deshalb besteht er aus Anleihen, die in schlechten Zeiten stark abschneiden. Am Ende soll der Fonds aber in erster Linie hohe laufende Erträge ausschütten. Der Nordea-Fonds soll hingegen zuallererst das angelegte Geld erhalten und Renditen über Geldmarktniveau liefern. Beides steht beim Pimco Diversified Income nicht so im Vordergrund. Stattdessen soll der Fonds, bei dem Ivascyn ebenfalls einer der Manager ist, höhere Gewinne bringen, als hochwertige Anleihen es im Schnitt vermögen. Und das bei geringeren Kursschwankungen als Hochzinsanlei-hen. Das ist ein eher relatives Ziel, für das dem Management aber alle Anleihemärkte der Welt offenstehen. Folgerichtig liegt die Volatilität höher als beim anderen Pimco-Fonds und dem sehr defensiven Nordea-Produkt.

Beim Fidelity Global Income gibt es ebenfalls ein relatives Ziel: Er soll höhere Renditen liefern als Unternehmensanleihen mit dem Rating BBB. Andererseits sollen aber auch hier regelmäßige hohe Ausschüttungen fließen. Eine Benchmark spielt beim Aufbau des Portfolios keine Rolle. Stattdessen denken die Manager in Blöcken und bauen hochwertige Anleihen, Hochzinsanleihen, Unternehmensanleihen aus Schwellenländern und kleine sogenannte Satelliten-Positionen zu einem soliden Ganzen zusammen. Wobei die hochwertigen Anleihen für Sicherheit und marktübliche Risikoprämien („Credit Beta“) sorgen sollen. Die Hochzins- und Schwellenländeranleihen sollen hohe Zinsflüsse bringen. Auch hier fallen die Schlüsselwörter „Global Opportunity Set“ und „Best Ideas“ – also globale freie Auswahl und daraus die besten Ideen.

Quelle: Bloomberg

Als Best-Ideas-Fonds sieht auch J.P. Morgan Asset Management seinen Global Bond Opportunities. Fondsmanager Nick Gartside lässt sich von kurzfristigen Markteinbrüchen weniger beeindrucken als manch vorsichtigerer Konkurrent. „Wir akzeptieren, dass es Volatilität im Markt gibt, und arbeiten damit. Wir denken sehr langfristig und strategisch und suchen dafür die interessantesten Anleihen heraus“, erklärt der Fondsmanager. Dafür kann es kurzfristig eben auch mal ein bisschen rappeln.

Ganz stark in Richtung Hedgefonds gehen hingegen die Produkte von NN Investment Partners und Schroders. NN-Manager van Zwol soll seinen Vergleichsindex um 3,5 Prozentpunkte im Jahr schlagen. Dafür darf er natürlich globale Anleihen kaufen. Er darf aber auch über die Kombination von Long- und Short-Positionen verschiedene über- oder unterbewertete Marktsegmente oder Währungen gegeneinander antreten lassen (Relative-Value-Strategie). Wenn sich die Bewertungen normalisieren, entsteht ein Gewinn – egal, wohin der Markt als Ganzes läuft. Dieser Total-Return-Ansatz beißt sich ein bisschen mit dem Benchmark-relativen Renditeziel. Das zweite erklärte Ziel passt besser: Der Fonds soll auch Gewinne bringen, wenn die Renditen am Markt steigen und die Kurse sinken.

Bei Schroders heißt es beim Anlageziel kurz und knapp „Gesamtrendite“. Dafür steht den Managern ein riesiges Arsenal an Strategien zur Verfügung: Long- und Short-Positionen an den Kreditmärkten, in Zinsen, Wechselkursen und Volatilitätskontrakten. Für einzelne Branchen ist das alles auch noch möglich, und wenn sich mal gar nichts ergibt, kann das komplette Fondsvermögen in die Cash-Reserve. Angesichts dessen wirkt der offizielle Vergleichsindex nur wie schmückendes Beiwerk, um die Rendite irgendwie einordnen zu können.

So verschieden die Strategien auch sind –alle genannten Fonds kommen aus guten, etablierten Häusern. Alle schöpfen das globale Angebot an Anleihen aus, sind damit herrlich weltweit gemischt und lösen ihre Anleger damit von den Fesseln, die die EZB dem Euro-Markt angelegt hat. Und wenn die Währungsrisiken auch nicht bei absolut null liegen, so sind sie doch begrenzt und in festem Rahmen sogar gewollt. Das ist nun mal der Preis für die Flucht vor der EZB.

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