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in HonorarberaterLesedauer: 5 Minuten

Interview zum FNG-Siegel „Wir wollen nicht bloß Schmutzquoten von Fonds definieren“

Martin Stenger (Franklin Templeton) und Roland Kölsch (QNG)
Martin Stenger (li.) und Roland Kölsch: Im Interview sprechen die Experten von Franklin Templeton und QNG über Vorteile und Grenzen von Nachhaltigkeits-Siegeln. | Foto: Franklin Templeton/FNG

DAS INVESTMENT: Ab dem 2. August sollen Berater ihre Kunden auch nach Nachhaltigkeitsvorlieben fragen. In der EU-Lesart lässt sich auf drei Arten nachhaltig Geld anlegen: Gemäß Taxonomie-Verordnung, gemäß Offenlegungsverordnung und mit Blick auf sogenannten Principal Adverse Impact. Was kann das FNG-Siegel darüber hinaus beisteuern?

Roland Kölsch: Bei uns geht es darum, die Qualität und Glaubwürdigkeit der Produkte zu untersuchen. Es gibt viele ESG-Agenturen, die jede für sich die Nachhaltigkeit von Unternehmen messen. Jede legt einen anderen Maßstab an, daher kommen alle zu unterschiedlichen Ergebnissen. Fondsgesellschaften holen sich in der Regel von dort eine Einschätzung, das reichern sie meist mit eigenem Research an. Die Prüfenden des FNG-Siegels verifizieren dann zum Beispiel: Halten die Fondsgesellschaften ihre selbst gesetzten Nachhaltigkeitsmaßstäbe ein? Beispielhaft gesprochen wird geprüft: Wieso kommt dort eine Unilever-Aktie ins Portfolio und nicht eine Nestlé – passt das zu den selbst gewählten ESG-Grundsätzen?

Sehen Sie sich die Unternehmen dahinter denn gar nicht an?

Kölsch: Nein, nicht direkt. Wir machen keine eigene Unternehmensanalyse, das tun schon die ESG-Agenturen. Das ist ein verbreitetes Missverständnis: Kein Label, auch nicht das FNG-Siegel, prüft die Einzeltitel auf Nachhaltigkeit. Wir sagen nicht: Diese Titel in dem Fonds sind definitiv grün. Das kann Ihnen aktuell auch niemand objektiv sagen. Wir screenen allerdings sehr wohl nach nicht nachhaltigen Geschäftsfeldern, die zu Ausschlüssen führen. Und wir suchen nach Kontroversen, also vermeintlichen Skandalen, wie Verstöße gegen Menschen- oder Arbeitsrechtsstandards.

 

 

 

Allerdings erwarten wohl viele Anleger, dass die Investments in einem Fonds mit Nachhaltigkeits-Siegel auch alle nachhaltig sind.

Martin Stenger: Es gibt ja noch keinen abschließenden Nachhaltigkeitskatalog, wir befinden uns in einem dynamischen Prozess. Wir als Fondsgesellschaft wollen den Markt so mitgestalten, dass die Unternehmen überhaupt einmal beginnen, etwas zu ändern. Daher ist es nicht sinnvoll, ab sofort nur noch in die sowieso schon sehr nachhaltigen Unternehmen zu investieren. Die Lenkungswirkung von Geld, die die EU anstrebt – die wollen wir als Großanleger ja mit erzeugen.

Das FNG-Siegel hat eigene Grundsätze, was in puncto Nachhaltigkeit überhaupt nicht geht. Wie stehen Sie zu der kürzlich intensiv geführten Diskussion um Atom- und Gaskraft?

Kölsch: Das FNG meint, dass Atomkraft nicht vereinbar mit dem Nachhaltigkeitsgedanken ist, wie er in den deutschsprachigen Ländern vorherrscht. In unserem Gütezeichen ist Atomkraft ausgeschlossen. Die fossilen Energien dagegen haben wir nicht komplett ausgeschlossen. Öl zum Beispiel kann man nicht eins zu eins durch etwas anderes ersetzen. Wir haben Umsatzgrenzen festgelegt. Bei Kohle zum Beispiel darf ein Unternehmen im Portfolio innerhalb der Siegel-Kriterien maximal 10 Prozent Umsatz mit Kohleverstromung machen. Kohlebergbau ist bis maximal 5 Prozent erlaubt. Auch Fracking und Ölsande sind bei uns tabu. Allerdings wollen wir auch nicht bloß einige sogenannte „Schmutzquoten“ von Fonds definieren. Damit würde man es sich zu einfach machen.

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