DAS INVESTMENT: Die Bundesregierung plant Milliardeninvestitionen in die deutsche Infrastruktur. Welche Perspektiven eröffnen sich dadurch für Investoren?
Christian Humlach: Das Infrastruktur-Paket mit 500 Milliarden Euro ist ein riesiges Investitionsprogramm, das die Bedürfnisse der Industrie, der Bundesländer und der Kommunen breit abdeckt. Es stellt dringend benötigtes Kapital für die Modernisierung der Bahn, für den Brückenbau, für Schulen und Krankenhäuser zur Verfügung und wird auch den lokalen Verwaltungen helfen.
Besonders spannend sind die 100 Milliarden Euro des Pakets, die explizit für den sogenannten Klima- und Transformationsfonds vorgesehen sind. Dieser Fonds soll die Dekarbonisierung der Industrie, den Ausbau erneuerbarer Energien und die Entwicklung einer Wasserstoffwirtschaft finanzieren, die wiederum grünen Strom benötigen wird. Dies sind genau die Bereiche, auf die wir spezialisiert sind.
Wie ist die Situation bei Infrastrukturinvestments in anderen Ländern?
Humlach: Infrastruktur ist global ein zentrales Thema, das in den vergangenen Jahren unter Sparmaßnahmen von Regierungen gelitten hat. In den USA hat der vorherige Präsident Joe Biden mit dem „Infrastructure Investment and Jobs Act“ eines der größten Investitionsprogramme des Landes in Gang gesetzt, dem viele andere Länder in ähnlicher Form gefolgt sind.
In der Politik ist es ein typisches Phänomen, dass Investitionen in spätere Wahlperioden verschoben und angekündigte Maßnahmen wieder zurückgenommen werden. Langfristig werden Investitionen in die Infrastruktur jedoch dringend benötigt – das eröffnet Chancen für Investoren.
Energiewende als Megatrend bringt neue Technologien mit sich
Welche Megatrends beobachten Sie in diesem Bereich?
Humlach: Die Energiewende stellt zweifellos einen zentralen Megatrend mit vielfältigen Facetten dar. Unser Ziel ist es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Ein Beispiel sind Batteriespeichersysteme. Bereits vor zwei Jahren später haben wir eine großformatige Batteriespeicheranlage in Betrieb genommen. Diesen Bereich bauen wir kontinuierlich aus und verfügen mittlerweile allein in Europa über 50 Projekte in acht Ländern.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei Infrastrukturprojekten?
Humlach: Grundsätzlich gibt es zwei wesentliche Aspekte: Einerseits die Notwendigkeit der Energiewende an sich – schließlich ist die Energiewirtschaft für über 75 Prozent der Treibhausgase verantwortlich. Dort liegt der größte Hebel. Andererseits gibt es auf Projektebene verschiedene Ansatzpunkte wie die kritische Prüfung von Lieferketten, die Einbindung lokaler Stakeholder oder Governance-Aspekte hinsichtlich potenzieller Interessenkonflikte.
Gefährdet Trumps zweite Amtszeit die Energiewende?
Humlach: Donald Trump versucht derzeit, einige der bereits erzielten Fortschritte wieder rückgängig zu machen. Er stellt Steuervergünstigungen für mehr Ladeinfrastruktur oder das Klimaschutzprogramm auf den Prüfstand. Die Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien wird aber weiterhin ein relevantes Thema bleiben, da die Wirtschaft günstige Energiepreise braucht und erneuerbare Energien die günstigste Art der Energiegewinnung sind.
Wer das stoppt, bremst auch den Ausbau von Rechenzentren und künstlicher Intelligenz und gefährdet dadurch die Wettbewerbsfähigkeit wichtiger Industrien – das kann sich kein Staat oder Politiker dauerhaft leisten. Wie der Übergang zu mehr erneuerbaren Energien konkret aussehen soll, darüber lässt sich aber durchaus streiten.
Infrastrukturprojekte sind ohne Investoren nicht zu stemmen
Wie wichtig sind private Investoren für die Umsetzung von Infrastrukturprojekten?
Humlach: Der enorme Investitionsaufwand für solche Infrastrukturprojekte ist nicht ohne Finanzierungen aus der privaten Wirtschaft zu stemmen. Institutionelle Anleger investieren bereits seit Jahrzehnten massiv in diesen Bereich. In Deutschland wurde erst kürzlich eine zusätzliche Infrastrukturquote für Pensionskassen und Versicherungen geschaffen.
Private Anleger hatten hier bislang einen sehr kleinen Anteil, was am komplexen Zugang lag. In den letzten zehn Jahren wurde allerdings viel getan, um den Bedarf an privaten Investitionen und den Anlegerschutz miteinander in Einklang zu bringen.
Welche Vorteile bieten Infrastruktur-Eltifs für Privatanleger – auch mit Hinblick auf die aktuell unruhigen Börsen?
Humlach: Der Eltif eröffnet vor allem einen einfacheren Zugang zu nicht börsennotierten Geschäftsmodellen und Sachanlagen. Entscheidend dafür ist die Verbuchung im Wertpapierdepot und damit eine einfachere steuerliche Berücksichtigung. Grundsätzlich ist der Eltif für Investitionen in die Realwirtschaft gedacht und dabei insbesondere für Investitionen in den Umbau der Energiewirtschaft.
Infrastrukturprojekte stellen eine wesentliche und für eine funktionierende Wirtschaft essenzielle Anlageklasse dar, die planbare und stetige Erträge liefert. In diesem Sinne ist sie eher mit Anleihen vergleichbar. Die Erträge ergeben sich zwar aus den Wertveränderungen der Sachanlagen, allerdings sind diese in der Regel sehr gering. In unserem Eltif mit Energieinfrastruktur basiert dies auf der Stromproduktion und dem -verkauf. Im Vergleich zur Stimmung an den Börsen sind dies zwei stabile Komponenten.
Auf welche Themen- und Länderschwerpunkte setzt Ihr Infrastruktur-Eltif?
Humlach: Grundsätzlich ist uns eine breite Streuung wichtig. Das gilt sowohl mit Blick auf Länder und Regionen als auch auf die verschiedenen Technologien der Energiewende und nachhaltiger Infrastruktur, die Finanzierungsformen sowie die Entwicklungsstufen. Unser Fokus liegt auf Europa und etablierten Technologien. Neben bereits gut entwickelten europäischen Staaten fassen wir aber auch Asien ins Auge, da dort ein höherer Investitionsbedarf bei gleichzeitig höheren Renditen besteht. Die USA spielen bei uns keine Rolle – auch perspektivisch nicht. Das lässt uns und unsere Anleger aktuell sicherlich ruhiger schlafen.
Über den Interviewten:
Christian Humlach ist Leiter Wholesale Client Advisory im Dach-Raum bei Aquila Capital. Er ist für die Entwicklung des Wholesale-Geschäfts in Deutschland und Österreich mitverantwortlich und betreut sowohl Anleger als auch Vertriebspartner wie Banken, Dachfonds, Vermögensverwalter und Finanzberater.
Mit dem AC One Planet (ISIN: LU2696795819) hat Aquila im vergangenen Jahr einen Infrastruktur-Eltif ohne Mindestanlagesumme aufgelegt.