LinkedIn DAS INVESTMENT
Suche
in Karriere, Job, GehaltLesedauer: 10 Minuten
Headphones
Artikel hören
Comgest-Fondsmanagerin Denis Callioni im Interview
„Frauen benötigen unterschiedliche Arten von Netzwerken”
Die Audioversion dieses Artikels wurde künstlich erzeugt.

Comgest-Fondsmanagerin Denis Callioni im Interview „Frauen benötigen unterschiedliche Arten von Netzwerken”

Denis Callioni
Denis Callioni ist Co-Fondsmanagerin des Comgest Growth Europe Smaller Companies und des Comgest Growth Europe Opportunities. | Foto: Comgest

DAS INVESTMENT: Frauen sind im Fondsmanagement immer noch unterrepräsentiert. Das ist schon lange bekannt, aber es ändert sich kaum etwas. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Denis Callioni: Ich glaube, es gibt immer noch falsche Vorstellungen über die Fondsbranche und die verschiedenen Berufe, die sie bietet. Auch wenn versucht wird, sie bekannter zu machen, indem man sie zum Beispiel an Universitäten vorstellt, sollte die Vermittlung von Wissen über die Branche noch früher beginnen.

Bei Ihnen hat es aber geklappt, Sie sind in der Fondsbranche tätig und stehen an der Spitze zweier Fonds.

Callioni: Ich hatte wirklich das Glück, in der weiterführenden Schule eine echte Vorliebe für Wirtschaft zu entwickeln. Und noch mehr Glück hatte ich, einen persönlichen Tutor zu haben, der Professor an der Akademie für Wirtschaftsstudien in Bukarest war, aber gleichzeitig auch als Börsenmakler arbeitete: Seine Erfahrung empfand ich als sehr motivierend. Diese Begegnung im Alter von 16-17 Jahren war ein entscheidender Grund für meine Entscheidung, ein Bachelor- und Masterstudium aufzunehmen. Wenn wir über die Möglichkeiten sprechen, die die Branche zu bieten hat, dann sollten die Vorteile vielfältiger Teams unbedingt genannt werden: Es geht darum, bessere Ergebnisse zu erzielen. Auch sollten wir stärker darauf hinweisen, dass es immer mehr Gleichberechtigung gibt. So lässt sich das mögliche Missverständnis beseitigen, dass wichtige Front-Office-Jobs nicht mit einem Familienleben vereinbar sind.

 

Eine Studie von Morningstar in Deutschland ergab, dass Frauen nicht nur seltener Fondsmanagerinnen sind, sondern im Durchschnitt auch kleinere Fonds verwalten. Können Sie das anhand Ihrer Beobachtungen bestätigen?

Callioni: Es ist in der Tat nicht das erste Mal, dass ich von weiblichen Portfoliomanagern lese, die kleinere Fonds verwalten. Wahrscheinlich stimmt das im Durchschnitt sogar. Ich bin sehr froh darüber, dass das bei Comgest in der Vergangenheit nicht der Fall war. Die Entwicklung hat sich auch in den letzten Jahren fortgesetzt, da mehrere weibliche PMs einige der größeren Strategien von Comgest verantworten. Das hat sicher auch damit zu tun, dass Comgest mit einem Frauenanteil von 33 Prozent im Investmentteam deutlich über dem Branchendurchschnitt liegt. Ich denke, darin spiegelt sich ein historisch gewachsenes Interesse daran, durch Vielfalt die besten Ergebnisse zu erzielen. Während meines eigenen Einstellungsverfahrens war ich beeindruckt, dass Vielfalt wirklich auf der Agenda steht nicht nur in Bezug auf das Geschlecht, sondern vor allem in Bezug auf Nationalität, Hintergrund und Erfahrung. Comgest verfolgt einen langfristigen Anlagestil, außerdem werden die meisten Fonds im Durchschnitt von drei Portfoliomanagern verwaltet. Das ermöglicht auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Sind Sie im Laufe Ihrer Karriere mit besonderen Herausforderungen konfrontiert worden, die Ihre männlichen Kollegen nicht zu bewältigen hatten?

1.200% Rendite in 20 Jahren?

Die besten ETFs und Fonds, aktuelle News und exklusive Personalien erhalten Sie in unserem Newsletter „DAS INVESTMENT Daily“. Kostenlos und direkt in Ihr Postfach.

Callioni: Vielleicht hatte ich in den ersten Jahren meiner Karriere das Gefühl, dass ich mehr arbeiten musste, um mich zu beweisen, als meine männlichen Kollegen. Dieses Gefühl habe ich heute nicht mehr. Allerdings hilft mir dabei auch mein persönlicher Stil: Ich bin extrovertiert, kann meine Meinung selbstbewusst vertreten und auch durchsetzen. Ich möchte Frauen in unserer Branche dazu ermutigen, das Gleiche zu tun und nicht nur auf eine Gelegenheit zu warten. Männer wirken im Durchschnitt selbstbewusster und offener als Frauen. Das kann ihnen definitiv dabei helfen, schneller voranzukommen.

Alle Frauen, die ich näher kenne und die im Finanzbereich aufgestiegen sind, arbeiten extrem hart“

Können auch die Arbeitgeber etwas dafür tun, dass in der Fondsbranche mehr Frauen in die Verantwortung kommen?

Callioni: Manager und Führungskräfte könnten stärker auf Unterschiede achten und introvertiertere Charaktere motivieren, ihre Meinung in einer für sie geeigneten Umgebung zu äußern. Noch besser wäre es natürlich, von vornherein eine Umgebung zu bieten, in der alle Stimmen gehört werden können. Denn die lauteste Stimme im Raum ist nicht unbedingt die klügste.

Werden Ihrer Beobachtung nach die Einschätzungen von Frauen im Finanzsektor in gleichem Maße berücksichtigt wie die von Männern?

Callioni: Ich bin mir nicht sicher, da ich natürlich nur einen begrenzten Einblick habe. Aber ich würde sagen, wahrscheinlich nicht. Alle Frauen im Finanzbereich, die ich näher kenne und die aufgestiegen sind, arbeiten extrem hart.