Ausgebaute VW-Busse auf der Messe für Reisemobile und Caravans in Düsseldorf: Viele Dax-Unternehmen, darunter auch die Autohersteller, arbeiten in gesättigten Märkten. | © imago images / Sebastian Geisler Foto: imago images / Sebastian Geisler

Internationaler Vergleich

Warum der Dax schwach ist und schwach bleibt

Der jüngste Ersatz des Betrugsunternehmens Wirecard durch den digitalen Pizzalieferanten Delivery Hero wirft ein Schlaglicht auf die Zusammensetzung des deutschen Premiumindex. Das neue Dax-Unternehmen soll unternehmerische Frischluft in den deutschen Vorzeigeindex bringen. Aus unserer Sicht passt das Unternehmen jedoch – leider – in das Bild der übrigen Dax-Unternehmen: Es weist ebenfalls ein wenig überzeugendes Geschäftsmodell auf und es ist kaum zu erwarten, dass Delivery Hero eine nachhaltig überzeugende Ertragskraft entwickeln kann.

Deutsche Unternehmen sind wenig ertragreich

Es fällt auf, dass deutsche Unternehmen im Dax deutlich geringere Kapitalrenditen erzielen als beispielsweise Unternehmen im MSCI World oder S&P 500. Deutsche Unternehmen im Dax erzielen in diesem Jahr im Mittel eine Rendite auf das betrieblich gebundene Kapital (ROI) in Höhe von 4,0 Prozent. Bei den Unternehmen im MSCI World liegt dieser Wert zum Vergleich in etwa dreimal höher! Dieses Resultat hat verschiedene Ursachen:

  • Deutsche Unternehmen sind vergleichsweise klein: Mit zunehmender Größe können Unternehmen Kostenvorteile (insbesondere durch Fixkostendegression) nutzen. Die Höhe der Marktanteile spiegelt wider, in welchem Ausmaß ein Unternehmen im Vergleich zum Wettbewerb diese Skaleneffekte nutzen kann. Deutsche Banken, Versicherungen, Chemieunternehmen oder Pharmawerte sind im internationalen Vergleich in den letzten Jahren zurückgefallen und können kaum mehr die überlegenen Kostenstrukturen der weltweit führenden Konkurrenz erreichen.
  • Geringere Branchenkonzentration bei deutschen Unternehmen: Deutsche Unternehmen sind häufig in fragmentierten Branchen mit einer Vielzahl von Wettbewerbern (Beispiel Automobilindustrie, Chemieindustrie) tätig. In Branchen mit einer geringeren Anzahl von Wettbewerbern (Beispiel Internet, Pharma) ist regelmäßig ein niedrigerer Margendruck zu beobachten. Derartige Unternehmen sind im Dax unterrepräsentiert.
  • Deutsche Unternehmen befinden sich am Ende des Lebenszyklus: Viele Unternehmen im Dax (z.B. in den Branchen Auto, Chemie und Immobilien) wirtschaften in gesättigten Märkten. Derartige Märkte am Ende des Lebenszyklus versprechen kaum mehr Wachstum. Unternehmen sind dabei häufig Gefangene ihrer bisherigen Erfolge. Eine deutliche Veränderung des Geschäftsmodell ist häufig nicht im Interesse des Managements, da dies regelmäßig zu einer Verminderung der Gewinne (und damit auch der erfolgsabhängige Gehaltsbestandteile) führt.
  • Mäßige Standortbedingungen in Deutschland: Die folgenden Abbildungen zeigen die Steuerquoten von börsennotierten Unternehmen weltweit. Es wird deutlich, dass sich viele Staaten bei der Steuergesetzgebung in einem „Race to the bottom“ befinden. Die Steuerquoten von Unternehmen haben sich in letzten 20 Jahren international in etwa halbiert. Besonders auffällig ist die Entwicklung in den USA. Nach der Steuerreform im Jahre 2018 weisen viele US-Unternehmen nur noch eine Steuerquote von unter 20 Prozent auf. Vor diesem Hintergrund muss Deutschland mit einer mittleren Steuerquote von etwa 25 Prozent schon wieder als Hochsteuerland gelten. Aber nicht nur Steuern, sondern auch bei vielen anderen Rahmenbedingungen haben deutsche Unternehmen mit vielfältigen Problemen zu kämpfen. So untersucht die Weltbank regelmäßig die geschäftlichen Rahmenbedingungen (Ease of Doing Business) in verschiedenen Ländern. Deutschland weist insbesondere für Unternehmensgründer miserable Bedingungen auf. Bei den Gründungsbedingungen rangiert Deutschland international nur auf dem 125. Rang.

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