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Interview BlackRock „Europäische Aktien bieten nach wie vor die größten Ertragschancen“

Andreas Zöllinger, Co-Portfoliomanager des BGF European Equity Income Fund bei BlackRock. Foto: Tom Hönig.

Andreas Zöllinger, Co-Portfoliomanager des BGF European Equity Income Fund bei BlackRock. Foto: Tom Hönig.

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DAS INVESTMENT: Die Bewertungen für europäische Aktien sind mittlerweile recht ambitioniert. Ist jetzt trotzdem noch ein guter Zeitpunkt, in europäische Aktien zu investieren?

Andreas Zöllinger:
Wir erwarten, dass die wirtschaftliche Erholung in der Region anhält und das Wachstum weiter anzieht. Dazu dürfte erstens die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank beitragen, welche die Schuldenfinanzierung erleichtert. Zweitens dürfte der schwache Euro den europäischen Exporten Rückenwind verleihen, denn die europäischen Unternehmen erzielen mehr als die Hälfte ihrer Umsätze außerhalb des eigenen Kontinents. Und drittens dürften der niedrigere Ölpreis und höhere Löhne die Verbraucherausgaben unterstützen. Das heißt: Europäische Aktien bleiben attraktiv.

Woran lesen Sie das Potenzial ab?

Zöllinger:
Die drei genannten Faktoren beginnen bereits, sich positiv auf die Unternehmensgewinne auszuwirken: So sind die Gewinnrevisionen zum ersten Mal seit fünf Jahren positiv, und das erste Quartal 2015 war das beste für europäische Unternehmen seit vier Jahren. Wir erwarten, dass dieser Trend anhält und europäischen Aktien weiteres Kurspotenzial eröffnet.

Sie versprechen regelmäßige Erträge. Auch im Niedrigzinsumfeld?

Zöllinger:
Europäische Aktien bieten aufgrund ihrer hohen Dividenden derzeit die größten Ertragschancen: Sie liefern gut 3 Prozent Dividendenrendite, gemessen am MSCI Europe. Aktien mit hohen Dividendenrenditen kommen im Schnitt auf fast 5 Prozent, wie der MSCI Europe High Dividend Yield Index zeigt. Zudem zeigt die zurückliegende Börsenphase, dass innerhalb der Industriestaaten die Dividenden europäischer Unternehmen am schnellsten wachsen.

Was machen Sie anders als Ihre Kollegen, die europäische Aktien managen?

Zöllinger: Wir verfolgen einen flexiblen Ansatz. Dieser ermöglicht uns, innerhalb unseres Anlageuniversums – sprich hauptsächlich dividendenstarke europäische Aktien – je nach Marktumfeld unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen. Dies betrifft die Länder- und Branchenallokation ebenso wie die Marktkapitalisierung der Unternehmen. Durch diesen flexiblen Ansatz hebt der BGF European Equity Income Fund sich von anderen europäischen Dividendenfonds ab. Zudem schafft dieser Ansatz – neben unserer hohen Kompetenz im Risikomanagement – die Voraussetzung dafür, Überrenditen gegenüber dem breiten Markt und damit Mehrwert für die Anleger zu erwirtschaften.

In welchen Ländern finden Sie aktuell das beste Risiko-Rendite-Verhältnis?

Zöllinger: Wir schauen uns vor allem Sektoren und einzelne Unternehmen an. Wo ein Unternehmen geografisch verortet ist, spielt in unserem Ansatz eine eher untergeordnete Rolle. Aktuell sind zum Beispiel Unternehmen aus Großbritannien, den Niederlanden und Italien gegenüber dem MSCI Europe übergewichtet.

Worauf achten Sie bei der Titelauswahl?

Zöllinger: Bei der Auswahl der Unternehmen achten wir besonders auf ein starkes Management, eine starke Wettbewerbsposition, strikte Finanzdisziplin und stabile Erträge. Wir investieren in Aktien mit der Aussicht auf hohe Renditen und stetige Dividenden, die sich durch Qualität und überdurchschnittliches Dividendenwachstum auszeichnen und unterbewertet sind. Anhand dieser Kriterien erstellen wir ein Portfolio aus 40 bis 70 unterbewerteten europäischen Dividendentiteln aus allen Marktsegmenten, von Large Caps bis hin zu Small Caps.

Geben Sie einige Beispiele für Sektoren mit Potenzial?

Zöllinger: Dazu zählen unseres Erachtens Telekomwerte. Diese können angesichts der Konsolidierung in mehreren europäischen Märkten und steigender Nachfrage
die Preise nach mehreren Jahren der Deflation zumindest stabil halten, wenn nicht gar anheben. Daher haben wir Telekomaktien seit einigen Monaten übergewichtet. Bei Finanzwerten haben wir das Übergewicht sogar ausgebaut, wobei wir Versicherer mit hohen Dividendenrenditen besonders interessant finden. Ebenfalls ausgebaut haben wir unser Übergewicht bei Werten aus dem Bereich langlebige Konsumgüter, weil die Perspektiven für steigende Verbraucherausgaben – wie eingangs erwähnt – günstig sind.

Gibt es andererseits Sektoren, die Sie aktuell meiden?

Zöllinger: Dazu gehören beispielweise Industriewerte, weil das Wachstum sich auf globaler Ebene abschwächt, gerade in Asien. Europäische Unternehmen, die durch das starke Wachstum in den Schwellenländern in den vergangenen zehn Jahren profitiert haben, werden sich in Zukunft wahrscheinlich etwas schwerer tun.

Zurück zum Risikomanagement: Wie gehen Sie vor?

Zöllinger: Professionelles Risikomanagement steht bei BlackRock generell im Fokus, weltweit arbeiten bei uns mehr als 1.000 Experten in diesem Bereich. Dementsprechend genießt das Risikomanagement auch beim BGF European Equity Income Fund einen hohen Stellenwert: Um das Risiko zu begrenzen, investieren wir nicht in Aktien, bei denen Dividendenkürzungen anstehen könnten oder keine Aussicht auf eine unmittelbare Dividendenrendite besteht und die mit hohen Kursschwankungen behaftet sind. Zudem arbeiten wir als Portfoliomanager mit den Risikoexperten des Risk & Quantitative Analysis Teams bei BlackRock zusammen. Dazu gehören unter anderem regelmäßige Makro-Stresstests, Analysen aktueller Markttrends sowie Analysen der Risikofaktoren im Portfolio und der daraus resultierenden Renditen.