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Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen wird 15 Was war Ihre beste Entscheidung, Herr Fischer?

Frank Fischer
Fondsmanager Frank Fischer | Foto: Shareholder Value Management/Jessica Hunold mit Canva

DAS INVESTMENT: Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, wendet sich längst nicht nur an Stiftungen. Was steckt hinter seinem Namen?

Frank Fischer: Der Gründer von „Shareholde Value“, Günther Weispfenning, war Stifter der gemeinnützigen „Share Value Stiftung“. Die Stiftung fördert überwiegend gemeinnützige Einrichtungen im christlichen Sinne. Das Besondere ist, dass sie ihr Stiftungsvermögen von Anfang an ausschließlich in Aktien angelegt hat. Über die Share Value Stiftung haben wir Kontakt zu anderen Stiftungen bekommen, die ebenfalls in Aktien anlegen wollten, um eine angemessene Realrendite zu erzielen. So wurde die Fondsidee geboren. Der Hauptgedanke eines vermögensverwaltenden Aktienfonds mit schwankungsarmer Rendite fand dann schnell auch das Interesse von Anlegern außerhalb der Stiftungswelt, auch Privatanlegern.

War sein Start zu Beginn der Finanzkrise nicht ungünstig gewählt?

Fischer: Rückblickend ja. Als wir im Januar 2008 starteten, gab es zwar schon ein paar böse Vorzeichen durch ansteigende Kreditausfälle in den USA. Für uns war aber entscheidender, dass sich durch die Marktentwicklungen Opportunitäten bei attraktiven Value-Aktien ergaben.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Sie haben sich das Value-Investing auf die Fahnen geschrieben. Wonach suchen Sie genau?

Fischer: Vereinfacht gesagt, wollen wir für einen Euro Unternehmenswert nicht mehr als 60 Cent bezahlen. Dieses Investieren in Unternehmen, die unter ihrem inneren Wert gehandelt werden, ist der Kern des Value-Gedankens, wie ihn etwa Benjamin Graham entwickelt hat. Graham hatte vor allem eine Unterbewertung gegenüber dem Buchwert im Blick. Dieser Aspekt wird allerdings vielen modernen Geschäftsmodellen nicht gerecht, zum Beispiel im Medizintechnik- oder Software-Sektor. Deren besondere Ertragsstärke mit einer satten zweistelligen Kapitalrendite wird nicht berücksichtigt. Deshalb schauen wir auf den Total Shareholder Return, die Gesamt-Aktionärsrendite. Dazu zählt neben dem Free Cash Flow auch der Mehrwert aus Dividenden oder Aktienrückkäufen. Diese Erträge machen für uns den Wert einer Investition aus. Diesen modifizierten Ansatz, die Suche nach wunderbaren Firmen, auch Qualitätsaktien genannt, bezeichnen wir als „Modern Value“.

Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen trägt den Titel „Aktien“ im Namen, wird vielerorts aber als Mischfonds geführt. Wieso die Diskrepanz?

Fischer: Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen soll eine Investition in Aktien ermöglichen. Gleichzeitig wollen wir, dass unsere Anleger ruhig schlafen. Deshalb hat der Fonds eine vermögensverwaltende Komponente: Wenn unsere Markteinschätzung es erfordert, halten wir Cash oder legen in kurzlaufenden Anleihen an. Wir können die Aktienquote auch durch Derivate absichern. Die meisten Datenbanken führen ihn als dynamischen Mischfonds, weil er eine durchschnittliche Aktienquote von 70 bis 80 Prozent hat. Als 100-prozentigen Aktienbaustein haben wir im vergangenen Jahr übrigens unseren Frankfurter Ucits-ETF – Modern Value (ISIN: LU2439874319) aufgelegt.

 

Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen hat vor einigen Jahren seine Strategie verändert. Er hatte sich zunächst auf kleinere Unternehmen im Euroraum konzentriert, mit Fokus auf Deutschland. Nach einem rund anderthalbjährigen Softclose dehnte er Ende 2017 seine Anlageregion aus, größere Unternehmen sollten mehr Gewicht erhalten, und er wollte wieder konzentrierter investieren. Hat sich der Kursschwenk bewährt?

Fischer: Wir investieren unverändert seit Jahren gemäß unserer Value-Philosophie. Wir bevorzugen familien- oder eigentümergeführte Unternehmen, die über einen strukturellen Wettbewerbsvorteil verfügen, auch wirtschaftlicher Burggraben genannt. Diese wunderbaren Firmen mit hohen Kapitalrenditen suchen wir bevorzugt in westlichen Industrieländern und sehr gerne im Dach-Raum. Sehr wichtig sind uns dabei Rechtssicherheit und Offenheit für Kapitalanleger. Daher haben wir auch nie in russische Aktien investiert. Mit dem Wachstum des Fonds und unseres Analysten-Teams konnten wir unsere bewährte Strategie auch auf andere Regionen ausweiten. So gehört Alphabet schon seit 2013 zu unserem Portfolio. Das Corona-Tief 2020 brachte uns dann die Chance, zu der von uns geforderten Sicherheitsmarge in größere Titel wie Amazon und Microsoft zu investieren. Der Anteil der Small Caps aus dem europäischen Raum ist aber seit Jahren konstant, er liegt bei um die 25 Prozent.

In der Corona-Pandemie gab es erst einen kurzen Crash, auf den eine längere Aktien-Rally folgte. 2022 gingen die Kurse dann mehrheitlich wieder nach unten. Wie hat sich der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen aus Ihrer Sicht geschlagen?

Fischer: Die defensivere Ausrichtung des Fonds reduziert die Verluste in Abwärtsphasen. Allerdings läuft der Fonds in massiven Aufwärtsphasen dem breiten Aktienmarkt etwas hinterher. In Summe erzielen wir langfristig eine aktienmarktähnliche Rendite – mit deutlich geringeren Schwankungen als der Gesamtmarkt.

Der Fonds hatte zwischenzeitlich schon mehr als 2 Milliarden Euro Volumen, aktuell sind es noch gut eine Milliarde. Wie erklären Sie sich die Abflüsse?

Fischer: Nach dem Hoch beim Fondsvolumen im Sommer 2018 hatten wir leider ein schwaches Jahr. Anleger treffen ihre Investitionsentscheidungen oft emotional, das führte zeitversetzt zu Abflüssen. Seit dem Sommer 2020 ist das Fondsvolumen stabil. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir mit unserem erweiterten Analyse- und Portfoliomanager-Team wieder deutliche Zuflüsse erzielen können.